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Bad Homburg Die rote Elke wird 50

Die SPD-Chefin und Landtagsabgeordnete Elke Barth über ihren Geburtstag und die Leidenschaft für die Politik.

Elke Barth auf der Dachterrasse ihrer Wohnung. Foto: Michael Schick

Bei einer der hitzigen Debatten um den Homburger Haushalt im Herbst 2014 steht Elke Barth am Rednerpult im Forum des Landratsamts. Die Sprache deutlich, die Worte laut. Diese Frau will weder überhört noch übersehen werden. Den rechten Arm hat sie aufgestützt, mit der Linken gestikuliert sie, die Beine stecken in einem dunklen Rock – und roten Pumps. Gesinnungskleidung, nennt das Elke Barth das. Sie habe Gesinnungsmäntel, Handtaschen, oder eben Schuhe. Rot sei ihre Lieblingsfarbe.

Politisch aktive Vergangenheit

Elke Barth und die SPD. Eine Liebe, die gar nicht so früh beginnt, wie es bei Berufspolitikern oftmals in der Vita steht. Erst mit Anfang 20 entscheidet sich Barth für den Parteieintritt und erst mit Ende 20 für eine aktive Rolle bei den Jusos. Das politische Denken war aber vorher schon da. „Man war damals politisch und man war links“, fasst Barth ihre Sozialisation zusammen. Sie hat gegen Atomkraft und den Nato-Doppelbeschluss demonstriert, in Frankfurt gegen die Startbahn West.

Inzwischen ist Barth mittelstandspolitische Sprecherin ihrer Fraktion in Wiesbaden und die Partei hat sie auf ihre Führungsakademie nach Berlin geschickt. Barth hat den für sie idealen Job gefunden, sie hat ihr „Hobby“ Politik zum Beruf gemacht. Etwas bewegen, aber nicht die Bodenhaftung verlieren. Die Arbeit im Stadtparlament und als Abgeordnete in Wahlkreis ist ihr wichtig. Aus dem Kontakt mit den Leuten, die ins Bürgerbüro in der Louisenstraße kommen, zieht sie viele ihrer Aufgaben.

Für den Landtagsjob habe sie sich spontan entschieden, erzählt Barth. Für sie eher ungewöhnlich, Barth ist eine, die alles plant, durchorganisiert. Es muss strukturiert zugehen, damit sie in Ruhe arbeiten kann. Alle drei Schreibtische, der in Wiesbaden, der zu Hause in der Louisenstraße, sind stets aufgeräumt.

Seit fast eineinhalb Jahren arbeitet Elke Barth jetzt im Landesparlament. Ihre Themen hat sie längst gefunden. Sie brachte den Entwurf zum Tariftreuegesetz ein, kümmert sich um die TVH-Verträge, die im vergangenen Sommer die Schulen in Atem hielten, weil Lehrer mit Befristungen den Job verlieren sollten. Im Grunde sind es die Fragen, die Barth schon immer politisch bewegt haben: der Wert guter Arbeit, viele Jahre war sie Betriebsrätin.

Elke Barth und Karl Heinz Krug, das SPD-Doppelpack. Einen Tag nach der Wahl Krugs zum Bürgermeister haben sie geheiratet, kennengelernt haben sie sich natürlich auf Parteiebene. Sie die Temperamentvolle, er der Ruhige. Klar sei die Politik Thema im Privaten. Und es werde auch gestritten, zum Beispiel über Kanzler Schröder, den Krug lange Zeit kritisierte. Dass Barths Mandat in Wiesbaden dazu beiträgt, sich nicht mehr nur auf Bad Homburg zu konzentrieren, empfinden beide als angenehm.

Positives Resümee

Elke Barth, immer unter Dampf, den Terminkalender immer voll. Barth lacht, ja das stimme schon. Sie sei ein leidenschaftlicher Politik-Junkie. Ist Politik das ganze Leben? Ein großer Teil, sagt Barth. Aber zum Leben gehöre auch Familie, ihr Mann, die Eltern, der Bruder. Ohne dieses Rückgrat ginge es nicht.

Doch das Engagement geht auch an die Substanz. Zum Beispiel im vergangenen Sommer: der Bruch des Bündnisses. Barth ist noch immer menschlich enttäuscht. „Eiskalte Machtpoltik“ sei da gemacht worden, die Gelegenheit zur Entmachtung von Bürgermeister Krug wurde genutzt. Die SPD habe den Fehler gemacht, die Kreis-CDU mit ins Boot zu holen. Das war unklug. Die Gemengelage zwischen Stadt- und Kreis-CDU habe sie falsch eingeschätzt. „Da hatte mich mein politischer Instinkt verlassen.“ Nach Alternativen zum Bündnis zu suchen, sei trotzdem richtig gewesen.

Und wie ist das jetzt mit der 50? Gefeiert werde nicht, im Wahlkampf sei keine Zeit, sagt Barth, aber die Fraktionssitzung heute Abend werde sie schwänzen. Ein Problem habe sie nicht mit der Fünf, aber es wäre auch schön, noch mal 40 zu werden. Doch allein in den letzten fünf Jahren sei so viel passiert, die Heirat, das Mandat im Landtag – das Resümee sei eigentlich gut. Barth ist zufrieden.

Das Telefon klingelt, Barth will noch Werbegeschenke für den Wahlstand organisieren. Kann sie auch mal nichts tun? Ja, sagt Barth, auf dem Segelboot. Da lasse sie alles an sich vorbeiziehen.

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