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Bad Homburg Der Hindenburgring

In Bad Homburg heißt eine Straße nach Hindenburg. Vergeblich ist bereits versucht worden, dies rückgängig zu machen.

Es gab schon mehrere Anläufe, den Namen Paul von Hindenburgs aus dem Bad Homburger Straßenverzeichnis zu tilgen. Zuletzt stellte die Bürgerliste Bad Homburg (BLB) vor zwei Jahren einen entsprechenden Antrag. Hindenburg als „Antidemokrat“ stehe einer „weltoffenen Stadt wie Bad Homburg“ nicht gut zu Gesicht, hatte die Wählergemeinschaft ihren Vorstoß begründet. Schließlich war es der greise Reichspräsident, der Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt hatte.

Zwar gelang es der BLB, die SPD auf ihre Seite zu ziehen, die damit gegen ihren Koalitionspartner CDU stimmte. Doch es reichte nicht. CDU, FDP und AfD lehnten die Umbenennung ab – Hindenburg bleibt den Bad Homburgern somit noch auf unabsehbare Zeit erhalten.

Von „Umbenennungseifer“ und „Ehrungen, die Ausdruck ihrer jeweiligen Epoche“ seien, war in der Debatte die Rede. Darüber hinaus stand die Frage im Raum, ob auch Kaiser-Wilhelms-Bad und Kaiser-Friedrich-Promenade fortan in Gefahr seien, die nach den preußischen Kaisern Wilhelm I. und Friedrich III. benannt sind.

Der Hindenburgring war bereits in früheren Jahren Gegenstand hitziger Debatten. Anfang der 1980er Jahre stand das Thema schon einmal auf der Tagesordnung des Parlaments, doch auch damals scheiterte der Versuch, der Straße einen anderen Namen zu geben. Wobei es ohnehin ein Rätsel ist, dass der Straßenname nicht längst aus dem Ortsbild verschwunden ist. Der wenige Hundert Meter lange Straßenzug, der sich zwischen Urseler Straße und Untertor erstreckt, hieß einst „Am Schlossgarten“. Mit dem Beginn nationalsozialistischer Willkürherrschaft kam hier der „Hindenburgring“ auf den Stadtplan. Der Begriff wurde jedoch nach 1945 „entnazifiziert“, das geschwungene Fahrbahnstück zum Teil des „Hessenrings“.

Doch Paul von Hindenburg, altem preußischen Militäradel entstammend, feierte in der Kurstadt eine überraschende Wiederkehr: Neun Jahre nach Kriegsende setzte ihn die Stadtverwaltung – man weiß nicht wie – erneut aufs Straßenschild.

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