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Neuer Asteroid entdeckt Planet Darmstadt

Sternengucker Erwin Schwab hat einen bislang unbekannten Asteroiden entdeckt - und ihm den Namen seiner Lieblingsstadt gegeben.

04.08.2010 12:08
Fünfeinhalb Jahre braucht Darmstadt, um ein Mal die Sonne zu umrunden.

Man kann viele Dinge mit Darmstadt in Verbindung bringen – die Künste, die Wissenschaften, den Woog. Seit kurzem gehört auch die Schwerelosigkeit dazu. Es gibt einen kleinen Planeten im Weltall, der den Namen Darmstadt trägt. Er ist 220 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, hat einen Durchmesser von zwei Kilometern, seine Umlaufbahn liegt zwischen Mars und Jupiter. Um einmal die Sonne zu umrunden, braucht er fünfeinhalb Jahre. Mit bloßem Auge ist er von der Erde aus nicht zu sehen, seine Leuchtkraft entspricht etwa dem Schein einer Kerzenflamme aus 2000 Kilometer Entfernung.

Erwin Schwab hat den Kleinplaneten entdeckt. Der 46 Jahre alte Wissenschaftler wohnt in Egelsbach und arbeitet beim GSI Helmholtzzentrum in der Grundlagenforschung. Geboren ist er in Heppenheim, auf der Starkenburg-Sternwarte nahm das Hobby seinen Anfang. Mit zwölf Jahren hat Schwab einen Feldstecher geschenkt bekommen – und von da an am liebsten in den Himmel geschaut.

Mit 17 Jahren fing er an, nach Kleinplaneten zu suchen. „Das sind im Prinzip alle Himmelskörper außer den Planeten und Kometen“, erklärt Schwab, sie werden auch Asteroiden genannt. Er selbst sagt auch gern „Dreckbrocken“ zu ihnen. „Aus viel mehr sind sie schließlich nicht“, sagt er und lacht. Mehr als die Zusammensetzung interessiert ihn aber ohnehin ihre Bewegung im Weltall, die er auf Fotos festhält.

Im Laufe der Zeit hat Schwab ein Gespür für Asteroiden entwickelt und bereits gemeinsam mit einem Freund auf der Taunus-Sternwarte den Kleinplaneten Frankfurt entdeckt.

Wo die Profis nicht hingeschaut haben

Die beiden Hobby-Astronomen haben auch den Asteroiden 204873 entdeckt und ihn Fair genannt, nach dem geplanten Riesenbeschleuniger-Projekt der GSI. Fair ist etwa zehn Millionen Kilometer weiter von der Erde entfernt als der Asteroid Darmstadt und trotzdem schneller: Er braucht für einen Umlauf um die Sonne vier Jahre. Schwab überlegt sich immer genau, an welchem Teil des Himmels er auf die Suche geht. „Auch Profis grasen den Himmel nach neuen Objekten ab“, sagt er.

Die Koordinaten würden dann von ihnen ins Internet gestellt. „Ich beobachte den Himmel dann dort genauer, wo die Profis gerade nicht hingeschaut haben.“ Die Entdeckung von Darmstadt grenzt trotzdem auf den ersten Blick an Zauberei. Schwab hat den Asteroiden mit einem Teleskop in den USA am 31. Oktober 2008 das erste Mal erblickt – und zwar ohne selbst in den USA gewesen zu sein. Der Wissenschaftler hat von Egelsbach aus online durchs Teleskop geschaut und dem Instrument per Internet die Koordinaten der Himmelsregion durchgegeben, die er beobachten wollte.

Das Suchspiel dokumentierte er mit Fotos – mit einer Belichtungszeit von 90 Sekunden pro Bild – und plötzlich hatte er den Kleinplaneten entdeckt. Eine Idee für den Namen hatte er auch: „Ich arbeite in Darmstadt, ich mag Darmstadt und dachte, es ist an der Zeit, einen Asteroiden Darmstadt zu nennen.“

Schwab meldete seinen Fund dem Kleinplaneten-Zentrum in den USA. Dort prüfen die Wissenschaftler die Genauigkeit der Bahn des Asteroiden. Übergangsweise hieß Darmstadt 2008 UX201, später 241418. Ende Juli stimmte die Internationale Astronomische Union, ein Gremium aus 16 Berufsastronomen aus aller Welt, dem Vorschlag Schwabs zu. (hin)

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