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Autorin Eva Baronsky Herr Mozart trifft auf AC/DC

Eva Baronsky aus Kronberg erhält überraschend für ihren Romanerstling den renommierten Hölderlin-Förderpreis. Von Martina Propson-Hauck

26.04.2010 00:04
Martina Propson-Hauck
In Kronberg zu Hause: Eva Baronsky am Berliner Platz. Foto: FR/Schick

Sie ist eine Frau, die sich morgens beim Joggen auf eine Schaukel setzt und lauthals Beethovens Chorphantasien intoniert. Dann wird sie ein wenig irritiert angeschaut von Passanten. "Ich möchte manche Dinge einfach ausprobieren, aber eigentlich halte ich mich doch für recht konventionell", sagt Eva Baronsky über sich selbst. Konventionell sagt auch der erste Eindruck: Sie ist modisch-schick und sorgfältig-teuer gekleidet, beim ebenso schicken Italiener, schlürft sie Latte Macchiato koffeinfrei. Ist verheiratet, hat zwei Kinder.

Schnell könnte man die 42-Jährige mit solcherart Beschreibung in eine Schublade packen. Doch die Winzertochter aus dem Rheingau ist auch ganz anders. Zieht ihr erstes Kind allein groß. Wurschtelt sich nach Studium von Innenarchitektur und Marketing durchs Leben. Schreibt nebenbei und ganz heimlich Drehbücher und Geschichten für die Schublade, die sie niemandem zeigt. Weil sie sich eigentlich nur ganz wenig zutraut, aber doch den Drang verspürt, mehr zu schaffen als nur den schnöden Alltag. Die Liebe zieht sie nach Kronberg, sie heiratet, bekommt ein zweites Kind.

Ernsthaftes Schreiben

Hier fängt sie an konsequenter zu schreiben, ernsthafter. Den ersten Roman kippt sie nach 100 Seiten in den Müll. Geht die Sache professioneller an. Entwirft mit Legomännchen ihres Sohnes Figurenkonstellationen, verschiebt sie. Hat eine verführerische Idee: Was wäre, wenn da plötzlich ein Mann in meinem Garten auftauchte, der denkt, er sei Mozart?

Aus dieser Idee heraus entwirft sie ihren ersten Roman, für den sie am 6. Juni in Bad Homburg mit dem Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Literaturpreises ausgezeichnet wird. Aber die Erfolgsgeschichte hat ein paar Kanten mehr. Das erste Manuskript will kein Verlag haben. Sie schreibt ein zweites, ein drittes Buch. Keiner will die Bücher. Am Tag des Lehmann-Crashs erhält sie einen Anruf vom Berliner Aufbau-Verlag. Sie wird gedruckt. Endlich!

Das Buch schafft es nach dem Erscheinen im Sommer 2009 jetzt bereits in die dritte Auflage, 12000 verkaufte Hardcover-Exemplare sind erstaunlich für einen Erstling, dessen Autorin kaum jemand kennt.

"Herr Mozart wacht auf" wird zu einem Buch, das sich die Leser ganz allein erobern. Keine Besprechungen in den großen Feuilletons der Tageszeitungen, nur ein kleiner Beitrag im ZDF-Morgenmagazin. Viel Mundpropaganda von erfreuten Lesern. Und die Hilfe eines großen Kollegen. Robert Schneider, der Autor von "Schlafes Bruder" preist ihr Buch, das hilft ungemein.

Wolfgang aus der Wiener WG

Der Roman erzählt tragikomisch, wie ein Mensch eines morgens in einer Wiener WG erwacht. Er glaubt, er sei Mozart, habe noch eben auf dem Sterbebett gelegen und müsse nun sein Requiem vollenden. Die Komik des Romans liegt in den Begegnungen dieses Menschen, der sich fortan Wolfgang Mustermann nennt, mit den Errungenschaften der modernen Welt: mit Autos, Telefonen, U-Bahnen und einem T-Shirt mit dem Aufdruck der Band "AC/DC", das er prompt als Abkürzung für "Adorate Cherubim Dominum Cantu" interpretiert. Doch trotz der Lachtränen, die sich beim Leser unweigerlich einstellen, endet die Geschichte des Herrn Mozart äußerst tragisch.

Verwundert ist Eva Baronsky darüber, wie die Zuhörer ihrer von einem Pianisten begleiteten Lesungen so ganz selbstverständlich annehmen, dass es sich bei der von ihr beschriebenen Figur tatsächlich um den zeitgereisten, historischen Mozart handele. "Ich spiele damit natürlich in dem Buch, aber es wird nicht einmal behauptet, dass es tatsächlich Mozart sei", sagt die Autorin. Diese Ambivalenz macht nicht zuletzt den Charme des Romans aus. Dass sich die Autorin mit der Lektüre zahlloser Mozart-Biographien, mit Wien-Reisen und Gesprächen mit Musikern viel Fachkunde angeeignet hat, gehört wohl ebenfalls zu den Gründen, die dem Buch großen Erfolg bescheren.

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