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Bad Homburg Aleviten im Hungerstreik

Aus Solidarität mit der Bevölkerung im Südosten der Türkei tritt die alevitische Gemeinde in Bad Homburg in den Hungerstreik.

Bis Sonntag wollen diese Aleviten nichts essen. Foto: Renate Hoyer

In türkischen oder kurdischen Gemeindehäusern duftet es bisweilen lecker nach Essen, wenn die Mitglieder Speisen aus ihrer Heimat zubereiten. Bei der alevitischen Gemeinde Bad Homburg in der Friedrich-Rolle-Straße sucht man Essen derzeit vergeblich. Einige Mitglieder sind in einen Hungerstreik getreten. Sie wollen sich dadurch mit den Menschen im Südosten der Türkei solidarisieren, die nach ihrer Darstellung von der türkischen Regierung und dem sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) unterdrückt und bekämpft werden.

Es sind drastische Worte, die Ali Korkmaz, Präsident der Bad Homburger Gemeinde, wählt. Er spricht von Terror, einem Massaker. Der südöstliche Teil der Türkei ist die Region, in denen besonders viele Kurden leben. Die Bad Homburger Aleviten aber betonen, dass es nicht ausschließlich um die Kurden gehe. Zwar hegen sie Sympathien für deren Wunsch nach einem eigenen Staat, „betroffen sind aber Kurden und Türken“, so Korkmaz. Und ganz besonders eben Aleviten.

Jedes Gemeindemitglied hat Familienmitglieder in der Türkei wohnen, fast täglich halten sie Kontakt. Sie berichten von Ausgangssperren, getöteten Kindern, Bombenangriffen. Ihr größter Wunsch: „Frieden, und zwar so schnell wie möglich“, sagt der Präsident.

Da dies viele Aleviten so sehen, haben einige Gemeinden in Deutschland schon vor zwei Wochen mit dem Hungerstreik begonnen. Bad Homburg schließt sich nun an, den Anfang machten gestern sechs Mitglieder im Rentenalter. „Zum Wochenende“, erklärt Mitglied Okan Akbiyik, „weden es dann etwa 20 bis 30 sein.“ Auch Mitglieder anderer Gemeinden aus dem Rhein-Main-Gebiet besuchen den Bad Homburger Ableger am Samstag und Sonntag. Am Freitag kommt zudem der Präsident der hessischen Aleviten-Gemeinden in die Friedrich-Rolle-Straße.

Für die Bad Homburger Gemeinde ist es die erste Teilnahme an einer derartigen Aktion. Manche Mitglieder haben aber durchaus Erfahrung in Sachen Hungerstreik. So hat Präsident Ali Korkmaz schon einmal 1997 in Köln für zwei Wochen auf Essen verzichtet. Eigentlich wollen sie erst aufhören, wenn sich die Situation in der Türkei verbessert hat. Aber vor allem wollen die Aleviten ein Zeichen setzen. In der Türkei, berichten sie stolz, habe es die Aktion schon in einige Medien – der Opposition – geschafft.

Die jetzt in den Streik getretenen Aleviten wollen erst einmal bis Sonntag durchhalten, nichts essen und nur Tee mit Zucker trinken. Ab Montag beginnt eine neue Gruppe. „Die Gesundheit“, so Okan Akbiyik, „soll nicht gefährdet werden.“

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