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Bad Homburg Eine Tankstelle für Liebhaber

Wer das private Oldtimer-Museum am Niederstedter Weg besucht, kann einen Schlenker nach links machen und den Nachbau einer Filiale der früheren Tankstellenkette Gasolin bewundern.

Dieter Dressel mimt auch gerne mal den Tankwart. Foto: Michael Schick

Auch wenn die Spritpreise derzeit niedrig sind: Wer immer noch meint, dass das Tanken zu teuer ist, fährt am besten zur Central Garage am Niederstedter Weg. Die dortige Tankstelle hat in diesem Fall einen großen Vorteil: An ihr kann gar nicht getankt werden. Vor allem aber besticht sie durch ihr Aussehen, ist sie doch einer Filiale der früheren Tankstellenkette Gasolin nachempfunden. Fritz Schmidt jr. aus Rüsselsheim ist für den Nachbau verantwortlich, und sein Fokus lag beim Bau auf den Details.

Der Name Gasolin ist 1971 verschwunden, als das aus Frankfurt stammende Unternehmen mit Aral verschmolz. Auf dem Vorhof der Central Garage könnte man aber meinen, in die Zeit vor dem Ende der Firma entführt worden zu sein. Ein Tankwarthäuschen, Zapfsäulen, Lampen, sogar eine eigene Werkstatt, auf der oben das rote Firmenlogo thront – Schmidt Junior hat wirklich an alles gedacht. Und Wert darauf gelegt, „nur originale Teile zu verwenden“, wie er nicht ohne Stolz erzählt.

Wer also das private Oldtimer-Museum am Niederstedter Weg besucht, kann den Schlenker nach links machen und sich an – nach Absprache auch in – der Tankstelle samt Werkstatt umsehen. Finden wird der Besucher dann Einzelteile, die – diesen Anspruch hatte Fritz Schmidt Junior – allesamt aus den 50er Jahren stammen. Sei es die Kasse, der Schreibtisch, das Gasolin-Bordbuch, sogar Lichtschalter, Schrauben und Stühle. Schmidt Junior ist bestens vernetzt, er sammelt seit Jahren Oldtimer, restauriert oder verleiht diese, schreibt Bücher – und baut nebenbei ab und zu alte Läden, Werkstätten oder eben Tankstellen nach.

Die Idee zu der in Bad Homburg kam durch Zufall. Ein Bekannter von Schmidt, in der Oldtimer-Szene als „Motor-Fritz“ bekannt, hatte das Tankwarthäuschen 2013 bei einem privaten Sammler im Westerwald entdeckt. „Allerdings völlig heruntergekommen“, so der spätere Besitzer. Der wurde von seinem Bekannten darauf aufmerksam gemacht – und war sofort Feuer und Flamme. Sofort reifte die Idee, das Ganze mit einer Werkstatt zu verbinden. „Früher sind Tankstellen oft aus Werkstätten entstanden“, weiß Schmidt Junior. Und mit alten Gebäuden und ihren Einrichtungen kennt er sich aus. Schon als Jugendlicher zeigte sich dieses Interesse, als seine Eltern ihre Bäckerei modernisierten und „den alten Kram wegwerfen wollten. Das habe ich verhindert.“

Mit seiner Tankstellen-Idee musste er nun nur noch einen Partner suchen. „Ich hatte ein bestimmtes Bild im Kopf“, sagt der Tüftler. Bei Dieter Dressel, Chef der Central Garage, rannte er damit offene Türen ein. Die beiden kennen sich seit Jahren, „ich fand den Gedanken interessant und hübsch“, so Dressel. Nicht zuletzt, weil er darin „einen weiteren Magneten für das Museum“ sah. Beide kamen ins Geschäft, Dressel kaufte das Häuschen ab, Schmidt setzte sich an den Ausbau. Nach fast zwei Jahren konnte er im Sommer letzten Jahres Vollzug melden.

Seitdem lockt die Tankstelle aus den 50ern Besucher an. Erst kurz nach Weihnachten war ein Oldtimer-Freund da, der unbedingt ein Fotoshooting mit seinem Wagen in angemessener Umgebung haben wollte. Auch Führungen sind möglich, zur Bad Homburger Kulturnacht beispielsweise ist Initiator Fritz Schmidt Junior auch persönlich anwesend. Dieter Dressel freut sich, über die Tankstelle auch immer mal wieder mit Besuchern ins Gespräch zu kommen. Und ein Thema bleibt dabei garantiert außen vor: die Benzinpreise.

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