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Bad Homburg Die Forscher-WG

Denken auf hohem Niveau: In der Villa Reimers auf dem Wingertsberg wohnen und arbeiten Wissenschaftler aus aller Welt.

Denken auf hohem Niveau – die Villa Reimers auf dem Wingertsberg. Foto: Rolf Oeser

Die Wissenschaft vom Menschen ist hier schon lange ein Thema. Fast drei Jahrzehnte hielt die Werner Reimers Stiftung am Wingertsberg ihre Tagungen ab – heute nutzt das Forschungskolleg Humanwissenschaften den Ort, um grenzenloses Denken anzuregen. Dabei bewegen sich die Wissenschaftler auf der Höhe der Zeit – Menschenrechte und Armutsbekämpfung sind Stichworte, die auch im Jahre 2011 nichts von ihrer Brisanz verloren haben.

Randbezirke im Visier

Die sozial- und geisteswissenschaftliche Ausrichtung des Kollegs nimmt bewusst die Randbezirke der Disziplinen ins Visier. „Überschreitung der eigenen Grenzen“ nennt das Geschäftsführerin Ingrid Rudolph. Gewünscht seien neue Fragestellungen und Ansätze. Egal, ob es um „Normative Ordnungen“ oder „Erweiterte Gerechtigkeit“ geht – immer arbeiten in der Kurstadt Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern zusammen und schaffen einen globalen Rahmen.

Vierzehn Fachleute, die sogenannten Fellows, können im Gästehaus untergebracht werden. „Im Frühjahr haben zwölf Wissenschaftler hier gewohnt – die höchste Auslastung bisher“, sagt Pressesprecher Bernd Frye. Stipendien ermöglichen den Kanadiern, Engländern, Belgiern, Australiern oder Deutschen den Aufenthalt. Manche sind nur wenige Wochen auf dem Wingertsberg, anderen bleiben ein ganzes Jahr.

Das Ehepaar Holly und Thomas Crocker aus South Carolina bewohnt bis Dezember eine gemeinsame Wohnung, forscht aber in verschiedenen Büros. Während er sich den Rechtswissenschaften widmet, schreibt die Anglistin über weibliche Tugendhaftigkeit. Dagegen bleiben Flavia Püschel aus Sao Paulo nur noch wenige Tage – die brasilianische Professorin war sechs Monate in Bad Homburg und steht kurz vor der Abreise. „Das hier ist ein optimaler Platz zum Arbeiten“, sagt die 38-jährige Rechtsgelehrte und lobt die inspirierende Atmosphäre. Man könne Ruhe finden, sich aber auch mit Kollegen austauschen: „Es haben sich viele neue Fragen ergeben.“

Nicht nur gestandene Experten treffen sich in den ehrwürdigen Räumen der Villa, auch der wissenschaftliche Nachwuchs kann in Workshops mitwirken. Um die Gäste mit dem nötigen Büchern und Schriften zu versorgen, hat Ingrid Rudolph einen Bibliotheksservice eingerichtet. „Das Wichtigste findet sich in unserer Präsenzbibliothek, spezielle Literatur wird besorgt.“

Vor fünf Jahren begründete ein Kooperationsvertrag zwischen der Frankfurter Goethe-Universität und der Reimers Stiftung den Aufbau des Forschungskollegs. Probleme einer sich verändernden Welt sollten dargestellt und Lösungsvorschläge ausgearbeitet werden. 2007 begannen Umbau und Renovierung auf dem 40?000 Quadratmeter großen Gelände. Zur Eröffnung, zwei Jahre später, schmückte ein neuer Anbau die renovierte Reimers-Villa.

Mit der Stadt und dem Hochtaunuskreis arbeitet das Kolleg zusammen, beide sind im Vorstand vertreten. „Wir sind auch der Region verpflichtet“, sagt die Geschäftsführerin und kündigt für den Herbst eine Tagung zum Thema „Hölderlin und die Romantik“ an. Öffentliche Vorträge haben sich mittlerweile fest etabliert: „Der Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ist uns sehr wichtig.“

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