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Bad Homburg Finden, Feilschen, Flanieren

Unter den Augen des Kaisers: Beim alljährlichen Flohmarkt in der Brunnenallee gelten besondere Gesetze.

Flohmarkt
Aylin Pusat (im Spiegel) freut sich über ihren neuen Hut für 1 Euro. Foto: Michael Schick

Wenn’s losgeht, ist der Markt für die Flohmarkt-Freaks längst verlaufen. Die sind dann schon auf dem Heimweg. Mit einem Dudelsack und einer Gitarre unter dem Arm für die private Instrumente-Sammlung, mit der letzten noch fehlenden Barbie für eine andere Kollektion oder mit einer großen Tasche voller kleiner Taschen, die vielleicht schon bei Ebay angeboten werden, bevor der traditionelle und herzlich beliebte einmalig im Jahr stattfindende Flohmarkt zum „Bad Homburger Sommer“ offiziell um 10 Uhr beginnt.

Wer weiß das schon, Brigitte K. aus Seulberg hat da so eine Ahnung. Um „zwanzig nach sieben“ stand diese Frau schon vor ihrem Stand auf der Kiesmatte in der Brunnenallee und hat ihr die Taschen und Täschchen „fast aus der Hand gerissen“. Für den Frauenring verkaufen Brigitte K. und zwei andere Damen hauptsächlich gespendete Taschen und Täschchen aus dem Fundus anderer Bad Homburger Damen. Der Erlös fließt in den Sozialfonds des Vereins, unterstützt werden daraus weniger begüterte Frauen in der Kurstadt. „Sie müssen hier nichts kaufen – Geldspenden sind auch so möglich“ steht auf einem Schild am Nachbarstand. Wer hier kauft oder spendet, hilft „Menschen und Tieren in Not“. Wohlwollend schaut der Kaiser von seinem Denkmalsockel vor dem nach ihm benannten Wilhelms-Bad auf die Guten unter den Händlern, die nicht nur in die eigene Tasche wirtschaften.

Der Flohmarkt als Spiegel für den Kreislauf der Dinge in bisweilen rätselhaften Formen in einem speziellen Kosmos eröffnet alle paar Meter eine neue Perspektive. Dieser wunderbar unaufgeregt und entspannt daherkommende Markt auf der perfekten Handelsmeile unter dem grünen Blätterdach alter Bäume passt ins Bild, dass in Bad Homburg manches anders läuft. Dass Grenzen verschwimmen können und eine Kurstadt-Lady mit Federhut, klingendem Geschmeide und Sommerkleid-Chic durchaus ohne Scham eine gute Figur sowohl vor als auch hinter dem Flohmarktstand abgeben kann. Erst recht, wenn hier der zweite Gang eingelegt wird und die Flaneure zum Suchen, Finden und Feilschen kommen.

Also nach den Profis, die im Frühtau mit ihren Schnapp-Käufen andere Flohmärkte vorbereiten. Und nach den Hobby-Profis, die mit gut gefüllten Einkaufstrolleys und Rollkoffern von dannen ziehen, während die Flaneure sich noch in den Laken räkeln. Später also, wenn ergraute Herren im Musikpavillon neben der Orangerie feinsten Rock-Pop im Hintergrund spielen und die Brunnenallee zum Treffpunkt der Bad Homburger und ihrer Freunde wird wie sonst bei der Klassiknacht in Weiß oder bei der Open-Air-Oper zum Auftakt der alljährlichen Sommerspiele im Park.

Nur Homburger übrigens bekommen bei diesem einen speziellen Flohmarkt die Lizenz zum steuerfreien Handel. Und selbst für diese ist es nicht einfach, eine zu ergattern, denn alle Jahre wieder gibt es wesentlich mehr Interessenten als zu vergebende Standplätze. „Ach je, es ist nicht leicht, einen zu bekommen“, sagt auch Brigitte K., deren Frauenring es „letztes Jahr nicht geschafft hat“. Lospech bei der Verteilung der Plätze für Vereine.

Wer keinen bekommen hat, ist auf der anderen Seite dieser besonderen Welt dabei. Gekauft wird, was gefällt, am liebsten für ein paar Euro weniger als der Verkäufer haben will. Dann können sich beide freuen. Und wenn’s nächstes Jahr nicht mehr gefällt, wird sich bestimmt ein Weiterverwerter finden.

Der „Homburger Sommer“ startet heute um 19.30 Uhr auf der Sommerbühne im Kurpark mit einem „Tribute to Dire Straits“ in die zweite  Woche. Weitere Höhepunkte sind am Samstag, 4. August, das Picknick am Schwanenteich mit irischer Folkmusik (16 Uhr) und am Sonntag, 5. August, ab 19.30 Uhr die „Klassiknacht in Weiß“ mit der Kammerphilharmonie St. Petersburg vor dem Kaiser-Wilhelms-Bad.

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