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Bad Homburg Heilwasser und schwarze Bänder

In der Kurstadt trifft man sich an Aschermittwoch zu einem ungewöhnlichen Ritual. Der scheidende Bürgermeister Karl Heinz Krug wird mit dem Schwarzen Band ausgezeichnet.

Bad Homburg
Marliese Bernecker verleiht Karl Heinz Krug das Schwarze Band. Foto: Monika Müller

Während andernorts der Aschermittwoch mit bierseligem Polit-Gepolter begangen wird, lässt die Bad Homburger Stadtgesellschaft die närrische Jahreszeit bei einem Gläschen Wasser aus der mineralhaltigen Elisabethenquelle ausklingen. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig, doch der Tropfen soll, wie man hört, sehr gesund für Magen und Nieren sein. Außerdem sorge das heilende Wasser aus dem Kurpark für eine „Reinigung von den Narrheiten des Alltags“, wie der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Bad Homburg, Eberhard Schmidt-Gronenberg, in seinem Grußwort versprach.

Der örtliche Gewerbeverein richtet seit 1996 das „TK-Katerfrühstück“ aus, das der Herausgeber und Chefredakteur des Taunus-Kuriers, Helmuth Bernecker, Anfang der 70er Jahre ins Leben gerufen hatte. Alle Besucher erhalten ein schwarzes Bändchen, das sie sich um den Kopf binden müssen, bevor sie den Saal des Kurhauses betreten. Dort versammelt sich dann das Who is Who aus Politik und Gesellschaft, angeführt von Landrat Ulrich Krebs und Oberbürgermeister Alexander Hetjes (beide CDU).

Den Taunus-Kurier gibt es zwar nicht mehr, die Tradition des Katerfrühstücks aber hat sich gehalten – und so herrschte auch am gestrigen Mittwoch wieder große Spannung, wem Berneckers Witwe Marliese zum Höhepunkt des Treffens das Schwarze Band in Samt und Seide überreichen würde. Der Name des jeweiligen Preisträgers gilt als eines der bestgehüteten Geheimnisse der Kurstadt. Selbst ansonsten bestens unterrichtete Bad Homburger mussten auf die Laudatio von Peter Löw warten, bis sie erfuhren, dass der scheidende Bürgermeister Karl Heinz Krug (SPD) an seinem letzten Arbeitstag in den illustren Kreis der Schwarze-Band-Träger aufgenommen wurde, dem Geschäftsmann Löw selbst seit zwei Jahren angehört.

Krug habe die Narretei begangen, als SPD-Mann in Bad Homburg Bürgermeister zu werden – was seit dem Zweiten Weltkrieg keinem anderen gelungen sei. Aber er habe sich nun durch seinen freiwilligen Amtsverzicht dafür entschieden, diesen Fehler zu korrigieren. Damit sei Krug „ein würdiger Bandträger“, lobte Löw. Für die Stadt sei der Abschied allerdings bedauerlich. Als Kämmerer habe Krug „einen guten Job“ gemacht. Da sei es gar nicht aufgefallen, „dass er in der falschen Partei war“, sagte der ehemalige CDU-Stadtverordnete Löw.

Krug selbst erinnerte an die Zeit, als er „als Wirtschaftsflüchtling aus dem Vogelsberg“ im reichen Bad Homburg Aufnahme gefunden hatte. Schon damals seien ihm einige Merkwürdigkeiten in der politischen Szene der Kurstadt aufgefallen: etwa der Hang zu „Zellteilung“, die zu immer neuen Formationen geführt habe, oder die Maßlosigkeit mancher Forderungen an die Stadt, die in ärmeren Kommunen undenkbar wären.

Er selbst habe vor diesem Hintergrund irgendwann einsehen müssen, dass er ein „lausiger Politiker“ sei: Ihm sei es in der Regel um die Sache gegangen, er habe zu offen und ehrlich seine Meinung gesagt, und ihm fehle die Gelassenheit. Und dann sei er auch noch in der falschen Partei, um im durch und durch konservativen Bad Homburg Wahlen gewinnen zu können. Daraufhin habe er, so Krug, entschieden: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei.“

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