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Bad Homburg Das Getränk für Liebhaber

Das Ehepaar Stefan Alles und Heike Alles-Jung führt seit 1996 das Traditionsunternehmen Reichspostbitter. Es benutzt noch immer das originale – und streng geheime – Rezept von 1843.

Auch den Chefs schmeckt der Kräuterlikör. Foto: Michael Schick

Wenn in der Bad Homburg Geschäftswelt von einem Original die Rede ist, gibt es am Reichspostbitter kein Vorbeikommen. Seit 1843 existiert der Kräuterlikör, er ist seitdem untrennbar mit der Stadt verbunden. Seit 1996 führen Stefan Alles und seine Frau Heike Alles-Jung den Betrieb, und sie tun das auf ihre ganz eigene Weise.

Wer die Manufaktur im Gluckensteinweg betritt, fühlt sich fast erschlagen. Im positiven Sinne. Destillationsmaschinen in der einen Ecke, große Fässer in der anderen, dazwischen unzählige Flaschen und Gläser, eine Theke, Holzschränke und Glasvitrinen, an der Wand historische Bilder. Und irgendwo mittendrin: ein lächelnder Stefan Alles. Warum er so fröhlich ist, erklärt er gemeinsam mit seiner Frau: „Wir freuen uns jeden Tag, hier zu sein.“

Dass das Paar einmal die Reichspostbitter-Manufaktur betreibt, hätten sich beide nie träumen lassen. Heike Alles-Jung schon alleine deshalb nicht, weil sie keine gebürtige Bad Homburgerin ist. Aber auch ihr Mann Stefan nicht, obwohl er – geboren und aufgewachsen in der Kurstadt, „mit Blick von meinem Kinderzimmer aufs Schloss“ – seit frühester Kindheit von der Homburger Spezialität wusste, ihr immer wieder begegnet ist.

Aber Alles war zufrieden und ausgelastet mit seinem Job in einer Werbefirma, seine Frau arbeitete als Pyrotechnikerin. Dann kam eine Familienfeier Mitte der 90er Jahre in einem Restaurant, auf der Getränkekarte stand der Reichspostbitter, alle am Tisch tauschten Anekdoten über den Likör aus – und weckten damit den Ehrgeiz von Stefan Alles. Er recherchierte, fand den damaligen Besitzer der Firma, führte viele Gespräche mit ihm – und übernahm den Laden. „Ich musste versprechen, die Marke wieder voranzubringen“, erzählt Stefan Alles heute.

Zunächst führten er und seine Frau das Geschäft nebenbei. Da sie beide nicht aus der Branche kamen, war die Hilfe früherer Mitarbeiter notwendig. So lernte Alles, wie man Likör herstellt, wie man ihn abfüllt – und welche Historie hinter dem Reichspostbitter steckt. Das Ehepaar hat sich durch Archive gewühlt, mit Zeitzeugen gesprochen, Devotionalien gesammelt, die heute ein kleines Museum in der Manufaktur bestücken.

2008 dann der endgültige Schritt, beide gaben ihre Berufe auf. Sie waren sich ihrer Sache sicher, „auch wenn wir dabei unkonventionelle Wege gehen“, sagt Heike Alles-Jung. Was sie damit meint? „Uns haben Werbeleute oft gefragt, welche Zielgruppe wir haben“, so ihre Antwort. „Aber wir haben keine, wir wollen niemanden ausschließen.“ Auch werde das Geld lieber in die Wertigkeit des Getränks als in Werbung investiert. Ganz ohne Reklame muss das Unternehmen aber nicht auskommen, viele „Posti“-Aufkleber zieren das Stadtbild.

Das Paar führt den Betrieb nach seinen eigenen Maßstäben. Es benutzt noch immer das originale – und streng geheime – Rezept von 1843, als Fritz Scheller zur Gründung der Reichspost das passende Getränk stiftete. Ein Jahr lang reift der Likör, so mancher Liter wird danach noch in Fässern veredelt, in denen vorher beispielsweise Bourbon Whiskey war. „So“, schwärmt Stefan Alles, „entsteht ein ganz besonderer Tropfen für Liebhaber“. Und das, ergänzt seine Frau, „ist dann doch irgendwie unsere Zielgruppe“.

Originale: Unter diesem Titel stellt die Frankfurter Rundschau in loser Folge ganz besondere Geschäfte aus den Städten des Hochtaunuskreises vor.

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