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Historische Straßenbahnen Oldtimer auf Schienen

Ab morgen werden im Depot Kranichstein historische Straßenbahnen ausgestellt. Das es solche Fahrzeuge überhaupt noch gibt, ist ein Wunder.

31.08.2012 22:51
Auch kleine Modelleisenbahnen können die Besucher bewundern. Foto: CLaus Völker

Ab morgen werden im Depot Kranichstein historische Straßenbahnen ausgestellt. Das es solche Fahrzeuge überhaupt noch gibt, ist ein Wunder.

Fünfzehn Jahre hat Volker Feick, Vorsitzender des Vereins Arbeitsgemeinschaft Historische Heag-Fahrzeuge, auf ein Domizil für seine Schätze warten müssen. Und nun ist es soweit: Morgen wird inmitten der Endschleife der Linien 4 und 5 das Depot Kranichstein eröffnet, eine Halle mit fünf je 50 Meter langen Gleisen für die Oldtimerstraßenbahnen der Heag.

Dass es solche Fahrzeuge überhaupt noch gibt, ist ein Wunder. Die Heag wollte stets ein moderner Betrieb sein. Wurde ein Wagen ausrangiert, pflegte Karl-Heinz Bohne, der langjährige Direktor, zu rufen: „Schafft mir den alten Krempel vom Hof!“ Und schon ging’s zur Schrottpresse.

Und so überlebte nur wenig von dem einst so vielfältigen Fuhrpark der Heag. Wagen wanderten auf Spielplätze, dienten der Feuerwehr für Notfallübungen, gelangten in andere Städte wie Worms, Hannover, Remscheid. Gut bekam ihnen das in der Regel nicht. In Darmstadt selbst wurde zu jenen Zeiten ein Oldtimerzug mit Pril-Blümchen neckisch verziert und fuhr samstags als „Kinder-Straßenbahn“, um den Eltern ein geruhsames Einkaufen zu ermöglichen.

Vor der Schrottpresse bewahrt

Die Wende kam erst 1997, zum 100-jährigen Jubiläum der Darmstädter Elektrischen. Damals wurde der „Feurige Elias“ geboren – auch wenn der mit Dampf fuhr. Er weckte das Interesse der Darmstädter für die Geschichte des Nahverkehrs.

Ein Jahr später trug sich die Arbeitsgemeinschaft Historische Heag-Fahrzeuge ins Vereinsregister ein. Rund 20 Heag-Mitarbeiter gehören zum engeren Kreis der Truppe, arbeiten nach Feierabend und am Wochenende an Triebwagen und Anhängern. So verwandelte sich Schrott langsam in Schmuckstücke zurück.

Untergebracht waren diese Fahrzeuge bislang vor allem im Betriebshof Frankenstein an der Bergsträßer Tramstrecke. Doch dort wurde es langsam eng, und so entstand die Idee, ein Straßenbahnmuseum zu schaffen. Dass dies in Kranichstein sein sollte, war schnell klar – schließlich ist dort ja schon das Eisenbahnmuseum zuhause.

Die Halle für das Museum – das aus baurechtlichen Gründen nicht so genannt werden darf – öffnet sich zur Straße mit einer hohen Fensterfront. Fünf fahrfähige Oldtimer und eine Reihe von Fahrzeugen, die in unterschiedlichem Zustand auf die Reparatur warten, hat Feick ihrem Alter nach geordnet aufgestellt. In Vitrinen stehen Modelle, Schautafeln erläutern die Geschichte der Straßenbahn. Zu sehen sind auch Wagen, die wie eine Ruine ausschauen. So erfährt das Publikum, wie viel Mühe es kostet, Oldtimer so glänzen zu lassen wie am ersten Tag ihres Einsatzes. (ers.)

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