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US-Armee Darmstadt/Griesheim US-Armee schweigt zum Thema Lauschen

Was genau passiert auf dem Gelände der US-Armee am Eberstädter Weg in Darmstadt? Das fragen sich besorgte Bürger. Oberirdisch können sie nicht viel sehen, doch unterirdisch vermuten sie modernste Nachrichtentechnik. Die US-Armee antwortet nicht auf Fragen.

03.07.2013 08:58
Vieles, was hinter dem Stacheldraht passiert, soll sich unterirdisch abspielen. Foto: Hans Dieter Erlenbach

Die Griesheimer Bürgermeisterin Gabriele Winter (SPD) hat momentan einen schweren Stand. Seit Tagen werde sie, nach diversen Medienberichten, von besorgten Bürgern angerufen, die wissen wollten, was hinter dem Stacheldraht auf dem Armeegelände passiere. Eine Antwort hat sie nicht.

Früher betrieben die Amerikaner am Eberstädter Weg, der zur Darmstädter Gemarkung gehört, eine normale Kaserne. Dort wohnten und arbeiteten Bedienstete der US-Armee, es gab sogar eine amerikanische Schule. Besonders streng gesichert war das Areal nicht. Bis 1999 plötzlich Bagger anrückten und das Gelände mit einem hohen Zaun mit Stacheldraht versehen wurde.

Satellitenschüsseln sind verschwunden

Auf dem benachbarten August-Euler-Flugplatz wurden 2003 und 2004 große Satellitenschüsseln aufgestellt, die jeweils 16 Meter hoch waren und einen Durchmesser von sieben Metern hatten. Die sind inzwischen wieder verschwunden.

18 Millionen Dollar investierten die Amerikaner damals. Doch wohin floss das Geld? Oberirdisch ist kaum etwas zu sehen. Es wurde wohl unterirdisch verbaut. Vor allem in modernste Nachrichtentechnik. Lüftungsschächte, die über das Gelände verteilt sind, lassen das vermuten.

Im Herbst 2003 wurde bekannt, dass der militärische Nachrichtendienst „Intelligence and Security Command“ (Inscom) von einem Stützpunkt nahe Augsburg nach Griesheim umgezogen war, die Kontrolle über Inscom hat die National Security Agency (NSA) der USA.

Der frühere Griesheimer Bürgermeister Norbert Leber (SPD) wollte irgendwann wissen, was sich auf dem Gelände, oder besser unter der Erde, abspielt. Gemeinsam mit dem früheren Darmstädter Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) nahm er Kontakt zu den Amerikanern auf und wurde zu einem Besuch eingeladen.

Er und der Darmstädter Oberbürgermeister seien von der Militärpolizei von zu Hause abgeholt und auf das Gelände gebracht worden. Dort habe man ein paar Büros gesehen. Mehr nicht. Nach einem Gespräch habe man die Besucher wieder nach Hause gefahren. Ihnen wurde erzählt, von Griesheim aus beobachteten die Militärs internationale Truppenbewegungen.

Kritik des Oberbürgermeisters

„Das meiste passiert unter der Erde“, ist sich Leber heute sicher. Vor allem seit dem Bericht des ARD-Magazins „Panorama“. Den Reportern war eine Stellenanzeige der Amerikaner aufgefallen, in der sie einen Sicherheitsoffizier für Darmstadt suchen, der für die NSA arbeiten solle. Dort sollen Spezialisten für die Entschlüsselung digitaler Daten sitzen. Zudem sollen Geheiminformationen für die NSA ausgewertet werden. Leber hat daran keinen Zweifel.

Er wundert sich schon länger über die vielen Fahrzeuge, die dort tagsüber parken und die Busse, die morgens zahlreiche Mitarbeiter bringen, wie er sagt. Oberirdisch könnten die gar nicht alle unterkommen. „Aber was da genau passiert, weiß niemand“, erzählt Leber. Vergangene Woche gab er auf dem Eberstädter Weg in einer Parkbucht ein TV-Interview. Im Nu seien Sicherheitsmitarbeiter vor Ort gewesen. Jeder, der sich in der Nähe des Areals bewegt, wird mit Argusaugen beobachtet. Oft werden Passanten sogar gefilmt, wie Aufnahmen von „Panorama“ beweisen.

An ihrem Zaun machen die Amerikaner mit Schildern unmissverständlich klar, dass sie bei unbefugtem Betreten des Geländes von der Schusswaffe Gebrauch machen würden. Antworten geben sie nicht. Die US-Botschaft in Berlin hat auf schriftlich gestellte Fragen nicht reagiert.

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) übt unterdessen mit Blick auf das Ausspähen der weltweiten Kommunikation Kritik am Vorgehen der Amerikaner: „Eine solche Praxis missbillige ich als Oberbürgermeister einer weltoffenen und toleranten Stadt zutiefst. Bedenklich stimmt mich, wenn ich höre, dass eine Abhöranlage auf Darmstädter Gemarkung dabei eine Rolle spielen soll.“ hde

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