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Naturschutz in Hessen Turmfalke kann ins Minarett einziehen

Die Emir-Sultan-Moschee in Darmstadt ist als erstes islamisches Gotteshaus in Deutschland mit einem UN-Umweltpreis ausgezeichnet worden.

Emir Sultan Moschee in Darmstadt
Genießen die neue Grünanlage auf dem Moscheegelände: Ragib Yazici und Senay Altintas. Foto: Monika Müller

Noch wartet der Nistkasten an der Spitze des Minaretts in der Mainzer Straße auf einen Bewohner – etwa einen Turmfalken. Die ersten Fledermäuse sind bereits in ihre neuen Unterkünfte unter dem Dach der Emir-Sultan-Moschee eingezogen. „Abends schwirren sie hier herum“, sagt Ragib Yazici, Vorsitzender des Türkisch-islamischen Zentrums in Darmstadt. Für das Projekt „Ökologische Aufwertung von Freigelände“, das der Verein in den vergangenen Monaten umgesetzt hat, wurde er jetzt mit dem Umweltpreis der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Es ist die erste Moschee in Deutschland und die erste Initiative in Darmstadt, die bei dem Wettbewerb im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz geehrt wurde. „Es geht darum, auf tolle Projekte aufmerksam zu machen und Ideen für neue Initiativen anzustoßen“, sagt UN-Projektmitarbeiterin Katja Beisheim.

Außer der Installation der beiden Nistkästen, die mit Unterstützung des Nabu gebaut und aufgehängt wurden, hat der Moscheeverein auch sein Außengelände mit einer Hecke heimischer Gewächse begrünt und einen Vogelkirschbaum gepflanzt. Demnächst soll eine Wildblumenwiese angelegt werden.

All dies gehörte zu einem Ideenkatalog, der im vorigen Jahr bei der ersten „Religiösen Naturschutzwoche“ in einem gemeinsamen Projekt mit dem Nabu Darmstadt entstanden ist, erklärt Projektleiterin Senay Altintas, die für den Moscheeverein auch die Öffentlichkeitsarbeit macht. Auf die Idee, dass eine Moschee zu einem Ort für ökologische Vielfalt werden könne, sei man erst durch diese Veranstaltung gekommen, sagtAltintas. Nun sei die muslimische Gemeinde sehr engagiert. Viele Ehrenamtliche halfen etwa bei Temperaturen von über 30 Grad mit, die Erde für die Pflanzung der Hecke auszuheben.

Insgesamt 1500 Euro hat sich der Verein die Aktion kosten lassen. 500 Euro davon erhält er als Förderung durch das Umweltministerium, einen weiteren Betrag will die Stadt zuschießen. Der Rest finanziert sich aus Spenden.

Nach islamischem Verständnis gilt das Pflanzen eines Baumes oder das Säen von Pflanzen, von denen Vögel, Menschen oder Tiere zehren können, als „fortdauernde Spende“, für die man im Jenseits belohnt wird. So stelle auch die 2012 auf dem Moscheedach installierte Photovoltaikanlage nicht nur eine Stromversorgung für das Gebäude dar, sondern eine Verbindung zum Propheten Mohammed, erläutert Altintas.

„Der Umweltschutz geht uns religionsübergreifend an“, sagt die Muslima. Deshalb habe man als islamischer Verein einen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität in der Stadt leisten wollen. Aber erst über die Naturschutzwoche sei man in Kontakt mit anderen gesellschaftlichen Akteuren wie dem Nabu oder dem Arbeitskreis „Religionen und Naturschutz“ des Abrahamischen Forums bekommen.

Moschee in Darmstadt Vorbild für Kirchen

Dass religiöse Menschen sich angeblich leichter für Fragen des Naturschutzes ansprechen lassen, ist Hintergrund der Religiösen Naturschutzwoche, die kürzlich zum zweiten Mal in Darmstadt stattfand. „Das hat das Bundesamt für Naturschutz festgestellt und zum Anlass genommen, das Projekt aufzulegen“, sagt Hubert Meisinger vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Dies sei auch eine Form von Integration, befindet Jürgen Micksch, Geschäftsführer des Abrahamischen Forums.

Dass die Moschee als Beispiel nicht nur für andere Moscheen dienen könnte, sondern auch für christliche Kirchen, beweisen Pläne der evangelischen Matthäusgemeinde: Hier soll auf dem Dach des Gemeindehauses ebenfalls eine Photovoltaikanlage installiert werden. Umsetzen soll dies die in Darmstadt ansässige muslimische Umweltschutzorganisation Nour-Energy, die auch den Einbau auf der Emir-Sultan-Mosche übernommen hat. „Wir hoffen, dass wir im Frühjahr 2019 ans Netz gehen können“, sagt Pfarrer Andreas Schwöbel.

Bei der Begrünung der Außenanlage will es das Türkisch-islamische Zentrum aber nicht belassen. Erste Versuche des „Plastikfastens“ während des Ramadan seien erfolgreich gewesen, sagt Altintas. Deswegen wolle man dies nächstes Jahr noch konsequenter verfolgen.

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