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ICE-Anschluss Keine halben Sachen

Darmstadt rückt nicht vom Wunsch nach einer Vollanbindung an das Hochgeschwindigkeitsnetz der Bahn ab. Eine Trasse zum Frankfurter Flughafen findet keine Zustimmung.

19.05.2011 14:34
ICE-Verkehr Foto: claus völker

Der designierte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) bezog bei der Vorstellung des grün-schwarzen Koalitionsvertrags klar Position. „Darmstadt braucht den ICE“, sagte er. Eine neuen Trasse zum Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen, wie sie Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) kürzlich wieder ins Gespräch gebracht hatte, gehe an den Bedürfnissen der Stadt vorbei. Der ICE-Anschluss, so Partsch, sei sogar wichtiger als die Nordostumgehung. Eisenbahntrassen würden seltener als Straßen gebaut – „vielleicht alle 50, 60 Jahre“.

Nach einem in der vergangenen Wahlperiode mit großer Mehrheit gefassten Parlamentsbeschluss hält Darmstadt an der Vollanbindung des Hauptbahnhofs fest. Das heißt, dass alle ICE-Züge über diesen wichtigen Knotenpunkt laufen sollen. Mit der neuen Anbindung an den Flughafen sei Darmstadt zwar nicht abgehängt vom Hochgeschwindigkeitsnetz, so kritisierte der künftige OB, aber habe keinen optimalen Zugang.

Partsch betonte, wenn der Hauptbahnhof tatsächlich voll angebunden werde, dann könne der südliche Schwenk zurück zur A?67 nicht nördlich der Eschollbrücker Straße entlang führen, wie es die Bahn vorgeschlagen habe. „Das ist nicht zumutbar“, sagte Partsch und deutete an, dass es Verhandlungen über eine alternative Trasse gebe. Details wollte er nicht nennen, sagte aber, dass er dabei sei, Gesprächstermine mit Verkehrsminister Posch und Bahn-Managern zu vereinbaren. Klar sei allerdings, dass eine Vollanbindung „so oder so“ Einschnitte im Stadtgebiet erfordern würde.

Der ICE-Anschluss Darmstadts war auch das wichtigste Thema bei der konstituierenden Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend. Uwiga-Vertreter Erich Bauer sah in Poschs Vorstoß die Position seiner Fraktion pro Nordanbindung bestätigt. „Wir bräuchten uns eigentlich nur zurücklehnen, bis sie realistisch werden“, sagte er an CDU, Grünen und SPD gewandt.

„Die Vollanbindung geht mit der Bahn AG nicht“, erinnerte Georg Hang, ebenfalls von der Uwiga, an die von dem Verkehrs-Unternehmen seit Jahren gehaltene Position. „Und mit der Forderung nach der Vollanbindung wie beim Pokern zu bluffen, halte ich für wenig realistisch.“

„Das erinnert mich an einen früheren Verhandlungsführer der Stadt“, spielte Baudezernent Dieter Wenzel (SPD) ohne Namen zu nennen auf den abgewählten OB Walter Hoffmann (SPD) an. „Natürlich muss die Position sein: Wir wollen die Vollanbindung.“ Die Fußnote im Bundesverkehrswegeplan sei ein Faustpfand. Michael Siebel (SPD) sieht für die Vollanbindung eine Chance, wenn Stadt und Stadtparlament „mit großer Einhelligkeit“ handeln. „In dem Moment, in dem klar wird, dass es nur eine knappe Mehrheit gibt – die keine 20 Jahre hält –, halten sich andere mit Finanzierungszusagen zurück.“

Man solle dem neuen Magistrat die Chance geben sich einzuarbeiten, empfahl Wenzel. Aus eigener Erfahrung rate er, das Projekt ICE-Anschluss in eine Hand zu legen. Der Uwiga-Antrag, die Vollanbindung zugunsten einer Nordanbindung zu streichen, wurde im Ausschuss von CDU, Grünen und SPD mit breiter Mehrheit abgelehnt.

Zum Vorsitzenden wählte der Ausschuss den CDU-Parteivorsitzenden Ctirad Kotoucek. Stellvertreter wurde Hans Fürst (Grüne), der von den sieben Grünen- und CDU-Ausschussmitgliedern gegen die SPD-Stadtverordnete Katrin Kosub (vier Stimmen) durchgesetzt wurde. ( ryp/mawi)

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