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Tierversuche bei Merck Der Hüter der Versuchstiere

Joachim Voenen ist Tierschutzbeauftragter bei dem Pharmakonzern Merck. Selbst in seinem Bekanntenkreis ist das ein heikles Thema. Doch er fühlt sich "auf der guten Seite".

27.12.2013 16:00
Horror-Bilder von gequälten Versuchstieren gehören der Vergangenheit an. Diese Kaninchen werden bei Merck als Versuchstiere gehalten. Foto: Merck

Es ist ein heikles Thema, selbst im Bekanntenkreis. Wenn Joachim Coenen von seinem Beruf und seiner täglichen Arbeit berichtet, muss er sich oft rechtfertigen. „Doch ich stehe zu dem, was ich mache“, sagt er. Und meistens kann er so überzeugend argumentieren, dass seine Freunde, wenn nicht Zustimmung, so doch zumindest Einsicht signalisieren.

Joachim Coenen ist Tierarzt, Fachveterinär für Versuchstierkunde. Der Dreiundfünfzigjährige ist seit 2007 Tierschutzbeauftragter beim Pharma-, Chemie- und Life-Science-Unternehmen Merck.

Er wacht über die einwandfreie Haltung der Tiere und darüber, dass die Gesetze und ethischen Standards, die der Konzern sich darüber hinaus selbst auferlegt hat, eingehalten werden.

Starke Reglementierung

Nun sind Tierschutz und Schutzbeauftragter für Versuchstiere nicht unbedingt das gleiche – womit Coenen wieder in Rechtfertigungszwang wäre. „Ich fühle mich aber auf der guten Seite“, betont er. „Merck führt Versuche nur durch, wenn es unbedingt nötig ist.“ Kein Bereich sei gesetzlich so reglementiert wie dieser. „Und letztlich geht es doch um das Leben und die Gesundheit von Menschen. Keiner möchte, dass Wirkstoffe oder Medikamente an ihm ausprobiert werden“, sagt er. Oder nicht ausreichend zuvor überprüft wurden.

Coenen nennt als Beispiel den Contergan-Skandal in den 1960er Jahren. „Danach wurde die Gesetzeslage extrem verschärft und Fälle wie Contergan sind seither nicht mehr aufgetreten“, sagt der Merck-Beauftragte. Eben auch, weil Tierversuche vor einer Markteinführung von Medikamenten stünden.

Coenen weiß, dass Tierversuche dennoch einen schweren Stand haben in der Öffentlichkeit. „Viele haben antiquierte Bilder im Kopf von vor 50 Jahren“. Etwa von Affen mit aufgemeißelten Schädeln und Drähten, die aus ihren Köpfen ragen. „So etwas ist längst verboten.“

Die Versuche werden streng von Behörden – in Darmstadt vom Regierungspräsidium und dem Veterinäramt – kontrolliert, so Coenen. Jeder Versuch müsse angemeldet und begründet werden und „wird nur genehmigt, wenn keine anerkannten Alternativ-Methoden zur Verfügung stehen und der Versuch ethisch und wissenschaftlich vertretbar ist“, sagt er.

Der Gesetzgeber verpflichtet Hersteller von Medikamenten dazu, die Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ihrer Produkte nachzuweisen. Vor einer klinischen Prüfung an menschlichen Probanden muss das an Tierversuchen belegt werden.

Merck hat sich verpflichtet, die Zahl der Tierversuche zu reduzieren. Das geschieht unter anderem durch die Zusammenarbeit mit anderen Herstellern, Importeuren und Anwendern und Informationsaustausch. „So können Wiederholungen bereits durchgeführter Tierversuche vermieden werden“, sagt Merck-Firmensprecher Gerhard Lerch.

„Wenn möglich, ersetzen wir Tierversuche durch Computersimulationen, Zell- oder Gewebekulturen“, sagt Coenen. Wenn es um Präparate und die Forschung zu Gelenkerkrankungen geht, verwenden die Merck-Wissenschaftler etwa auch Knorpellieferungen aus Schlachthöfen.
Alternativen prüfen

Zu 96 Prozent werden Mäuse und Ratten eingesetzt, aber auch Kaninchen, Affen und Hunde. Wie viele genau, das verraten weder Coenen noch Lerch. Rund 138.000 Tiere waren es laut dem RP Darmstadt 2012 in ganz Südhessen.

Genommen werden nur Tiere von behördlich zugelassenen Versuchstierzüchtern. „Wir fangen die Tiere nicht einfach irgendwo ein. Bei uns werden die Tiere anständig behandelt“, sagt der Veterinär. Schon aus rein firmeneigenem Interesse. „Wenn die Tiere nicht gesund oder gestresst sind, schadet das dem Ergebnis der Studie und letztlich auch der Qualität des Medikamentes.“ eda

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