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US-Kaserne Neubau unter alten Bäumen

Die Cambrai-Fritsch-Kaserne in attraktiver Stadtlage gilt als Filetstück bei der Konversion der verwaisten US-Flächen. Über Grundzüge der Umwandlung der Militärflächen in zivile Stadtquartiere im Süden Darmstadts hat sich am Wochenende eine Planungswerkstatt Gedanken gemacht.

23.08.2010 09:29

Die alten Rosskastanien sollen stehen bleiben. „Der Baumbestand ist ein Riesenkapital“, sagt der Frankfurter Stadtplaner Torsten Becker. „Jeder, der Neubausiedlungen kennt, weiß, wie traurig das sonst aussieht in den ersten 20 Jahren, bis die neu gepflanzten Bäume hochgekommen sind.“ Zustimmendes Nicken in der Runde. Die Gruppe steht unter einem Blätterdach auf dem zentralen Platz der Cambrai-Fritsch-Kaserne zwischen Bessungen und Eberstadt. „Dies ist das Herz des Quartiers“, sagt Becker. Der Platz, auf dem bis zum Abzug 2008 die US-Streitkräfte ihre allmorgendliche Flaggenzeremonie abhielten, steht unter Ensembleschutz, wird also auch bei der Neubebauung des Kasernenareals erhalten.

Die Cambrai-Fritsch-Kaserne in attraktivster Stadtlage gilt als Filetstück bei der anstehenden Konversion der verwaisten US-Flächen. Über Grundzüge der Umwandlung der Militärflächen in zivile Stadtquartiere im Süden Darmstadts hat sich am Wochenende eine Planungswerkstatt Gedanken gemacht. Rund 240 Darmstädter Bürger haben an der Ideensammlung teilgenommen, zu der das Stadtplanungsamt und das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung eingeladen hatten.

240 Bürger beteiligen sich

Bestandteil des Programms war auch die Besichtigung der Areale – eine seltene Gelegenheit. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), derzeitige Eigentümerin der US-Kasernen und Wohngebiete, hält die Flächen aus Furcht vor Vandalismus sonst konsequent abgesperrt. Das Unkraut wuchert, aus manchen Pflasterrissen wachsen schon junge Bäumchen. Sie werden nicht bleiben, wenn die Bagger der Immobilien-Investoren anrollen. Insgesamt rund 750 Bäume hat Landschaftsarchitekt Thomas Dittmann jedoch als erhaltenswert eingestuft, neben den Rosskastanien auch 100 bis 150 Jahre alte Eichen in der Cambrai-Fritsch-Kaserne sowie Kiefern auf dem Gebiet der Lincoln-Siedlung.

Besichtigungstour zum Start

Hinweise und Ideen von Bürgern sind den professionellen Planern willkommen. Ein „echter Ausschnitt der Bürgerschaft“ sei versammelt, freute sich Michael Kolmer, Leiter des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung: „Das zeigt den hohen Stellenwert der Mitwirkungsmöglichkeiten im Planungsprozess.“ Eine Rahmenplanung soll im kommenden Frühjahr vorliegen und Grundlage eines Bebauungsplans für die Lincoln-Siedlung sein. Für das Cambrai-Fritsch-Areal ist ein städtebaulich-landschaftsplanerischer Wettbewerb vorgesehen, der Ende 2011 abgeschlossen sein soll. Dann wird auch für dieses Gebiet ein Bebauungsplan erstellt.

Die Interessen der Stadt seien die Richtschnur bei der Vermarktung der Flächen, versicherte Bima-Vertreter Claus Niebelschütz. Die Bundesanstalt werde allerdings auf Wirtschaftlichkeit achten. So sei es wohl nicht sinnvoll, den Gebäudebestand etwa in der Lincoln-Siedlung komplett abzureißen. Die Vermarktung solle bereits deutlich vor Abschluss des formellen Planungsverfahrens beginnen. In Darmstadt sei die Nachfrage von Investoren groß.

Ein Problem könnte der Anschluss der neuen Flächen ans Verkehrsnetz sein. Angrenzende Straßen wie Landskronstraße, Klappacher, Rüdesheimer und Heidelberger Straße seien schon heute stark oder übermäßig belastet, sagte Verkehrsplanerin Gisela Stete und schlug alternativ eine gute Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr vor. ( bad)

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