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Mörfelden Säule erinnert an die Opfer

Ein neues Denkmal erinnert an jene Bürger, die sich unter den Nazis für die KPD einsetzten. Die drehbare sechseckige Säule ist von der Form her an den Mörfelder Wasserturm angelehnt.

04.05.2015 19:10
Klaus Müller (oben) enthüllt feierlich die Säule zum Gedenken an politisch Verfolgte während der NS-Zeit. Foto: Eva Susanne Schmidt

Im vergangenen Jahr ist der Mörfelder Kirchplatz neu gestaltet worden. Nun steht auch die Litfaßsäule, die an während des Zweiten Weltkriegs politisch verfolgte Mörfelder erinnert. Die drehbare sechseckige Säule, deren Form an den Mörfelder Wasserturm angelehnt ist, wurde nun ihrer Bestimmung übergeben. Zwar regnete es in Strömen, doch das Ereignis zog viele Interessierte an, die sich unter Regenschirmen um die Säule scharten.

„Ort und Zeit dieser Einweihung sind kein Zufall“, erklärte Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) zur Begrüßung. Am Standort des alten Mörfelder Rathauses, in dem während der NS-Herrschaft Verfolgte nach ihrer Verhaftung vorübergehend untergebracht waren und misshandelt wurden, stehe nun dieses Erinnerungsdenkmal. Eine breite Zustimmung im Stadtparlament habe die Realisierung des Projekts erfahren, das bereits im Jahr 2010 mit der Bildung einer Arbeitsgruppe zum Thema „Politisch Verfolgte während der NS-Zeit“ begann.

Mit dabei waren Stadtarchivleiterin Carmen Rebecca Hecht, Klaus Müller, Gerd Schulmeyer, Rudi Hechler und Museumsleiterin Cornelia Rühlig. Allen gebühre Dank für ihren Einsatz, so der Bürgermeister. Die Planung dieser Litfaßsäule in Mörfelden sowie einer noch zu errichtenden Stele in Walldorf gehe auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung von 2012 zurück.

Keine Heldengeschichten

Zahlreiche Ausstellungen, Publikationen und Aktionen in der Stadt hatten die Zeit des Zweiten Weltkriegs bereits in den Fokus genommen: der Gedenkstein für die Synagoge, eine Ausstellung zur NS-Euthanasie oder die Verlegung der Stolpersteine, die Mörfelden-Walldorf als erste Stadt im Kreis Groß-Gerau umgesetzt hatte. Mit der Litfaßsäule ist nun ein sorgfältig recherchiertes, informatives Medium hinzugekommen, zu dem viele Bürger einen persönlichen Bezug haben: Kinder und Enkel der Verfolgten leben zum Teil heute noch im Ort.

Am Beispiel von etwa 35 Mörfeldern wie Michel Denk, Karl Dammel, Wilhelm Scheuermann, der Familie Feutner und Elisabeth Karl kommt die Collage aus Texten, Zeitdokumenten und Bildern auf den sechs Seiten der Säule dem Leben der Einzelnen nahe.

„Es sind keine Heldengeschichten, die hier erzählt werden. Wir haben uns bemüht, die Persönlichkeit des Einzelnen mit Brüchen und Widersprüchen deutlich werden zu lassen“, erklärte Rühlig. Sehr wohl gehe es aber darum, das Leid, die Schläge, die Diskriminierung und Entwürdigung in aller Deutlichkeit darzustellen. „Der Grund der Verfolgung, der Gefängnis- oder KZ-Strafen ist auf eine einfache Kurzformel zu bringen“, so Rühlig. Vorgeworfen wurde den Opfern, dass sie nicht die gleiche Meinung hatten wie die Herrschenden, dass sie darüber sprachen und Flugblätter weitergaben, die den NS-Staat kritisierten, dass sie Geld für die KPD einsammelten. „Die Strafen, die sie dafür bekamen, waren drakonisch.“

Zu Wort kamen auch Nachkommen der Verfolgten wie Ulrike Baumann oder Käthe und Edith Pons. So erinnerte sich Ulrike Baumann, die Enkelin von Wilhelm Scheuermann, dass der Großvater zusammengeschlagen und ausgeraubt und sein Geld anschließend von SA-Offizieren versoffen wurde. Zum KZ Osthofen beim Worms sei die Mutter immer mit dem Fahrrad gefahren, um den Vater Michel Denk zu besuchen, erinnerte sich dessen Tochter.

Mit passenden Liedern zur Gitarre bereicherte Bodo Kolbe die Veranstaltung. (eda)

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