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Bad Homburg Karasu will kein „Stimmvieh“ sein

Der junge SPD-Abgeordnete Okan Karasu verlässt nach der Fraktion auch die Partei. Sein Mandat behält er, auch wenn das manche in der Fraktion gerne anders sehen würden.

Die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag letzter Woche war die erste, an der Okan Karasu als fraktionsloser Abgeordneter teilnahm. Kurz zuvor war es aus der SPD-Fraktion ausgetreten, Hintergrund waren die mit der CDU vereinbarten Gespräche seiner Partei, an denen letztlich auch das Bündnis für Bad Homburg zerbrochen ist. Für Karasu war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die Art und Weise, wie sich die SPD in dieser Phase präsentiert hat, kritisiert er scharf.

Okan Karasu ist 21 Jahre alt. Seit fünf Jahren ist er SPD-Mitglied, seit 2011 Abgeordneter im Stadtparlament. Seine politische Karriere ist also noch recht jung, nun hat er schon einen Rücktritt hinter sich. Das schaffen nicht viele. Zu den Gründen befragt, holt Karasu aus. Er sei mit großen Hoffnungen in seine Zeit als Stadtverordneter gestartet, sagt er. Doch schon nach rund einem Jahr habe er festgestellt: „Ich fühlte mich in der Fraktion nicht so wohl.“

Er habe bei seinem Musikprojekt, dass ihn an Schulen führte, um Jugendliche für Politik zu begeistern, zwar Unterstützung erfahren, aber „eher nur finanzieller Natur“. Prinzipiell sei das schon sein eigenes Projekt gewesen. Was die Arbeit im Parlament betraf, habe er „zu wenig Verantwortung“ gespürt, er kam sich manchmal wie „Stimmvieh“ vor.

Identifikations-Probleme

Hinzu kamen Identifikations-Probleme mit der Bundes-SPD seit der Debatte um Thilo Sarrazin. So habe eines zum anderen geführt, der letzte Schritt zum Fraktions-Austritt war dann die Art und Weise, wie die SPD in die Gespräche mit der CDU gegangen ist.

Es ist Karasu wichtig zu betonen, dass er das Treffen beider Parteien an sich für nachvollziehbar hält. „Aber der Weg war falsch“, sagt er energisch. Es habe keinerlei Information für die Fraktionsmitglieder gegeben, es sei ein Alleingang der Fraktionsspitze – namentlich Jürgen Stamm, Elke Barth und Karl Heinz Krug – gewesen. Er selbst habe dann über Facebook davon erfahren.

Elke Barth selbst sieht die Sache etwas anders. Solche informellen Gespräche zwischen Partei-Spitzen fänden in der Politik regelmäßig statt. „Darüber“, so die Bad Homburger SPD-Chefin, „wird selten die ganze Fraktion informiert.“ Okan Karasu berichtet in dem Zusammenhang von Anrufen, die ihn erreicht hätten, von Menschen, die seit 40 Jahren in der SPD sind. Die hätten ihm gesagt, dass Politik eben manchmal so sei. „So darf Politik aber nicht sein“, hat Karasu ihnen geantwortet.

Der 21-Jährige wird nach seinem Urlaub auch aus der Partei austreten. Sein Mandat behält er, auch wenn das manche in der Fraktion gerne anders sehen würden. Elke Barth hält es für „völlig legitim“, diese Forderung zu stellen, schließlich sei Karasu damals nur als Nachrücker für Sepp Peklar, der in den Magistrat wechselte, ins Stadtparlament gekommen. Für Okan Karasu dagegen war der Nachdruck, mit der die Rückgabe seines Mandats gefordert wurde, nur eine Bestätigung seines Schrittes.

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