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Schlossgrabenfest in Darmstadt Kritik an Verhalten der Polizei

Nach den Krawallen beim Schlossgrabenfest in Darmstadt werfen Anwohner der Polizei vor, unangemessen hart reagiert zu haben.

Gewalt in Darmstadt
Polizisten im Einsatz beim Schlossgrabenfest. Foto: dpa

Nach den Krawallen im und um den Herrngarten in der Nacht zum Sonntag mehren sich kritische Stimmen, die der Polizei vorwerfen, unangemessen hart auf die gewaltsamen Ausschreitungen reagiert und auch unbeteiligte Bürger stundenlang eingekesselt und verdächtigt zu haben. Bei den Gewaltexzessen waren Polizeibeamte nach dem Ende der Musikdarbietungen beim Schlossgrabenfest mit Steinen und Glasflaschen beworfen worden.

Eine Gruppe von bis zu 300 Menschen hatte nach Angaben des südhessischen Polizeipräsidenten Bernhard Lammel die Beamten in dem Park, der an das Gelände des Schlossgrabenfestes angrenzt, attackiert. Nach den Worten von Innenminister Peter Beuth (CDU) wurden 15 Beamte verletzt. Sie trugen überwiegend nur leichtere Verletzungen davon. Wie Beuth am Donnerstag im Innenausschuss sagte, befänden sich noch zwei Beamte wegen Beinverletzungen in ärztlicher Behandlung. Die Polizei nahm 112 Personen fest. Gegen 47 wurde Anzeige erstattet.

Polizeikessel vor der Haustür

Zwei Anwohner des Johannesviertels berichteten am Freitag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, sie seien nach dem Besuch des Schlossgrabenfestes und zweier Gaststätten gegen 5 Uhr nach Hause gekommen. Nur knapp 100 Meter von ihrer Wohnadresse entfernt hatte die Polizei an der Einmündung der Kahlertstraße in die Frankfurter Straße rund 20 mutmaßliche Randalierer eingekesselt. Einige Schritte von den eingekreisten Personen entfernt sollen nach Darstellung der beiden Studenten etwa ein halbes Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene mehrere Stunden auf ihre eingekesselten Bekannten gewartet haben. Nachdem die beiden Studenten die frierenden und durstigen jungen Leuten mit Pullovern, Getränken und Brot versorgt und sich mit ihnen unterhalten hatten, seien sie gegen 7.20 Uhr fast direkt vor ihrer Haustüre mit allen auf dem Boden sitzenden Personen ebenfalls in Polizeigewahrsam genommen und zwei Stunden lang festgehalten worden. Auch hätten die Beamten ihnen ihre Mobiltelefone weggenommen, berichteten der 33- und der 29-jährige Student. „Das war völlig unverhältnismäßig“, sagte der Ältere der beiden.

Auch auf Nachfrage sollen die Beamten den umzingelten Personen auch kein Wasser gereicht haben, obwohl sie selbst von Kollegen mit Halbliterflaschen versorgt worden seien. Ebenso sei den Festgenommenen untersagt worden, einen Anwalt anzurufen.

Gerichtliche Entscheidung steht aus

Die beiden jungen Männer haben inzwischen beim Amtsgericht Darmstadt eine gerichtliche Entscheidung über die Beschlagnahme ihrer Mobiltelefone beantragt. Nach Paragraf 98 der Strafprozessordnung dürfen nur durch das Gericht Beschlagnahmen erfolgen. Bei „Gefahr im Verzug“ dürfen dies auch die Staatsanwaltschaft und Ermittlungspersonen durchführen. Ob am Sonntagmorgen, als im Herrngarten schon wieder Jogger ihre Runden drehten und die Polizei die Lage längst wieder unter Kontrolle hatte, noch „Gefahr im Verzug“ bestand, darf bezweifelt werden.

Polizeisprecherin Andrea Löb sagte am Freitag auf Anfrage der FR, bislang liege der Polizei nur die Beschwerde eines Pastors aus Erzhausen vor, der, wie berichtet, kritisiert hatte, er sei mit einer Gruppe von Personen mehr als vier Stunde lang von Polizisten umzingelt worden. Anschließend habe man ihn durchsucht und ihm das Handy abgenommen. Der Pastor werde nun zu einem Gespräch geladen, um ihm auch zu erläutern, in welcher „Extremsituation“ die Beamten gehandelt hätten, nachdem sie massiv angegriffen worden seien. „Wir nehmen die Vorwürfe ernst und werden sie prüfen, kündigte Löb an.

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