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Verein vermittelt Au-pair-Mädchen Töchter auf Zeit

Sie heißen Viktoria, Nelli, Sopiko, Hasmik, Olena oder Candy, sind Au-pair-Mädchen Anfang 20 und neugierig auf Deutschland. Billige Kindermädchen wollen und sollen die jungen Frauen aus Russland, der Ukraine, Armenien, China oder Südamerika nicht sein.

19.11.2010 12:23

Heutzutage ist Au pair gleichbedeutend mit Kulturaustausch, sagt Doris Hämel vom Verein für internationale Jugendarbeit (VIJ). Darüber müssen sich die Gasteltern im Klaren sein.

Hämel betreut mit ihrer Kollegin Caroline Bischoff 65 Au-pair-Mädchen im Raum Südhessen. Der VIJ ist aus dem vor 125 Jahren gegründeten Internationalen Verein der Freundinnen junger Mädchen hervorgegangen, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, die sexuelle und wirtschaftliche Ausbeutung unerfahrener junger Ausländerinnen zu verhindern. Der Verein gehört zur evangelischen Kirche.

Europäerinnen wollen reisen

Vor 20, 30 Jahren kamen die Au-pair-Mädchen noch aus europäischen Ländern, vor allem aus Polen oder Frankreich. So wie die gebürtige Französin Caroline Bischoff, der es in Darmstadt so gut gefiel, dass sie hier blieb und eine Familie gründete. Aber die Zeiten haben sich geändert. „Deutsch ist nicht mehr so gefragt“, stellt Hämel fest. Junge Europäerinnen mit Fernweh erkunden lieber per „Work and Travel“ die Welt, als fremder Leute Kinder zu hüten und Hausarbeit zu erledigen.

Die Au-pair-Mädchen aus den fernen Ländern dagegen wollen ganz gezielt ihr Deutsch verbessern, das sie für ihr Studium oder für einen Arbeitsplatz im Heimatland brauchen. „Das Internet ist eine mächtige Konkurrenz für uns“, gesteht Hämel. Aber Mädchen, die sich individuell ihre Gastfamilie suchen, riskierten, als billige Arbeitskräfte ausgenutzt zu werden. Der VIJ achtet dagegen darauf, dass beide Seiten Regeln einhalten. Und er hilft Au- pair-Mädchen und Gasteltern bei der Lösung von Konflikte.

Von Bewerberinnen verlangt der Verein, dass sie ordentliche Unterlagen schicken, Deutschkenntnisse nachweisen und ein ärztliches Attest vorlegen. Die Gastfamilie muss sich darauf einstellen, dass ein Au-pair-Mädchen monatlich rund 500 Euro kostet, ein eigenes Zimmer und ausreichend Freizeit braucht.

Kindererziehung ist kulturell geprägt. So verstand eine Chinesin erst gar nicht, was ihre Gastmutter meinte, als sie ihr vorschlug, mit ihrer Tochter zu spielen. „Was soll ich mit ihr üben?“ fragte sie zurück. Dass es nicht ums Lernen ging, war ihr fremd.

Hämel hält es für das Beste, wenn die Familien ihre Gasttochter wie eine erwachsene Nichte behandeln: respektvoll und mit Nachsicht. Den jungen Mädchen rät sie, sich Respekt bei ihren kleinen deutschen Gastgeschwistern zu verschaffen, die freier als die Kinder ihres Kulturkreises erzogen, also auch frecher sind. (pyp)

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