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Hanau Neonazi am Pranger

Eine Antifa-Gruppe startet eine Flugblattaktion gegen einen 17-jährigen Schüler an der Hanauer Otto-Hahn-Schule. Er soll sich rechtsextrem engagieren.

Die Otto Hahn Schule in Hanau. Foto: Sascha Rheker

Anonyme Mitglieder einer Antifa-Gruppe haben am Montag in der Otto-Hahn-Schule das rechtsextreme Engagement eines 17-jährigen Schülers öffentlich angeprangert. Sie verteilten auf dem Gelände der Kooperativen Gesamtschule Flugblätter und klebten sie an Fenster, wie Schulleiter Wolfgang Schröder auf Anfrage der Frankfurter Rundschau berichtet. Wegen des Vorfalls sei Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gestellt worden.

Die Flugblattaktion richtete sich gegen einen 17 Jahre alten Schüler der elften Klasse. Laut Flugblatt soll der Jugendliche, der in Maintal wohnt, aktives Mitglied der Nationalen-Sozialisten Rhein-Main sein, die derzeit in Frankfurt öffentlich stark in Erscheinung treten – etwa im Stadtteil Bergen-Enkheim, wo sie zwei Fackelmärsche veranstaltet haben sollen.

Ob der Schüler auch daran teilgenommen hat, ist unbekannt. Er soll sich jedoch etwa an einem Aufmarsch in Alzey, Rheinland-Pfalz, beteiligt haben.

„Die Polizei hat den jungen Mann befragt“, sagt Schröder, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Ein Schulverweis stehe derzeit nicht zur Diskussion. Die Ermittlungsergebnisse sollen abgewartet werden. Die Vorwürfe basieren zunächst nur auf einem anonymen Schreiben, so Schröder. Selbst wenn sich die Vorwürfe erhärten sollten, „muss ein Schulverweis nicht die zwangsläufig folgende Konsequenz sein“, so Erich Schleßmann, Dezernent am Staatlichen Schulamt Hanau für Gymnasien und Kooperative Gesamtschulen. Bis es soweit sei, müsse ein Schüler volksverhetzende Äußerungen machen, die nach dem allgemeinen Recht strafbar seien, sagt Schleßmann.

Das Verhalten des Jugendlichen sei der Schulleitung en détail erst nach der Aktion in Gesprächen mit Lehrern bekannt geworden. Laut Rektor Schröder meldete sich der 17-Jährige bei politischen Themen in der Schule auffällig häufig zu Wort und verbreitete dabei „rechtspopulistische Phrasen gegen Ausländer“. Der Jugendliche habe auch wegen einer rassistischen Äußerungen gegenüber eines Passanten vorzeitig die Rückfahrt von einer Klassenfahrt antreten müssen.

Dass der 17-Jährige in der bei Rechtsextremen beliebten Kleidermarke „Thor Steinar“ zum Unterricht erscheint, wie es im Flugblatt steht, bestreitet die Mutter des Schülers auf FR-Anfrage. Sie bestätigt, dass ihr Sohn bei den Nationalen-Sozialisten Rhein-Main aktiv sei. Er habe das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Lehrer und Schüler wurden von der Schulleitung zu einer verstärkten Sensibilität gegenüber rechtsextremen Verhalten von Mitschülern aufgefordert. So aufrüttelnd die Aktion auch gewesen sei, sei ein anonymes Flugblatt nicht die richtige Form gewesen, sagt Schröder.

Die seit zwei Jahren bestehende Arbeitsgruppe zur Erlangung des Prädikats „Schule gegen Rassismus“ soll nun mehr für Courage werben. „Wir sind eine Europaschule, bei uns darf Rassismus keine Chance bekommen“, bekräftigt Schröder.

Jugendliche der Oberstufen und Gymnasien seien trotz aller Aufklärung nicht immun gegen national-sozialistische Gesinnung, so das Schulamt. „Viele junge Rechte können klug argumentieren.“ Und sie demonstrierten dies im Unterricht, sagt Schleßmann. Einige zögen jedoch nach einer negativen Erfahrung vor, ihr politisches Treiben in der Klasse nicht mehr zur Schau zu stellen.

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