Lade Inhalte...

Bad Homburg Denkmal ohne Schutz

Wie bei einem als schützenswert eingestuften Gebäude zwischen Vorschriften, Genehmigungen und Überprüfungen der Status bröckelt, bis es schließlich abgerissen werden kann.

Zustand des Hauses Anfang der 1990er. Foto: Landesdenkmalamt

Derzeit wird gebaut im Hölderlinweg von Bad Homburg. In bester Lage entsteht – so kündet das Bauschild – ein „Einfamilien-Wohnhaus mit Tiefgarage und Schwimmbad“. Modern, groß und abseits der Straße. Eigentümer ist ein Homburger Unternehmer.

Ein Anwesen, das die Nummer 18 trägt und bis vor zwei Jahren einer anderen Wohnstatt ausreichend Platz geboten hatte. Jenes Haus ist jedoch längst aus der Stadtlandschaft verschwunden – obwohl es als denkmalgeschützter Bau mit kulturgeschichtlicher Bedeutung versehen war.

Die Abbruchgenehmigung zur Niederlegung des 1938 im Stile der so genannten Stuttgarter Schule vollendeten Wohnhauses wird von der Homburger Stadtverwaltung mit Datum 23. Mai 2013 erteilt. Schon vor dem Erwerb durch den jetzigen Eigentümer debattieren die Verantwortlichen zum weiteren Schicksal des Anwesens.

Nach Auskunft des hessischen Landesdenkmalamtes verhandeln der künftige Besitzer sowie die Fachleute von Oberer- und Unterer Denkmalbehörde bereits ab 2010 zu einer gewünschten „Umstrukturierung der Innenräume mit neuem Treppenhaus einschließlich Veränderungen an der Fassade“. Die „Abstimmungsgespräche“ münden schließlich in „Zustimmungen zu diesen Planungen“.

Drastische Eingriffe, an deren Vollzug die Denkmalbehörden nichts auszusetzen haben. Begründet wird die Entscheidung mit „Grundriss- und baulichen Veränderungen“, die von den Vorbesitzern durchgeführt worden und der historischen Substanz abträglich gewesen seien.

In den Akten der Landesbehörde sind diese gravierenden Entstellungen jedoch nicht vermerkt. Antwort kommt von den Denkmalpflegern in Bad Homburg. Dokumentiert sind Anträge – denen jeweils zugestimmt wurde – aus den Jahren 1988 bis 1997.

Mit Zustimmung aus Bad Homburg und Wiesbaden werden Durchbrüche an der Fassade vorgenommen, in den Geschossen Wände versetzt, wird ein Schwimmbad errichtet, dem „der historische Staudengarten und Teile der historischen Terrassenfläche“ weichen müssen.

Das Haus im Hölderlinweg also nur noch bloße Hülle ohne architekturgeschichtlichen Wert? Der ehemalige Homburger Denkmalschützer Wolfgang Diel widerspricht dieser Einschätzung: „Bis zu meinem Dienstende Mitte 2011 war keine Rede von denkmalunverträglichen Maßnahmen.“ Ein Sanierungskonzept sei stattdessen vorgesehen gewesen. „Im Haus gab es durchaus Veränderungen – aber keine, die den historischen Bestand gefährdet haben.“ Während der Gespräche mit den Architekten seien etwaige Eingriffe in den schützenswerten Bestand kein Thema gewesen.

Vom neuen Hausherr kommen weitere Planungswünsche auf den Tisch, die in großen Teilen den Bereich „Sicherheit“ betreffen. „Dies alles“, so das Landesdenkmalamt, „wäre auf eine fast vollständige Entkernung des Hauses hinausgelaufen.“ Im Oktober 2012 sendet die Wiesbadener Behörde eine Bauhistorikerin in den Vordertaunus. Um „objektive Kenntnis“ zu erhalten, sollen Strukturen und Ausstattung von Hölderlinweg 18 untersucht werden. Das Ergebnis bietet Überraschendes: „Die Untersuchung ergab, dass genau in jenen zur Veränderung oder Teilentkernung vorgesehenen Bereichen die historischen Strukturen und Ausstattungselemente noch vorhanden waren.“

Zu spät. Der Befund bleibt folgenlos, ein Abriss scheint beschlossene Sache. Aus Wiesbaden heißt es dazu: „Die vor dem Kauf abgestimmten Maßnahmen waren für uns bindend.“ Kurzum wird das Gebäude aus der Denkmalliste gestrichen, jeder weitere Vorgang in die Hand des Eigentümers gegeben. „Historische Elemente des Altgebäudes konnten aus bautechnischen und architektonischen Gründen nicht erhalten werden“, ist von den Eigentümern zu hören.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen