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Bad Homburg Ausstellung Englische Kirche Varzandeh Kunst von Alireza Varzandeh

Als Teenager saß er vier Jahre in einem iranischen Gefängnis. Sein Vergehen: Er hatte Gewalt dargestellt. Jetzt, als gefeierter Künstler, stellt Alireza Varzandeh in der Englischen Kirche Bad Homburg aus.

Alireza Varzandeh stellt in der Englischen Kirche aus. Foto: Michael Schick

Für seine Liebe zur Malerei hat Alireza Varzandeh, Jahrgang 1963, schon früh im Leben gebüßt. Vier Jahre hat er als Teenager in einem persischen Gefängnis gesessen. Weil er gemalt hat, was er sah – in den 70er Jahren war das vorwiegend Gewalt. Heute ist Varzandeh ein gefeierter Künstler. Vom 6. September bis zum 5. Oktober sind einige seiner farbenfrohen Werke in der Englischen Kirche ausgestellt.

1987 kam der Maler nach Deutschland, als politischer Flüchtling. Im Iran wurden seine Ausstellungen teils schon Minuten nach der Eröffnung von der Staatsmacht gestürmt, alle Bilder vernichtet. In Köln bekam er die Möglichkeit, Grafik und freie Malerei zu studieren.

Für einige Jahre ging er nach New York, lebte in einer „unglaublich offenen“ Gesellschaft, wie er sagt. Dort interessiere kaum, wo man herkomme, betont Varzandeh. „In Deutschland dagegen fragen die Leute immer: Wo kommst du her, und wann gehst du wieder dorthin zurück?“

Licht ist wichtig

Die Bilder von Varzandeh basieren zumeist auf Fotografien, die er selbst fertigt. Progressive Maltechnik lässt die Bilder unscharf erscheinen. Wenn man darauf achtet, ist jedoch alles an seinem Platz. Schatten etwa, auf die Varzandeh akribisch achtet.

Licht sei ihm ungemein wichtig, sagt er. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Kölner Straßencafé ist, das er in all seiner Lebensfreude ins Bild setzt. Oder eben die Szene, deren Zeuge er in Athen geworden ist, bei einer Demonstration: Ein behelmter Polizist versetzt einer bunt gekleideten, zarten Frau einen brutalen Fußtritt mit dem Stiefel. Im Hintergrund drückt ein Pressefotograf auf den Auslöser. Varzandeh war in sicherem Abstand, als er den Durchgriff der Staatsmacht mit einem Teleobjektiv einfing.

Doch versteht er sich nicht eigentlich als politischer Künstler, und im Übrigen auch nicht als Künstler überhaupt. „Ich sehe mich als Maler, als ein Handwerker“, sagt Varzandeh. Blumensträuße, Pferde, die inzwischen verstorbene Soul-Ikone Amy Winehouse – all das malte der Kölner bereits. Und, im Auftrag eines offenbar gut betuchten Fußball-Fans: Spielszenen einer Heimpartie des 1. FC Köln.

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