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Interview "Wir wollen Kritisches"

Die Nonstock-Macher sprechen im FR-Interview über ihr Musik-Festival in Fischbachtal, ihren Erfolg damit und ihre Vorbilder.

09.07.2008 00:07
Burkhard Röder (links) und Gösta Gantner haben zusammen das Musikfestival in Fischbachtal ins Leben gerufen. Foto: privat

Am kommenden Wochenende geht das Nonstock-Festival zum elften Mal in Fischbachtal über die Bühne. Wie kommt man darauf, ein Musikfestival auf dem Dorf zu veranstalten?

Burkhard Röder: Die Idee wurde vor elf Jahren durch die Langeweile geboren, die auf dem Land herrscht. Zu der Zeit habe ich Musik in einer eigenen Band gemacht, die sich HMP (Hardcore Music Partyfraktion) nannte und wir wollten unbedingt den Odenwald beschallen. Wir machten rebellische, gesellschaftskritische Musik mit Stromgitarre und Hip- Hop-Einflüssen. Da wir keine Auftrittslocation für unseren Lärm fanden (lacht), haben wir das selbst in die Hand genommen.

Und hattet Erfolg damit?

Röder: Das erste Festival 1998 fand noch auf dem Hof meiner Eltern in Nonrod statt und es kamen circa 400 Leute.

Hättet ihr damals gedacht, dass sich das Festival dermaßen etablieren würde?

Gösta Gantner: Nein. Anfangs war das Ganze ein Zusammenschluss von Freunden. Im zweiten Jahr gingen wir auf die traumhafte Wiese zwischen Niedernhausen und Nonrod. 2004 gründeten wir den gemeinnützigen Verein "Kulturwiese Nonstock", um das Festival professioneller organisieren zu können.

Röder Mittlerweile haben wir über 50 Vereinsmitglieder, 130 Helfer, die von 20 Teamleitern betreut werden und eine Produktionsleitung.

Welche Musikrichtungen sind bei Nonstock zu hören?

Röder: Uns gehts um die Vielfalt. Dabei ist uns die eigene Note besonders wichtig. Auf dem Nonstock-Festival hat noch nie eine Coverband gespielt. Wir wollen selbstgemachte Musik, die kritisch und reflektiert ist.

Wie groß ist das Interesse von Bands, bei euch aufzutreten?

Röder: Wir bekommen mittlerweile mehr als 1500 Anfragen aus dem ganzen Bundesgebiet, teilweise aus Amerika und Spanien. Einmal bewarben sich Tito & Tarantula, weil sie dachten, auf unser Festival kämen 20 000 Besucher.

Das ist nicht so?

Gantner: Nein, zu uns kommen etwa 3000 Besucher, und es wäre auch nicht in unserem Sinne, wenn es mehr als 5000 wären, denn wir wollen die Atmosphäre freundschaftlich und familiär halten. Das geht bei größeren Events verloren.

Also ist Rock am Ring nicht euer Vorbild?

Gantner: Nein. Das wäre eine ganz andere Liga, in die wir gar nicht wollen.

Kann man bei euch auch bekannte Bands hören?

Gantner: Ziel ist es schon, einige überregional bekannte Bands wie Benzin in diesem Jahr oder Emil Bulls vor zwei Jahren auftreten zu lassen. Auch spielen viele Musikgruppen, die in der Region bekannt sind, auf Nonstock. Zugleich ist es eines unserer Anliegen, unbekannte, aber talentierte Musiker zu entdecken...

Zum Beispiel?

Röder: The Real McCoy sind dieses Jahr voll am Durchstarten, nachdem sie zweimal bei uns gespielt haben. Irie Révoltés hatten ihren Durchbruch, nachdem sie 2003 bei uns waren.

Euer Motto in diesem Jahr lautet "Eroberung des öffentlichen Raums". Was soll das bedeuten?

Gantner: Uns interessiert die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums. Überall wird man mit Werbung und dergleichen überschüttet, worunter die künstlerischen Ausdrucksformen leiden.

Wie wollt ihr dem begegnen?

Gantner: Unser Anspruch ist nicht nur, Musik anzubieten, sondern auch die subkulturelle Vielfalt der Region zu präsentieren. Das ist ganz bestimmt eine Besonderheit von Nonstock. Wir arbeiten dabei mit der Darmstädter Dichtergemeinschaft Darmschlinger und dem Weiterstädter Filmfest zusammen. Die Poeten werden auf dem ganzen Gelände, zum Beispiel auf den Toiletten, in Aktion treten. Da sind wir mächtig gespannt, wie das bei einem Publikum ankommt, dass in erster Linie...

...Party feiern will?

Gantner: Ja. (lacht)

Warum macht Ihr das?

Röder: Wir wollen der Jugend auch zeigen, dass es noch mehr als Schulaufgaben, Fernsehen und zocken gibt.

Und das Ganze ist eine Benefizveranstaltung?

Gantner: Ja, wir haben bislang die Überschüsse des Festivals gespendet. Etwa für das Darmstädter Jugendzentrum Oetinger Villa oder die Darmstädter Tafel. Künftig wollen wir Kulturaktionen unterstützen, die sich nicht selbst tragen.

Fischbachtal im Odenwald hat in seinen sechs Gemeinden gerade mal 2600 Einwohner. Was sagen die zu eurem Festival?

Röder: Anfangs war das Festival eine Art Protestaktion unter dem Motto "Musik am Arsch der Welt", worüber sich die Anwohner sehr aufregten. Heute kommen immer mehr auf ein Bier vorbei.

Gantner: Viele sagen: "Ja, der Lärm ist schon da, aber das Nonstock gehört zum Fischbachtal dazu." Auch die Kommune und viele Geschäfte sind inzwischen zu unseren Partnern geworden.

Interview: Claudia Horkheimer

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