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Merck in Darmstadt Im Strom der braunen Zeit mitgeschwommen

Ein neues Buch zur 350-jährigen Geschichte der Firma Merck in Darmstadt beschäftigt sich auch mit der NS-Zeit.

Pharmakonzern Merck in Darmstadt
Im Museum der Firma Merck, das nur bei Führungen zugänglich ist, wird auch der Ausweis einer Zwangsarbeiterin ausgestellt. r Foto: Renate Hoyer

Die Keimzelle der Firma Merck liegt in einer 1668 erworbenen Apotheke. Fast auf den Tag genau vor 350 Jahren erhielt Friedrich Jacob Merck das Privileg, die am Schlossgraben gelegene Engel-Apotheke zu übernehmen, die sich noch immer im Familienbesitz befindet und inzwischen ihren Sitz am Darmstädter Luisenplatz hat.

Aus der Apotheke ist in den vergangenen dreieinhalb Jahrhunderten ein international agierendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen entstanden. „Von der Apotheke zum Weltkonzern“ heißt denn auch der Untertitel eines Buchs, das die Firmengeschichte auf fast 720 Seiten umfassend darstellt. Es wurde am Dienstag in der Orangerie vorgestellt.

Verfasst haben das Werk die Geschichtsprofessoren Carsten Burhop, Michael Kißener, Hermann Schäfer und Joachim Scholtyseck. Der Bonner Historiker Scholtyseck hat die Firmengeschichte zwischen 1914 und 1948 untersucht. Über die Zeit des Nationalsozialismus sagte Scholtyseck gestern bei der wissenschaftlichen Tagung anlässlich der Vorstellung des Buchs, die Firma Merck sei „im Strom der braunen Zeit mitgeschwommen“. Ende 1942 habe das Unternehmen nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 570 und 695 Fremd- und Zwangsarbeiter beschäftigt. 

Auf Nachfrage eines Mitglieds der Merck-Familie bezeichnete Scholtyseck den späteren Vorstandschef Karl Merck als „überzeugten Nationalsozialisten“. Weitgehend unbekannt sei bisher, dass Karl Merck und der Manager Bernhard Pfotenhauer, ein glühender Nazi, ihre Nähe zum NS-Regime hätten nutzen wollen, um in einer Art „Palastrevolution“ den Einfluss der Familie auszuschalten, was allerdings nicht gelungen sei. 

Nach 1945 sei in der Firma und der Familie lange über die NS-Zeit, die Zwangsarbeit und über die Produktion von Wasserstoffperoxid als Raketenantriebsmittel geschwiegen worden, konstatierte Scholtyseck.

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