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Lernprogramm für Kinder Mit Videospielen gegen Übergewicht

Die Kinderkliniken und das Fachgebiet Multimedia Kommunikation der TU arbeiten bei der Entwicklung von Lernspielen ("Serious Games") zusammen. Sie sollen bei der Therapie übergewichtiger Kinder und Jugendlicher eingesetzt werden.

25.07.2012 23:32
Kommen zu viel Essen und zu wenig Sport zusammen, nehmen Kinder stark zu. Foto: DPA

Ein Leben ohne PC, Internet, Soziale Netzwerke, Playstation oder Smartphone ist für Kinder und Jugendliche heute unvorstellbar. Gerade die Übergewichtigen, die eigentlich Bewegung nötig hätten, verbringen zu viel Zeit in der medialen Welt. Dass sie dabei sogar eine Spielsucht entwickeln, sei gar nicht so selten, meint Sebastian Becker, Oberarzt der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret und zuständig für die Adipositastherapie.

Sport ist für diese Kinder eine Qual, sie haben kaum Freunde und sind beim Mannschaftssport immer diejenigen, die auf der Reservebank hocken müssen. So ist es verständlich, wenn auch ihrer Gesundheit alles andere als förderlich, dass sie Zuflucht in den virtuellen Welten von Computerspielen suchen.

Wie kann man sie zu körperlichen Aktivitäten motivieren? Oberarzt Becker will dafür zur Unterstützung der aus Ernährungskunde und Bewegung bestehenden Therapie im Krankenhaus genau jenes Mittel einsetzen, das die Kinder und Jugendlichen an den Bildschirm fesselt: Videospiele. Die sollen allerdings nicht nur Spaß machen, sondern auch bestimmte Anforderungen erfüllen.

Mit der Entwicklung solcher „Serious Games“, also Lern-, Gesundheits- und Trainingsspiele, beschäftigt sich der Fachbereich Multimedia Kommunikation der Technischen Universität Darmstadt (TU).

Noch stehen Sandro Hardy vom TU-Fachbereich und Sebastian Becker am Anfang ihrer Zusammenarbeit. Die technologischen Grundlagen sind geschaffen, es wird allerdings schwer sein, einen direkten Erfolg nachzuweisen.

Eine Spiel-Vorstufe ist der ergometerbasierte „Taubenflug“: Durch kräftiges Pedaletreten auf einem speziellen Hometrainer kann ein flatternder Vogel über hohe Hindernisse gelotst werden. Dabei wird die Tret-Leistung gemessen, werden medizinisch relevante Daten erfasst. Für Übergewichtige ist ein Ergometer ideal, weil es die Gelenke nicht belastet und der Widerstand vom Therapeuten nach Bedarf verändert werden kann.

Mit „Serious Games“ sollen die Adipositas-Kinder und -Jugendlichen nicht nur zu mehr Bewegung motiviert werden. Es ist auch geplant, ein digitales Tagebuch zur Unterstützung der Ernährungstherapie zu integrieren. In den Kinderkliniken lernen die übergewichtigen Jungen und Mädchen, die Lebensmittel in Ampelfarben von Rot wie „schädlich“ bis Grün wie „gesund“ einzuteilen. Sie sollen aufschreiben, was sie täglich zu sich nehmen und die Mahlzeiten nach Farben bewerten. Diese Protokolle könnten künftig auch durch Handyfotos der Mahlzeiten ersetzt werden, meint Becker.

Auch die Eltern werden einbezogen. Sie seien oft erstaunt, wenn sie von den Ärzten erfahren, dass sie ihr Kind mit sehr viel kleineren Portionen gesund ernähren können.

In naher Zukunft soll im Tagesklinikbereich der Kinderkliniken ein Ergometer aufgestellt werden. Geplant ist auch, für einen Therapiezeitraum von acht Wochen Anwendungsbeispiele anzubieten. Auf einem ganz anderen Sektor wurde ein vom TU-Fachbereich Multimedia Kommunikation entwickeltes Spiel schon eingeführt: Bewohnerinnen und Bewohner des Alten- und Pflegeheims in der Emilstraße testeten mit großer Begeisterung ein Balance-System zur Sturzprävention. Das Spiel „Thera Kit“ soll Schlaganfall-Patienten helfen, ihre Armbewegungen zu steuern.

„Wir stehen in Kontakt mit Therapieeinrichtungen und Kliniken“, sagt Sandro Hardy. Noch sei die Wirksamkeit der „Serious Games“ nicht bewiesen, weil die Fallzahlen zu gering seien. Weltweit gebe es dazu bislang überraschenderweise sehr wenige Studien. Mit der Vermarktung der Spiele in nächster Zeit ist wohl noch nicht zu rechnen. Hardy: „Wir sind dabei, Geschäftsmodelle zu erarbeiten“. (pyp.)

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