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Bad Homburg Keramik auf kleinstem Raum

„Bol & Becher“ ist das kleinste Geschäft Bad Homburgs / 2000 Exponate.

Petra Plessmann fühlt sich in ihrem kleinen Laden wohl.

Es gibt Läden, die lassen sich als original bezeichnen, weil sie alt sind, ein besonderes Sortiment haben oder einen ganz eigenen Chef. Das „Bol & Becher“ von Petra Plessmann kann vor allem mit einem Rekord aufwarten: Es ist der kleinste Laden in Bad Homburg. Verkauft wird nur eines: Bunzlauer Keramik. Und das nun auch schon seit fast zehn Jahren.

Auf gerade einmal 11,5 Quadratmetern breitet Petra Plessmann ihr Angebot aus. Tassen, Becher, Müslischüsseln, Auflaufformen, Teller, Butterdosen – praktisch alles, was in der Küche oder im Haushalt Verwendung finden und aus Keramik hergestellt werden kann. Die Farbe blau überwiegt dabei, ein typisches Merkmal für Keramik aus Bunzlau. Diese wird dort seit rund 250 Jahren hergestellt, charakteristisch ist die hohe Feuerfestigkeit.

Boleslawiec , wie der Ort auf polnisch heißt, liegt in Niederschlesien, rund 600 Kilometer von Bad Homburg entfernt. Petra Plessmann nahm diese Strecke vor über zehn Jahren auf sich. Die Fahrt war Teil einer Entwicklung, die Plessmann als „Anhäufung von Zufällen“ beschreibt. Zufälle, die letztlich dazu führten, dass sich die heute 59-Jährige einen kleinen Traum erfüllen konnte.

Dass sie einmal ein Geschäft für Keramik in Bad Homburg führen würde, war im Lebensweg von Petra Plessmann lange nicht vorherzusehen. Gebürtig aus der Nähe von Göttingen stammend, lernte sie den Beruf der Bibliothekarin. Später lebte sie mit ihrem Mann in der Nähe von Düsseldorf, vor rund 25 Jahren zogen beide in den Taunus. Die Keramik war immer nur ein Hobby, „ich fand die Sachen aus Bunzlau einfach schön“, sagt sie. Doch dann suchte Plessmann eine Veränderung, befasste sich näher mit den Tellern, Bechern und Tassen aus Bunzlau – und fuhr dorthin.

Einen Werksverkauf und der Rückkehr in den Taunus später stand fest: „Ich mache einen Laden auf.“ Es folgte ein Brief – ja, so machte man das damals – nach Bunzlau, als Antwort kam die Genehmigung, das Keramik zu verkaufen. Blieb die Frage nach einem Ladenlokal, und wieder half der Zufall. Bei einem Spaziergang durch die Wallstraße fiel der Keramikverkäuferin in spe ein leerstehender Raum auf, für den ein Nachmieter gesucht wurde. Dieser fand sich schnell, in Person von Petra Plessmann.

Derzeit sind es knapp 2000 Exponate, die sie in ihrem kleinen Geschäft anbietet. Ihren Lebensunterhalt kann sie damit nicht bestreiten, sie verdient sich einfach etwas hinzu. „Wegen des Geldes mache ich das aber auch nicht“, sagt sie mit Bestimmtheit. Dann schon eher wegen der bisweilen lustigen Ereignisse, die sich fast zwangsläufig ergeben, wenn Kunden einen derart kleinen Laden betreten.

So erinnert sich die Ladenbesitzerin an einen Vater mit zwei Kindern, der seine Söhne eindringlich davor gewarnt habe, irgendwas anzufassen oder sich zu bewegen; das sei schließlich gefährlich. „Am Ende war er es selbst, der zwei Kannen fallen ließ.“ Oder die amerikanische Familie, bestehend aus Mutter, Vater, Oma, Opa, Baby im Kinderwagen und Hund. Vater, Opa und Hund mussten draußen bleiben, „im Regen, das Baby schrie wie verrückt, doch die beiden Frauen ließen sich in aller Seelenruhe beinahe das gesamte Sortiment zeigen.“

In aller Seelenruhe blickt auch Petra Plessmann der Zukunft entgegen. „Mit 70 mache ich Schluss, und bis dahin ziehe ich auch nicht mehr um“, ist sie sich ihrer Sache sicher. Auch 11,5 Quadratmeter können eben manchmal reichen.

Originale: Unter diesem Titel stellt die Rundschau in loser Folge ganz besondere Fachgeschäfte aus den Städten des Hochtaunuskreises vor.

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