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NS-Zeit Gegen das Vergessen

Mit einem besonderen Gedenkjahr erinnert die Stadt an ihre unheilvolle Rolle im Nationalsozialismus. Dafür hat sich die Stadt mit der Jüdischen Gemeinde und dem Landesverband der Sinti und Roma sowie vielen Vereinen zusammengetan.

17.01.2013 22:12
Die Liberale Synagoge wurde im November 1938 zerstört. Foto: Archiv

Mit einem besonderen Gedenkjahr erinnert die Stadt an ihre unheilvolle Rolle im Nationalsozialismus. Dafür hat sich die Stadt mit der Jüdischen Gemeinde und dem Landesverband der Sinti und Roma sowie vielen Vereinen zusammengetan.

Jakob Kern hat das Konzentrationslager Dachau überlebt. Er kehrte sogar nach Darmstadt zurück, wo er vor den Nazis Vorsitzender der örtlichen SPD gewesen war. Doch auch die Nachkriegszeit meinte es nicht gut ihm. Kern kam mit der Überzeugung heim, dass die Spaltung der Arbeiterbewegung den Nazis zur Macht verholfen hatte. Deshalb setzte er sich nun für die Vereinigung von SPD und KPD ein.

„Im Kalten Krieg war dies das politische Aus“, sagt Christoph Jetter von der Darmstädter Geschichtswerkstatt. „Fortan wurde Kern totgeschwiegen.“ Unvergessen ist er nur in seiner Familie – und so konnte sein Enkel, der Darmstädter Kinderarzt Hans Joachim Landzettel, dazu beitragen, dass Jakob Kern in der Ausstellung „Namen statt Nummern“, die den Dachau-Opfern gewidmet ist, angemessen gewürdigt wird. Die Schau wird ab heute im Offenen Haus gezeigt. Mit der Ausstellung beginnt ein besonderes Gedenkjahr, das Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) gestern bei einer Pressekonferenz vorstellte.

Partsch hob „die große Tradition Darmstädter Erinnerungsarbeit“ hervor, in die sich das Gedenkjahr 2013 einreihen soll – er nannte die Eröffnung der Neuen Synagoge 1988, die Betreuung ehemaliger Zwangsarbeiter und ihre Entschädigung, die Errichtung des Gedenkzeichens Güterbahnhof, schließlich das Engagement für die Gedenkstätte Liberale Synagoge.

Vier Schwerpunkte hat das Gedenkjahr: den Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar; die letzten Deportationen Darmstädter Juden sowie Sinti und Roma im März 1943; den 80. Jahrestag der Bücherverbrennung am 21. Juni 1933; die Pogromnacht vom 9. und 10. November 1938.

Die Stadt hat sich dazu ämterübergreifend mit der Jüdischen Gemeinde und dem Landesverband der Sinti und Roma sowie einer Vielzahl von Vereinen und Initiativen zusammengetan – so auch mit der Geschichtswerkstatt, die seit 20 Jahren aktiv ist.

Das Programm des Gedenkjahrs zeige die Verantwortung, die die Stadt Darmstadt gegenüber ihrer Geschichte übernimmt, sagte Moritz Neumann vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde. Und das Programm sei offen, betonte Partsch: „Wer immer sich beteiligen will, kann noch dazustoßen.“ (ers.)

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