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Bad Homburg Der „Homburg“ bleibt der Renner

Hutmacherin Karen Diaz stellt Kopfbedeckungen noch in Handarbeit her. Auf Wunsch auch einen Turban.

Hutmacherin Karen Diaz
Karen Diaz bei der Arbeit in ihrem Homburger Hutsalon. Foto: Rolf Oeser

Der „Homburg“ bleibt en vogue – zumindest in Bad Homburg selbst. 1882 war der Hut auf Anregung des späteren englischen Königs Edward VII. in der Kurstadt entwickelt worden, im 20. Jahrhundert machte ihn dann der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer populär.

Und auch heute noch gehen jedes Jahr mehr als Hundert Exemplare über den Ladentisch von Karen Diaz in der Bad Homburger Altstadt. „Es wird sogar wieder ein bisschen mehr“, sagt die gelernte Modistin, die jeden einzelnen der Hüte in Handarbeit zusammennäht. So habe sie jüngst allein zehn „Homburg“ auf dem Weihnachtsmarkt verkauft.

Bekommen kann man den Klassiker in ihrem Homburger Hutsalon nicht nur in der bekannten Filzvariante, sondern auch aus Stroh oder Sisal und zudem in den unterschiedlichsten Farben bis hin zu orange und grün. Vor allem in Kombination mit den gerade wieder modischen Kurzmänteln mache der Homburg einiges her, empfiehlt Diaz. Zusätzlich hat sie hat auch eine Variante für Frauen im Angebot.

Seit 1985 arbeitet Karen Diaz im Homburger Hutsalon, zunächst als Auszubildende, danach als Meisterin. 2000 übernahm sie das Geschäft von Gisela Rosemann, deren Name weiterhin die Fassade des Hauses in der Rathausstraße ziert. Für manche Stammkunden gelte immer noch: „Wir gehen zu Rosemann“, erzählt Diaz und lacht. Für das kommende Jahr habe der Hauseigentümer aber eine Renovierung angekündigt, dann werde sie die Aufschrift wohl durch ihren eigenen Namen ersetzen.

Ihre Berufswahl habe sie nicht bereut, versichert Karen Diaz. Im Gegenteil: „Es ist ein sehr befriedigender Beruf.“ Man werde zwar nicht über Nacht reich, aber man schaffe etwas mit den eigenen Händen. Wenn sie einen neuen Hut herstellt, spannt die zunächst einen feuchten Stoffstumpen auf eine Kopfform aus Holz, von denen sie einen ganzen Schrank voll im hinteren Bereich des Geschäfts stehen hat. Ist der Stoff getrocknet und leicht gesteift, näht Diaz die Krempe an. Anschließend wird der Hut noch einmal auf die Form gespannt und muss eine Weile ruhen, bis sie schließlich das Futterband annähen und die Randkrempe mit einem Draht versehen kann. Der sorgt dafür, dass der Hut seinen Schwung behält. Rund eine Woche dauert es, bis ein Exemplar fertig ist.

Wichtig sei ihr, dass der jeweilige Kunde leibhaftig zu ihr ins Geschäft komme. Theoretisch sei es zwar auch möglich, mit einem Foto als Vorlage zu arbeiten. „Doch nicht jeder, der dieselbe Kopfweite hat, ist auch derselbe Typ.“ Erst wenn sie durch Anprobe verschiedener Modelle einschätzen könne, ob der Kundin oder dem Kunden ein Hut steht, könne sie eine ordentliche Empfehlung abgeben, sagt Diaz. Deswegen ist ihr auch durch die Online-Konkurrenz nicht bange. Sie habe viel Stammkundschaft, erzählt Karen Diaz. Aber es kommen auch immer wieder Kurgäste oder Touristen in ihr Geschäft – zum Teil angeregt durch eine der Stadtführungen, die regelmäßig vor ihrem Laden haltmachen. Was das Alter ihrer Kunden angeht, reiche die Bandbreite vom 17 Jahre alten Mädchen bis zum 90-Jährigen. „Das geht quer durch.“

Zumal Diaz nicht nur Hüte anfertigt, sondern alle Arten von Kopfbedeckung – vom Turban bis zur Narrenkappe. Auch Museen bringen ihr Exponate zum Aufarbeiten vorbei. Dass sie an eine Zukunft ihres selten gewordenen Berufs glaubt, zeigt such daran, dass Karen Diaz auch als Ausbilderin aktiv ist. Gerade erst hat ein junger Mann seine Lehre bei ihr beendet. „Er war sehr begabt“, schwärmt sie. Und sie ist sehr stolz, dass er bereits eine Anstellung gefunden hat – in Berlin, am berühmten Friedrichstadtpalast.

Der Homburger Hutsalon befindet sich in der Rathausstraße 8. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr, an Samstagen 10 bis 14.30 Uhr. Online ist das Geschäft unter der Adresse www.homburger-hutsalon.de zu finden.

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