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Bad Homburg Monopoly mit echten Millionen

Immobilien-Spekulation für Fortgeschrittene: Wie die Stadt Bad Homburg billig ans örtliche Post-Gelände kam – und die Sparkasse viel Geld verlor.

28.12.2010 11:04
Klaus Nissen
Postgebäude am Bad Homburger Bahnhof Foto: Monika Müller

Es gibt Leute, die für Stundenlohn arbeiten. Und Unternehmer wie Helmut Erich Müller (Name geändert), die Immobilien entwickeln. Damit sind Millionen zu verdienen. Wenn alles gut geht. In diesem Fall aber landet der Geschäftsmann wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht. Und der Geldgeber – die Taunus-Sparkasse – bleibt auf einem Millionen-Verlust sitzen.

Helmut Erich Müller kommt aus bester Bad Homburger Familie. Der Vater von vier Kindern wohnt im Hardtwald. Nach dem Architekturstudium managte der jetzt 57-Jährige eine niedersächsische Verkehrsgesellschaft und brachte später der Straßenbauverwaltung von Rheinland-Pfalz die doppische Buchführung bei. 2001 nahm er in Bad Homburg sein eigenes Megaprojekt in Angriff: die Umwandlung der Hauptpost am Bahnhof in ein Büro-Carré. Er kaufte damals das 7000 Quadratmeter-Filetgrundstück, so Müller vor dem Amtsgericht. Das Geld liehen ihm zwei Banken. Allein sieben Millionen kamen von der Taunus-Sparkasse.

Gemeinsam mit der West GkA – einer Tochter der Westdeutschen Landesbank – gründete Müller die „Projekt Carré am Bahnhof GmbH“. Die Firma sollte ein schickes Bürohaus anstelle des öden Postgebäudes aus den 70er Jahren errichten. Zunächst war die Vermietung an Start Amadeus geplant, so Müller. Das klappte nicht. Dann habe er lange mit der Bundesschuldenverwaltung über einen Mietvertrag verhandelt. Leider vergeblich, sagt er.

Was ging schief? Seine Geschäftspartnerin, die Düsseldorfer West Gka, habe schon früh den Sparkassenkredit gekündigt. Für die Vermittlung eines neuen Geldgebers hätte die Firma nämlich 70.000 Euro Provision bekommen, so Müller. Es kam aber kein frisches Geld. Im Mai 2007 hätte die Taunus-Sparkasse ihr Darlehen zurückbekommen müssen. Ein Jahr lang wartete sie darauf. Erst im Juni 2008 beantragte sie die Zwangsvollstreckung gegen die Projekt Carré am Bahnhof GmbH. Damit war letztere erledigt. Doch erst am 29. Mai 2009 stellte Helmut Erich Müller den Insolvenzantrag. Genau 710.3841,35 Euro schuldete die Firma von Müller und West GkA der Taunus-Sparkasse. Die Stadt Bad Homburg nutzte ihr Vorkaufsrecht und erwarb die Hauptpost für schlappe 3,8 Millionen. Irgendwann wird sie dort vielleicht einmal eine Disco oder ein Kino errichten, so Magistrats-Sprecher Andreas Möring.

Gut 3,3 Millionen Euro Verlust hat die Taunus-Sparkasse jetzt noch aus dem missglückten Postamts-Monopoly. Dieses Geld versucht sie per Zivilklage zu bekommen. Helmut Erich Müller muss nur 3000 Euro als Strafe für die Insolvenzverschleppung bezahlen. Das Geld erbittet der mittellose Unternehmer von seiner Frau, der die 1,5-Millionen-Villa im Hardtwald gehört. Vielleicht wird er bald in Polen reich. Da gehöre ihm eine Firma für Abwasser- und Müllentsorgung, berichtet Müller dem Amtsrichter. Leider mache die im Moment gerade Verluste.

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