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Ried Trinkwasserversorgung auch in Zukunft sicher

Um den Grundwasserpegel zu halten, fügt der Wasserverband Hessisches Ried Rheinwasser hinzu. Der Westwald bei Darmstadt ist trotzdem nicht zu retten.

Wasserversorgung in Hessen
Wie das Rheinwasser in Biebesheim gereinigt wird, erklärt Abteilungsleiter Walter Klupp. Foto: Claudia Kabel

In Gernsheim am Rhein sagt man: „Die nehmen unser Wasser und pumpen es nach Frankfurt.“ Auch im Vogelsberg gibt es Beschwerden, weil Kommunen befürchten, die Trinkwassergewinnung im Ried könne ihnen das Wasser abgraben. Ähnliches verlautet von Waldschützern aus Darmstadt. Die gute Nachricht: Die Trinkwasserversorgung in der Rhein-Main-Region ist trotz Dürresommer auch in Zukunft gesichert. Das teilte der Wasserverband Hessisches Ried (WHR) am Donnerstag mit.

Die schlechte Nachricht: „Der Darmstädter Westwald ist nachhaltig geschädigt und wird nicht zu retten sein.“ Das sagte Stadtkämmerer André Schellenberg (CDU), der als Vertreter der Stadt Darmstadt im Vorstand des 1979 gegründeten kommunalen Verbands sitzt. Hintergrund ist ein seit Jahren beobachtetes Absterben der Bäume im Westwald, das die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald einem sinkenden Grundwasserspiegel und einer Infiltration an falscher Stelle zuschreibt.

Dem widerspricht Schellenberg: Der Westwald werde nie mehr den Anschluss ans Grundwasser bekommen. Da könne man noch so viel infiltrieren. Bei zu viel Anreicherung würden zudem Bauschäden an Siedlungen entstehen. Deswegen setze man bei einer Neubepflanzung des Waldes auf Douglasien, die weniger Wasser bräuchten. Allerdings verzeichne man auch bei Neuanpflanzungen 30 bis 40 Prozent Ausfälle. Man werde durch die Klimaerwärmung manche Waldbestände nicht retten können, sagte Ludwig Ganzert vom Landkreis Darmstadt-Dieburg.

 

Der WHR betreibt seit 1999 die Infiltration, also die Anreicherung, des Grundwassers im Ried im Rahmen seines integrierten Wasserressourcen-Managements. „Der große Vorteil ist, dass wir einen Ausgleich zwischen Regionen mit hohem und niedrigem Grundwasserspiegel herstellen“, sagte Vorstandsvorsteherin Elisabeth Jreisat. In Südhessen habe man die komplexeste Wasserversorgung Deutschlands.

Aus dem Ried werden die Städte Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt sowie die Kreise Groß-Gerau, Bergstraße und Darmstadt-Dieburg mit Trinkwasser versorgt. Um den Grundwasserspiegel auf dem vorgeschriebenen Niveau zu halten, wird dem Rhein Wasser entnommen, im Aufbereitungswerk bei Biebesheim gereinigt und von dort an verschiedenen Stellen dem Boden zugeführt.

„Bei Vollauslastung laufen stündlich 5400 Kubikmeter Wasser durch die Anlage“, sagte Walter Klupp, Abteilungsleiter der Anlagen in Südhessen. Schadstoffe werden durch Aktivkohle, Ozon und Eisenschlamm gebunden. Das so gereinigte Wasser könne man allerdings wegen seiner Keimbelastung noch nicht trinken. Erst durch Licht- und Sauerstoffmangel im Boden werde es trinkbar, so Klupp.

„Die zurückliegende extreme Trockenperiode hat gezeigt, dass die Aufbereitung von Rheinwasser für die Grundwasserbewirtschaftung ökologisch und ökonomisch eine wegweisende Strategie ist“, stellte Wiesbadens Umweltdezernent Andreas Kowol (Grüne) fest.

Verbandschefin Jreisat sagte, es sei eine kühne Annahme, dass der Rhein in Hinblick auf den Klimawandel auch künftig garantiert genug Wasser führe, um die Infiltration zu sichern. „Derzeit liegen die Rohre noch unter dem Wasserspiegel.“ In diesem Jahr werde man den Rekordwert der Infiltration trotz der Hitze nicht erreichen, sagte Jreisat. Dank des feuchten Winters sei der Grundwasserspiegel hoch gewesen.

Zwar hat sich laut Frankfurts Umweltdezernent Markus Frank (CDU) trotz Bevölkerungszunahme der Wasserverbrauch reduziert – und darauf müsse man durch Sparmaßnahmen weiter hinwirken –, aber dennoch stehe man vor großen Herausforderungen. Wichtig sei ein Ausbau des Trinkwassernetzes. Zudem prüfe man derzeit in Frankfurt, in welchen Bereichen außer im Gewerbe Brauchwasser, also nicht trinkbares Wasser, genutzt werden könne. In Wiesbaden will man laut Kowol gemeinsam mit dem Land ein Projekt zur Brauchwassernutzung starten.

Bereits verwendet wird Brauchwasser in Darmstadt etwa zur Straßenreinigung. Skeptisch zeigte sich Schellenberg, was den Nutzen in Wohngebieten angeht: „Wenn Duschwasser für die Toilettenspülung verwendet wird, stößt man schnell an die Grenzen der Gesundheitsvorsorge.“

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