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Bad Homburg Die Mutter des Konzerns

In Dornholzhausen wird des 100. Todestages von Sophie Opel gedacht.

Sophie Opel, geborene Scheller, fotografiert im Jahre 1906. Foto: Stadtarchiv Bad Homburg

Als Adam Opel auf Brautschau ins Dörfchen Dornholzhausen kommt, passiert kein mittelloser Galan die Grenze der Landgrafschaft Hessen-Homburg. Auf einer Kutsche präsentiert sich der Rüsselsheimer Kleinfabrikant in Cut und Zylinder. Dem Objekt seiner Begierde möchte er imponieren: Die am 13. Februar 1840 geborene Sophie Scheller, Tochter eines überaus erfolgreichen Gastwirts, ist resolut und willensstark.

Was dieser Begegnung entspringt, ist längst Teil deutscher Wirtschaftsgeschichte und zugleich ein Beispiel gelingender Frauenemanzipation. Ohne die Tatkraft der Dornholzhausener Wirtstochter ist der Aufstieg des Opel-Imperiums nicht denkbar. Am 29. und 30. Oktober wird sowohl im Herkunftsort als auch in Rüsselsheim aus Anlass des 100. Todestags an Sophie Opel, geborene Scheller, erinnert. Am Eckgebäude Dornholzhäuser Straße/Lindenallee wird eine Gedenktafel angebracht.

Gasthaus am Dorfeingang

Dort, am Dorfeingang und an der Chaussee nach Usingen, stand seit dem 18. Jahrhundert ein Gasthaus. Weil der jeweilige Besitzer die Maut von den Reisenden kassieren musste, firmierte auch Friedrich Scheller als „Chausseegelderheber und Wirth“. Der Vater von Sophie erwarb das weiträumige Anwesen im Jahre 1828. Die „Saal- und Gartenwirthschaft“ blieb drei Generationen lang in Familienhand und erfreute sich eines tadellosen Rufes. Nach dem Ersten Weltkrieg verpachtet, wurde das Traditionshaus 1971 niedergelegt.

Walter Mittmann, zweiter Vorsitzender des örtlichen Geschichtskreises, hat die weit verzweigte Familiengeschichte erforscht. Auch dem Lebensweg von „Mutter Opel“ ist er nachgegangen, wurde fündig in Bevölkerungslisten, Kirchenbüchern und Nachlässen. Seine Erkenntnisse hat er kürzlich in einem Aufsatz überliefert. „Preußische Ordnung und peinliche Sauberkeit gehörten zu ihren Grundsätzen“, ist zu lesen. Dass Sophie Opel dabei auch das Wohl der Arbeiter im Blick hatte, wird deutlich. Sie sei sich, so Mittmann, ihrer sozialen Verantwortung bewusst gewesen.
1869 – Ehemann Adam hatte Land gekauft und eine Fabrik gegründet – gewann Vater Scheller eine stattliche Summe in der Lotterie, die er unter seinen zehn Kindern verteilte. Die in Rüsselsheim lebende Tochter erwarb eine Dampfmaschine und verbesserte so die Produktionsbedingungen. Der Grundstein des Opel-Konzerns war gelegt.

Die Mutter der berühmten fünf Söhne war Teilhaberin in einem Werk, das zuerst Nähmaschinen herstellte, später Fahrräder und Automobile. Viele Anekdoten ranken sich um ihre Schlagfertigkeit. „Trotz des Aufstiegs hat sie ihre Herkunft nie vergessen“, sagt Walter Mittmann. Regelmäßig habe sie die Verwandtschaft im Taunus besucht. Verschiedene Einrichtungen profitierten von ihrer Spendenbereitschaft. „Sie hat unter anderem die schöne Bronzetür am Kaiserportal der Homburger Erlöserkirche gestiftet.“ Wegen Sanierungsarbeiten ist die Pforte derzeit nicht zugänglich.

Die sparsame und selbstbewusste Scheller-Tochter verstarb am 30. Oktober 1913 im Alter von 73 Jahren. Noch im Tode versagten ihr die Opelaner nicht den Respekt: Der Sarg wurde durch das Werk getragen, flankiert von tief berührten Arbeitern.

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