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Bad Homburg Abrisspläne für die Altstadt

Das Gotische Haus zeigt historische Modelle zur Stadtentwicklung. 2020 soll das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert selbst umgebaut werden.

Modelle einer Stadt
Auf diesem Modell von 1968 ist die Altstadt bereits verschwunden und großzügigen Wohnanlagen und Hochhäusern gewichen. Foto: Rolf Oeser

Gerade erst haben die Planer des Büros Albert Speer + Partner das Stadtentwicklungskonzept „Bad Homburg 2030“ vorgestellt, das als Grundlage für die nähere Zukunft der Kurstadt dienen soll. Doch auch in früheren Zeiten gab es kühne Umbau-Ideen für Bad Homburg. Die wurden zum Teil verwirklicht wie die Ritter-von-Marx-Brücke über der Altstadt, die als erster sogenannter „Fly Over“ Europas gilt. Anderes blieb jedoch im Planungsstadium stecken.

Glücklicherweise, werden wohl die meisten Besucher der neuen Ausstellung im Gotischen Haus denken, wenn sie das Modell im Maßstab 1:500 sehen, das der damalige Stadtbaurat Theo Mühlmann 1968 der Öffentlichkeit präsentiert hatte und in dem es auch um die Altstadt geht. Die ist in dem Modell allerdings bereits verschwunden. Nach den Vorstellungen Mühlmanns sollte das verwinkelte Viertel unterhalb des Schlosses weitgehend abgerissen und durch Hochhäuser, Terrassenwohnanlagen und ein Parkhaus ersetzt werden. Sogar ein Teil des Schlossparks sollte der modernen Bebauung weichen.

Der Widerstand gegen diesen Anschlag auf die historische Substanz war - ähnlich wie in anderen Kommunen - jedoch groß. Und so wurde letztlich nur ein Hochhaus an der Dietigheimer Straße gebaut.

Den Wandel Bad Homburgs begreiflich machen

Auch ein Modell zur bereits erwähnten Ritter-von-Marx-Brücke aus dem Jahre 1904 ist ab dem kommenden Sonntag im Erdgeschoss des Bad Homburger Stadtmuseums zu sehen. Der Clou: Um das Vorher und Nachher anschaulich zu machen, hatte der damalige Oberbürgermeister Ernst Ritter von Marx von der Schreinerei Hermann in Seulberg ein Modell bauen lassen, in dem man die Brücke und die Häuserzeile, die ihr weichen musste, gegeneinander austauschen kann. „Dadurch sollte deutlich werden, wie wenige Häuser es betrifft“, sagt Museumsleiterin Ursula Grzechca-Mohr. Dass die Brücke schließlich gebaut wurde, war aber vor allem der Bequemlichkeit von Kaiser Wilhelm II. zu verdanken. Der konnte so nämlich mit dem Auto auf direktem Weg zum Schloss fahren, das ihm damals als Sommerresidenz diente.

Mit der Ausstellung „Modelle einer Stadt“ wolle man den Wandel Bad Homburgs begreiflich machen, erläutert Grzechca-Mohr – vom kleinen, dem Schloss vorgelagerten Dorf zunächst zur Kurstadt und weiter zum modernen Wohnort mit international tätigen Unternehmen. Außerdem sei die Schau der Beleg dafür, dass das Thema die Stadtgesellschaft schon immer beschäftigt habe. Um auch Gegenwart und Zukunft in den Blick zu nehmen, flimmert über die Wand ein Film mit aktuellen Projekten wie dem Gewerbegebiet am Bahnhof.

Indirekt ist auch die Zukunft des Gotischen Hauses Thema der Ausstellung. Da ist zum einen ein Modell des Frankfurter Architekturbüros Schneider + Schumacher, das eine Umbauidee für das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert präsentiert. Zum anderen spielt in den Überlegungen der Museumsleiterin aber auch das große Stadtmodell eine Rolle, das den Planern im Rathaus von 1973 bis in die neunziger Jahre als Basis ihrer Arbeit diente. Es steht im Zentrum der aktuellen Ausstellung – und nach dem Willen von Ursula Grzechca-Mohr soll es künftig auch den Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung bilden.

Von dem Modell ausgehend möchte sie in einer sternenförmigen Anordnung die verschiedenen Aspekte der Stadtgeschichte präsentieren. Darüber hinaus würde Grzechca-Mohr das Modell gerne mit dem digitalen Gebäudebuch der Stadt verknüpfen, so dass die Besucher durch das Antippen eines der Häuser direkt die Informationen darüber abrufen können.

Über Sanierung und Umbau des Gotischen Hauses wird in der Politik schon seit längerem diskutiert. Für das kommende Jahr ist nach Angaben von Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) eine detaillierte Planung vorgesehen. Wenn alles klappt, könnten 2020 die Arbeiten beginnen. Nach bisherigen Schätzungen rechnet die Stadt mit Kosten von rund 7,5 Millionen Euro. Das Gotische Haus beherbergt seit 1985 das Bad Homburger Stadtmuseum mit dem Hutmuseum. Seit 2008 ist die Stadt Eigentümerin des Gebäudes, das Landgräfin Elisabeth 1823 für ihren Gatten, den Landgrafen Friedrich VI., im neugotischen Stil errichten ließ.

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