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Bad Homburg Der Mann, der alles kann

Der Schauspieler Claus Wilcke, als Percy Stuart der deutsche Bond, wohnt jetzt in der Kurstadt. Der Grund ist seine neue Ehefrau.

06.10.2011 22:52
Klaus Nissen
Ein begeisterter Neu-Homburger: Claus Wilcke. Foto: Renate Hoyer

Gut, er geht ein wenig gebeugt. Aber wer ihm beim Bummeln über die Louisenstraße ins Gesicht schaut, erkennt den Mann auch nach 40 Jahren sofort. Das ist doch Percy Stuart! Der Mann, der alles kann. Die deutsche Antwort auf James Bond. Von 1969 bis 1972 war Claus Wilcke im ZDF 52 Folgen lang ein Millionärssohn, der in aller Welt Abenteuer besteht, um in einen Exzentriker-Club aufgenommen zu werden. Und jetzt ist der noch gut erhaltene Schauspieler zum Bad Homburger geworden. Im schwarzen Hemd, mit lässig geknotetem weißem Seidenschal empfing der 72-jährige Grandseigneur gestern zu einem Spät-Frühstück.

Immer volles Arbeitsprogramm

Wie kommt der Mann nach Homburg? Der Aktionsgemeinschafts-Vorsitzende Jörg Hölzer ist schuld. Seine Ehefrau Eva ist die Cousine von Claus Wilckes neuer Gattin Beate Eckhardt. Die langweilte sich in ihrem Wohnort Rod am See bei Rothenburg ob der Tauber. Die Hölzers verrieten ihr, dass an der Louisenstraße eine Wohnung frei wird. „Seit einem Monat wohnen wir hier und sind wahnsinnig glücklich“, so die blonde 39-Jährige. Die Kosmetikerin hat gerade ein Studio zur Haarentfernung eröffnet. Ihr Sohn Joell (12) besucht die Gesamtschule am Gluckenstein. Und Ehemann Claus freut sich, dass er von Homburg so schnell an seine Gastspielorte kommt: „In 30 Minuten bin ich am Hauptbahnhof oder am Flughafen. Das ist toll!“ Und nippt am Orangensaft.

Claus Wilcke ist keiner von gestern. Er hat trotz seines Alters ein volles Arbeitsprogramm. Am Schlosstheater in Neuwied ist am 2. November die Uraufführung von „Gaslicht“ – einem Remake des Kinofilms mit Ingrid Bergman. Wilcke spielt den pensionierten Kriminalbeamten Rouke, der einen 20 Jahre zurückliegenden Edelstein-Raub aufklären will. Mindestens 55 Aufführungen soll es geben. Vielleicht lässt sich ja die Homburger Kulturdezernentin Beate Fleige zu einem Gastspiel im Kurtheater überreden, hofft der weißhaarige Schauspieler. An seine früheren Gastspiel-Auftritte hier hat er nur gute Erinnerungen: „Da konnte man vom Maritim bequem zu Fuß zur Bühne gehen.“

Parallel zu den Theaterproben fliegt Wilcke häufig zu Dreharbeiten für die TV-Serie „Verbotene Liebe“ nach Mallorca. Er ist da der alte Pater Matteo, der sich um schwer erziehbare Jugendliche kümmert. Die Drehtage dauern bis zu 16 Stunden, plaudert Wilcke am Frühstückstisch. „Und keiner darf sich beschweren. Nur wir alten Hasen können uns leisten zu sagen: Nach zwölf Stunden muss langsam Schluss sein!“

Was für Zeiten damals. Es gab nur drei Kanäle, und Percy Stuart zog locker zigmillionen Zuschauer an die Fernseher. Die Schauspieler genossen ein strenges Sprechtraining und absolvierten eine staatliche Prüfung. Heute „kommen die Dialoge recht oberflächlich, fast bedeutungslos daher“, meint der Grandseigneur. Die jungen Kollegen merkten so, was ihnen noch fehle, die harte Theater-Schulung. Ihm selbst gehe es aber prima. „Ich bin sehr dankbar, dass ich das noch alles wuppen kann“, sagt der 72-Jährige. In Homburg will er in seiner knappen Freizeit Seniorenresidenzen aufsuchen und dort Lesungen veranstalten. Das sei besser, als dort wohnen zu müssen.

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