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Rüsselsheim Alles neu aus altem Holz

Das Haus in der Schäfergasse 14 wird nach 30 Jahren restauriert. Das ist nicht einfach, denn das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert hat sich 65 Zentimeter gesenkt.

20.05.2015 11:02
Zimmermann Michael Rau kennt sich aus mit schwierigen Projekten. Foto: Jens Etzelsberger

Vor etwa 300 Jahren wurde das Haus in der Schäfergasse 14 in Rüsselsheim gebaut. 30 Jahre stand es leer und verfiel. Jetzt hat die Renovierung begonnen. Das Gebäude ist nur noch Gerippe und innen eine Bauschutthalde. Überdies hat es sich abgesenkt.

Michel Rau zeigt die groben Zapfen, die in den Balken stecken. Verbogen sind sie. Zwischen Loch und Zapfen klafft ein ansehnlicher Spielraum. „Nichts davon ist gesägt. Das ganze Gebälk wurde mit der Axt passend gehauen. Im Wald. Dann haben sie es über Winter dort liegen lassen, damit die Schädlinge noch einmal richtig Frost abkriegten. Im Frühjahr haben sie es dann in den Ort gefahren und es als Hausgerippe zusammengesetzt“, sagt der Zimmermann. So war es damals im 17. Jahrhundert, als sie das Fachwerkhaus in der Schäfergasse 14 gebaut haben.

Gebäude hat sich gesenkt

Seit Ende März wird das Gebäude restauriert. Rau hat sich mit seinem Geschäft in Ober-Ramstadt einen Ruf als Restaurator für schwierige Vorhaben erworben. Denn so recht habe sich niemand gefunden, der das Projekt angehen wollte, sagt er. Immerhin galt es, das gesamte Haus zu heben. Letztlich wurden es 65 Zentimeter.

Eine Treppe aus der Wirtschaftswunderzeit hängt wegen der Anhebung um etwas mehr als einen halben Meter in der Luft. Oben sind noch einmal einige Räumchen auf der etwa zehn mal sieben Meter großen Fläche. Der Eigentümer plant, dass einmal zwei Parteien in dem Haus wohnen sollen. Auch dies ist für Rau eine besondere Aufgabe. Denn zu der Totalrestaurierung kommen auch noch die Probleme mit der Schalldämmung.

Die Decke oben wird im Gegensatz zum Erdgeschoss so niedrig bleiben, wie sie immer war. Es sei denn, das Landesamt für Denkmalschutz, das die Vorgänge am Bau begleitet, erlaubt eine Anhebung des Dachs. Aber darüber muss ebenso noch gesprochen werden wie über die Anordnung der Fenster.

Dadurch, dass das gesamte Haus nicht unwesentlich höher steht, sitzen die ursprünglichen, die sich an der Frontseite Hauses befinden, so hoch, dass sich eine durchschnittlich große Person strecken müsste, um sie zu öffnen oder zu schließen. Bis zum Herbst wird es wohl dauern, bis Rau den ersten Abschnitt der Arbeiten abgeschlossen hat. Momentan steht das Haus auf mehreren Hydraulikstempeln. In den nächsten Tagen wird der Zwischenraum ausgemauert.

Auf das neue Mauerwerk wird Rau einen sogenannten Ringbalken betonieren, der das gesamte Haus umgibt. Erst wenn der Beton trocken ist und das Haus sicher steht, können die anderen Arbeiten angegangen werden. Festen Halt braucht das Gebäude vor allem, wenn das Dach abgeschlagen und neu gedeckt wird. Wenn das Haus fest steht, lässt Rau erst einmal die Handwerker für die anderen Gewerke dort arbeiten. Das Gerüst braucht er später, um das Mauerwerk zu reparieren: Lehm, Schilf und Stroh sind seine Materialien.

Das Holz, das oftmals so alt ist wie die Gebäude, die Rau restauriert, sucht er sich überall zusammen, wo Bauwerke abgerissen werden. Auch in der Schäfergasse verwendet er 300 Jahre altes Ersatzholz von anderen Häusern. Das Material ist überlebenswichtig für sein Unternehmen. „Ohne Holz wäre ich am Ende. Ohne Holz hätte ich keinen Job mehr“, sagt Rau. ers

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