Lade Inhalte...

Künstler Bilder zum Nachdenken

Dieter Motzel ist Künstler von Beruf. "Vielleicht eigne ich mich für nichts anderes", sagt der 52-jährige Eberstädter. Von Annabel Bayatloo

20.12.2008 00:12
Annabel Bayatloo

In seinem kleinen Haus hat er ein Malzimmer. Winzig, mit Dachschräge. Dort hängen Zeichnungen und andere Bilder an den Wänden. Skizzen, erklärt Dieter Motzel, seien das. Projekte an denen der Künstler aus Eberstadt arbeite. Manchmal gelingt ein Bild auf Anhieb. Ein andermal benötigt der grauhaarige, schlanke Mann auch fünf Entwürfe. Figuren beherrschen seine Bilder. Vor zehn Jahren noch malte er überwiegend Stillleben. Im Bad, gegenüber der Toilette, hängt eine Zeichnung - ein Junge, der in der Toilette festklemmt. Ob malen Motzels Berufung ist? "Wenn Sie es so nennen wollen", sagt er. "Vielleicht eigne ich mich für nichts anderes", fügt er hinzu.

Motzel illustrierte das Buch "Oh du Fröhliche: Weihnachtliches aus Südhessen", das jetzt erschienen ist. Neben Erzählungen und Gedichten von anderen Autoren finden sich darin zwei Bildergeschichten von Motzel, die eine ganz ohne Worte, nur aus Tuschezeichnungen. Die andere Geschichte spielt im Darmstadt von 1756. Sie schildert, wie sich der 14-jährige Georg Christoph Lichtenberg, späterer Autor der "Sudelbücher", das Leben nehmen will. Ein vorbeikommender Spielmann kann den Jungen jedoch davon überzeugen, dass das Leben lebenswert sei und rettet ihn so.

"Die Bildergeschichten sollten nachdenklich machen", sagt Motzel. Als Fest der Liebe sähen Menschen Weihnachten vielleicht, aber das sei naiv, und würde nicht der Realität entsprechen. Die Geschichten seien "ein Tritt vor das Schienbein", so der Künstler. Er selbst feiert Weihnachten "ganz normal".

Seine Bilder erklären, das möchte Motzel nicht. "Meine Bilder können schön, verstörend, rätselhaft sein. Was jeder darin sieht", sagt er.

Der Maler, Zeichner und Grafiker ist 52 Jahre alt. Solange er sich zurück erinnern kann, hat er gezeichnet und gemalt. Alles habe er sich selbst beigebracht. Motzel ist Autodidakt. Seine Ausbildungen zum Lithograf und zum Tiefdruckgrafiker haben ihm neue Aspekte für die freiberufliche Arbeit geboten. Nur wenige Jahre zog er weg aus Darmstadt, kam dann aber wieder zurück. Seit 15 Jahren arbeitet Motzel selbstständig. Ein- bis zweimal im Jahr stellt er seine Werke aus - in Darmstadt und Umgebung.

"Lust zum Malen und Zeichnen ist immer da", sagt Motzel. "Das Skizzenbuch muss immer gefüllt werden. Zeichnen ist ein permanenter Prozess. Das gehört dazu wie Lesen und Essen, ist in Fleisch und Blut übergegangen. Und Ideen sind immer da." Selbstkritisch betrachtet Motzel seine Bilder. Er sieht Fehler, die die Betrachter nicht sehen können. Das was er malen wollte und dann doch nicht zu Papier gebracht hat. Oder auf die Leinwand. In seinem großen Atelier kann er auch Zeichnungen von zwei Metern Länge machen. Dort entstehen ebenso Ölbilder. Ein Lieblingsbild hat Motzel nicht. Keines von dem er sagen würde, das gebe ich nicht her. Das könne an der Professionalität liegen, die Motzel immer wieder erwähnt. Denn Malen ist sein Beruf. Er muss davon leben können. Eine Din -A4-Zeichnung kostet etwa 600 bis 700 Euro. Eine Zeichnung von zwei Metern ungefähr 2000 Euro. Sein nächstes großes Projekt soll ein Ölbild sein. Was genau kann Dieter Motzel noch nicht sagen.

Das Buch: "Oh du Fröhliche, Weihnachtliches aus Südhessen - erzählt, gereimt und gezeichnet", Weststadt Verlag Darmstadt, ISBN: 978-3-940179-05-0, 9,80 Euro.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum