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Altkönigstift Kronberg Senioren auf der Warteliste

Wer möchte schon in einem Seniorenheim mit 640 Bewohnern leben? Erstaunlich viele. Das Altkönigstift in Oberhöchstadt hat eine lange Warteliste. Von Klaus Nissen

24.06.2010 00:06
Klaus Nissen
Begehrte Wohnanlage - das Altkönigstift in Kronberg. Foto: FR/Oeser

Wer möchte schon in einem Seniorenheim mit 640 Bewohnern leben? Erstaunlich viele. "Wir haben lange Wartelisten", sagt Herbert Otterstätter. Der weißhaarige Herr ist Direktor des größten Altenheims in der Rhein-Main-Region. Mindestens vier Jahre müsse man Geduld haben, bis man in eine der 525 Wohnungen des Altkönigstifts am Rande von Oberhöchstadt einziehen könne. Pro Jahr erkaufen sich 110 Menschen die Anwartschaft auf eine Ein- bis Dreizimmerwohnung in den 40 Jahre alten Waschbetonblocks am Waldrand.

Das künftige Wohnrecht im kleinsten Apartment (26 Quadratmeter mit Balkon) kostet 10000 Euro. 7500 Euro werden jährlich mit vier Prozent verzinst, der Rest ist der unverzinsliche Mitgliedsbeitrag für die Seniorenheim-Genossenschaft. Wer hier wohnt, ist zugleich Mitbesitzer des Altkönigstifts. Die Genossenschaft habe mehr als 3000 Mitglieder, sagte Otterstätter in dieser Woche am Rande der Generalversammlung. Nur noch in Hannover gebe es ein solches Geschäftsmodell. Der Vorteil: Jeder Euro Gewinn (im Vorjahr waren es mehr als 200000 Euro) werde ins Stift investiert.

Beim Einzug seien die Bewohner im Durchschnitt 80 Jahre alt, so Otterstätter. Viele lebten hier 15 Jahre und länger; 36 Bewohner seien über 95, sechs über 100 Jahre alt. Die Mieter haben ein eigenes Postamt, einen Laden, Frisör, Bankfiliale, Konzertsaal, einen kostenlosen Bus-Shuttle nach Bad Homburg und im Notfall eine 24-stündige Betreuung. Dafür zahlen sie im Monat mindestens 1400 Euro inklusive Mittagessen. Doch wem das Geld ausgehe, müsse nicht ausziehen, betont der Direktor. Eine Stiftung mit zehn Millionen Euro Eigenkapital übernehme im Notfall die Betreuungskosten.

Neue Station für Demente

Neun Millionen Euro haben die Genossen dem Stift für die gerade im Rohbau steckende Pflegestation geliehen. Diese soll im kommenden Jahr 60 weitere Pflegeplätze bieten und bis zu 20 Demenzkranke aufnehmen. Der zwölf Millionen Euro teure Bau wird eine Erdwärmeheizung bekommen - und ein Kraftwerk, das das gesamte Altkönigstift notfalls tagelang mit Strom versorgen kann. Von 2011 bis 2013 werde das Stift den alten Pflegetrakt für zehn Millionen Euro modernisieren, so Otterstätter. Die Umbauten werde ab 1. Juli seine Nachfolgerin Thekla Thiede organisieren. Der 68-jährige Direktor will einen Anwartschaftsvertrag für eine Wohnung im Altkönigstift unterzeichen. Damit er auch zukünftig vom neunten Stock aus auf Frankfurts Skyline schauen kann.

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