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Homosexualität in der Wirtschaft Verstecken war gestern

In der freien Wirtschaft scheint das Coming-out fast so schwer zu sein wie im Fußball. In Darmstadt trifft sich ein Mal im Monat der „Verband schwuler Führungskräfte“.

20.01.2014 10:56
Das Coming-out des Ex-Fußballprofis Thomas Hitzlsperger sorgte für Gesprächsstoff. Weniger prominent sind homosexuelle Führungskräfte - auch in der Wirtschaft ist das offene Leben nicht so einfach. Foto: Bongarts/Getty Images

In der freien Wirtschaft scheint das Coming-out fast so schwer zu sein wie im Fußball. In Darmstadt trifft sich ein Mal im Monat der „Verband schwuler Führungskräfte“.

Das Coming-out des Fußballers Thomas Hitzlsperger hat eine Debatte um die Gleichstellung Homosexueller ausgelöst. Der „Verband schwuler Führungskräfte“ beschäftigt sich in Darmstadt schon länger mit Diskriminierung in der freien Wirtschaft.

Rainer Bauer hat 17 Jahre lang im Management eines deutschen Flugkonzerns gearbeitet, doch dann ging es nicht mehr. „Ich hab’ mich nicht geoutet, bis ich aufgeflogen bin“, erzählt er. „Und dann bin ich gemobbt worden.“ Schließlich kehrte er dieser Welt den Rücken und machte sich selbstständig.

Mobbing im Management

Bauer hat eine Praxis für Achtsamkeits- und Gesundheitscoaching und erzählt seine Geschichte im Restaurant „Sitte“, beim monatlichen Treffen des „Bundesverbands schwuler Führungskräfte“. Schon länger treffen sich dort regelmäßig ein paar Mitglieder des auch „Völklinger Kreis“ (VK) genannten Verbandes zum Austausch.

„Wir wollen uns austauschen über Problematiken, die man als schwule Führungskraft haben kann“, erklärt Ralf Jack-Hoang, Geschäftsführer eines Ingenieurbüros. Dabei gehe es gar nicht in erster Linie darum, das Schwulsein im Arbeitsleben zu thematisieren. „Wir wollen uns nur nicht mehr verstecken“, betont er. Das wichtigste Thema sei der Umgang mit dem eigenen Coming-out.

Wie schwer das sein kann, haben alle drei am Tisch sitzenden Männer erfahren. „Bei Arbeitsessen wird erwartet, dass die Partnerin mitkommt“, sagt Jack-Hoang. Er aber sei mit einem Mann verheiratet. Da überlege man schon, ob diese Information zu Kundenverlusten führt. Karrierehemmnisse bringe es sicher mit sich. Viele Schwule machten sich daher selbstständig.

„Die Kulturbranche ist da ein relativ geschützter Raum“, wirft Steffen Meder ein, Pressereferent beim Staatstheater. Aber in der freien Wirtschaft sei das durchaus anders. „Wir haben im Top-Management so gut wie keine geouteten Schwulen“, betont Jack-Hoang. Während sich in der Politik oder Promiwelt Schwule mittlerweile recht offen bekennen, gebe es als bekanntes Beispiel aus der Wirtschaft gerade mal Ulrich Köstlin vom Vorstand des Pharmakonzerns Schering.

Dass sich mit Thomas Hitzlsperger nun auch mal ein Fußballer zu seiner Homosexualität bekannt hat, findet die Runde grundsätzlich positiv. Aber die sich anschließende Debatte provoziert auch Skepsis. „Das zeigt doch, dass die Gesellschaft eben noch nicht so tolerant ist“, findet Meder.

Mit ihrem Engagement wollen die drei dazu beitragen, dass Homosexualität als selbstverständlich anerkannt wird. Und als schwule Führungsperson bringe man vielleicht mehr Sensibilität für Unterschiede und Minderheiten mit – auch im Hinblick auf die Förderung von Frauen oder die Integration von Migranten und Behinderten. „Weil man aus der Diskriminierung heraus spürt: Man muss es anders machen“, sagt Jack-Hoang. „Und wenn man Unterschiede zulässt, ist das eigentlich für die ganze Gesellschaft von Vorteil.“ (aw)

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