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Hindenburgstraße 200 gegen Hindenburg

Das Darmstädter Bündnis gegen Rechts fordert eine Umbenennung der Hindenburgstraße. Mit einer Demonstration verleiht es seiner Forderung Nachdruck. Der Vorschlag des Bündnisses ist, die Straße nach einem Opfer der NSU-Terrorzelle zu benennen.

31.01.2013 21:53
Für eine Umbenennung der Hindenburgstraße gingen gestern trotz des schlechten Wetters 200 Menschen auf die Straße. Foto: Roman Grösser

Gestern, am 80. Jahrestag der Machtübergabe an die Nationalsozialisten, haben in Darmstadt rund 200 Demonstranten mit einem Protestzug und einer Kundgebung ihre Forderung nach einer Umbenennung der Hindenburgstraße unterstützt.

„Wir halten es für ein falsches Signal, dass es in unserem Darmstadt eine Straße gibt, die eine Person würdigt, die vor 80 Jahren die Macht an Adolf Hitler übertrug – und dies nicht als seniler Greis, sondern im vollen Bewusstsein, wem er da die Macht übergibt.“ Das sagte Monika Kanzler-Sackreuther von der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes. Der VVN ist einer der Mitstreiter im Darmstädter Bündnis gegen Rechts, in dem unter anderem Anti-Nazi-Initiativen, der DGB, der Ausländerbeirat, Migrantenvereine sowie Partei- und Hochschulgruppen zusammenarbeiten.

Gestern – erst auf dem Luisenplatz, dann vor dem DGB-Haus, schließlich in der Riedeselstraße – stritten sie gemeinsam für das Ziel einer Umbenennung der Hindenburgstraße. Die gibt es seit 1915 in Darmstadt, nach dem Sieg in der Schlacht von Tannenberg an der Ostfront in den ersten Wochen des Ersten Weltkriegs. Der Sieg wurde, bald zum Mythos gesteigert, dem Weltkriegsgeneral Paul von Hindenburg zugeschrieben.

Umbenennung scheiterte 2007

Sascha Schmidt, DGB-Jugendsekretär, skizzierte den Generalfeldmarschall und späteren Reichspräsidenten (1925-1934) als „Steigbügelhalter der Nazis“, mit verantwortlich für „eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte“. Die Nationalsozialisten hätten gerade die Hilfe der alten, adligen, nichtdemokratischen Eliten in der Weimarer Republik gebraucht, um überhaupt die Macht erlangen zu können.

Hindenburg repräsentiere „das Gegenteil aller demokratischen Werte“ und habe stets nur für „Kaiser, Gott und Armee“ gelebt. Auch wenn frühere Versuche, die Hindenburgstraße umzubenennen, gescheitert seien, wolle man nun einen weiteren Versuch wagen. Die Kampagne zur Umbenennung sei eine „Aktion gegen menschenverachtenden Rassismus, gegen völkischen Nationalismus und für Solidarität und ein friedliches Zusammenleben“.

Vor dem DGB-Haus ergriff Dogan Yilmaz vom Migrantenverein Volkshaus Darmstadt das Wort: Das Bündnis fordere die Stadtverordnetenversammlung auf, die Straßenbenennung zu ändern. Man schlage ganz konkret eine Halit-Yozgat-Straße vor.

Halit Yozgat war 21 Jahre alt, als er 2006 in einem Internetcafé in der Kasseler Innenstadt durch gezielte Schüsse ermordet wurde. Yozgat war das neunte Opfer der Terrorzelle des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Punkt 17.50 Uhr wurden dann die vorbereiteten Aufkleber gezückt und das Straßenschild vorm DGB-Haus trug sodann den Namen Halit-Yozgat-Straße.

Den Schlussakkord setzte das Bündnis gegen Rechts vor dem einstigen Gestapo-Gefängnis in der Riedeselstraße 64, heute die Adresse eines Studentenwohnheims. Die Erinnerungstafel für diesen Ort des Schreckens könne man nur äußerst schwer ausfindig machen, bemerkte Hanne Skroblies von der Darmstädter Geschichtswerkstatt. Das Gefängnis in der Riedeselstraße sei bereits kurz nach Hitlers Einzug in die Reichskanzlei als „eine der Darmstädter Folterstätten“ berüchtigt gewesen.

Eine der Initiativen zur Umbenennung der Hindenburgstraße war Anfang 2007 gescheitert. Der Magistrat war damals für die Umbenennung, überließ die Entscheidung aber in einem umstrittenen politischen Vorgang den Anliegern – 22 Firmen und 144 Anwohnern. 98 Prozent der Befragten votierten damals für den Erhalt des Straßennamens. (phg.)

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