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Verkehr Streit um Fahrradtürme

Der Magistrat will Parkplätze streichen, um dafür Platz für Fahrräder zu schaffen. Mehrere Ladenbesitzer fürchten um ihre Kundschaft.

Pali-Parkplatz / Parkplatz - Zeughausstraße / Luisenstraße 10 / Schleiermacherstraße Darmstadt, Bild x von 3
Der Pali-Parkplatz: Mal schnell was in der City erledigen. Foto: Michael Schick

Komplett alle Geschäfte tot!“ Das ist die düstere Prognose von Irfan Sencandan, dem Inhaber eines kleinen Lebensmittelladens in der Darmstädter Innenstadt. Grund: Auf dem Pali-Parkplatz davor sollen nach den Plänen des Magistrats alle, das heißt etwa 20, Kurzzeitparkplätze wegfallen, um Raum für zwei Fahrradparktürme zu schaffen.

Für „eine Katastrophe“ hält das auch eine Seniorin, die sich gerade am Parkscheinautomat abmüht. Ihr Mann nutze einen Rollator und müsse zum Diabetologen. Ein Parkhaus in der Nähe zu nutzen, sei unmöglich. Auch bei Hörgeräte Bonsel weiß man, „dass älteren Menschen oft jeder Schritt zu viel ist“, wie eine Mitarbeiterin sagt. Das Sanitätshaus Kattler befürchtet Umsatzeinbußen. Mit finanziellen Verlusten von bis zu 20 Prozent rechnet der Inhaber des Gemüseladens Mediterran Lebensmittel. Deshalb haben sich zahlreiche Geschäfte an einer Unterschriftenaktion gegen die Pläne beteiligt. Rund 2000 Unterzeichner sollen sie gewonnen haben.

Auch Gespräche mit Baudezernentin Barbara Boczek (Grüne) wurden geführt. Die hat deswegen vergangene Woche die Vorlage zurückgezogen. Sie wolle die Fragen der Anlieger und die Folgekosten klären, sagte Pressesprecher Klaus Honold der FR.

Derweil wird das Thema auch in den sozialen Medien heiß diskutiert. Die einen ärgert, dass Parkplätze wegfallen, die anderen, dass die Türme besser an zentralen Plätzen stünden, wieder andere halten sie für Geldverschwendung. Vor allem aber die mangelnde Beteiligung der Bürger und Gewerbetreibenden im Vorfeld kritisieren viele.

Die FDP hat flugs Wahlkampfflyer drucken lassen: „Kein Fahrradturm auf dem Pali-Parkplatz – Freiraum und Parkplätze in der Innenstadt“. Die SPD wirft der grün-schwarzen Stadtregierung vor, sie habe die Vorlage „aufgrund handwerklicher Mängel zurückziehen“ müssen. Der Magistrat habe nicht transparent gemacht, ob Alternativen geprüft wurden, wie hoch die Folgekosten seien und wie die genaue Funktionalität des Hauses aussieht, teilte SPD-Fraktionschef Michael Siebel mit.

Dabei ist die Idee witzig und wurde bislang nur einmal umgesetzt, und zwar in einem Schulzentrum im baden-württembergischen Rutesheim: Der Nutzer stellt sein Rad auf eine Schiene, und dieses wird automatisch in den achtstöckigen Turm eingezogen. 16 Sekunden dauert laut Hersteller, der Firma Wöhr, die Rückgabe. Ein erster Turm mit 122 Plätzen soll laut Vorlage 570 000 Euro kosten. Der zweite mit 90 Stellplätzen 480 000 Euro. Dazu kommen die Kosten für die Platzgestaltung. Vier Behindertenparkplätze sollen bleiben. Gefördert werde das Projekt aus dem Lincoln-by-Bike-Programm mit rund 170 000 Euro. Es sei vorgesehen, die Vorlage bis zur nächsten Stadtverordnetensitzung zu überarbeiten, so Honold.

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