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Versicherungsmakler Betrug in den besseren Kreisen

Ein Versicherungsmakler soll Millionenbeträge veruntreut haben. Die Verhandlung vor dem Landgericht Darmstadt sollte eigentlich Anfang August beginnen, musste aber vertagt werden.

14.08.2016 23:51
Hohe Geldbeträge haben Kunden einem Darmstädter Versicherungsmakler anvertraut. Foto: picture alliance / dpa

Die Gläubigerliste ist eindrucksvoll. Zusammengestellt hat sie das Amtsgericht Darmstadt. Insgesamt 46 Positionen umfasst die Liste – Firmen und Privatleute, teils prominent, die allesamt finanzielle Ansprüche gegen einen Mann erheben, der im besser gestellten Teil der Darmstädter Bürgerschaft einst gut vernetzt war. Beträchtliche Beträge werden da geltend gemacht, die Gesamtsumme ist bemerkenswert: Es geht um mehr als 14,3 Millionen Euro.

Vorerst bleibt den Gläubigern nur die Hoffnung. Die Versicherungsmakler-Gesellschaft des heute 68 Jahre alten Diplom-Kaufmanns ist vor Jahren in die Insolvenz gegangen. Ob und wann es zur Verteilung verbliebener Finanzmittel kommt, deren Höhe den Gläubigern unbekannt ist, steht in den Sternen.

Fest steht allerdings, dass der 68-Jährige einen beträchtlichen Teil des Geldes durch betrügerische Machenschaften zusammengetragen haben soll. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat den in Bessungen lebenden Mann wegen Untreue und anderer Vergehen angeklagt.

„Ich möchte nicht in seiner Haut stecken“, sagt Jürgen Schwieger. Der Darmstädter Immobilieninvestor steht selbst mit zwei Posten auf der gerichtlichen Gläubigerliste. Um rund 100 000 Euro fühlt er sich von dem Angeklagten geprellt – Geld, das er dem Versicherungsmakler vor rund zehn Jahren für eine vermeintlich profitable Geldanlage überließ.

Vereinfacht gesagt handelte es sich um kurzfristige Anlagen hoher Summen von Versicherungskonzernen, an die man sich mit kleineren Beträgen „dranhängen“ könne, so der Tippgeber. Das Modell sei zwar laut Makler „relativ geheim“ gewesen, sagt Jürgen Schwieger, „aber es gab für mich überhaupt keinen Grund, an der Legalität zu zweifeln. Warum sollte ich?“ Die Rendite habe über den marktüblichen Zinsen gelegen, sei aber nicht astronomisch gewesen.

Jahrelang lief das Geschäft reibungslos, flossen die Erträge. Vor fünf Jahren aber habe der Versicherungsmakler eine Verzögerung einräumen müssen, den Investor in der Folge mehrfach vertröstet. „Und dann haben wir gehört, dass er einen Insolvenzantrag gestellt hat.“

Jürgen Schwieger, der für mehrere Betroffene spricht, räumt ein, dass Darlehensgeber selbst für die Absicherung ihrer Investitionen verantwortlich sind. „Jeder kann Fehler machen“, sagt er im Rückblick über den Versicherungsmakler. „Man kann durchaus in eine Situation kommen, wo man glaubt, das kriege ich noch hin, und kriegt es dann doch nicht mehr hin.“ Übel nimmt Schwieger dem 68-Jährigen die Vertröstungen. „Sich über Jahre Vertrauen zu erschleichen und dann mit solchen Lügen zu versuchen, jemanden zu täuschen – das ist es, was ich ihm ankreide. Das ist der eigentliche Betrug.“

Schwieger hat den Makler wegen „Verdachts unerlaubter Bankgeschäfte“ verklagt. Er wirft ihm vor, gewerbsmäßig betrügerische Geschäfte betrieben zu haben. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt teilte ihm jedoch über seinen Anwalt mit, dass von einer öffentlichen Klage derzeit abgesehen werde, da die dafür zu erwartende Strafe gegenüber den anderen Anschuldigungen gegen den 68-Jährigen „nicht beträchtlich ins Gewicht“ falle. „Das war für mich ein Schlag ins Gesicht“, sagt der um 100 000 Euro erleichterte Investor.

Heute sagt Schwieger, er habe den Fall für sich abgeschlossen und das Geld abgeschrieben. Er könne den Verlust verkraften, Andere treffe es härter. bad

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