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Helmholtzzentrum Darmstadt Darmstadt baut Teilchen-Beschleuniger

Elektrisch geladene Teilchen sollen mit fast 300.000 Kilometern pro Stunde auf Hindernisse prallen. Dabei entstehen extreme Temperaturen und hoher Druck - Bedingungen, die sonst nur im All existieren.

Rechenzentrum Green IT Cube
Das Rechenzentrum Green IT Cube im Helmholtzzentrum in Darmstadt soll künftig die Daten aus den Experimenten mit dem Teilchenbeschleuniger auswerten. Foto: GSI Helmholtzzentrum

Das Universum schaut nach Darmstadt. Dort entsteht zwischen Kornfeldern und Wald am Rande des Stadtteils Wixhausen eine weltweit einzigartige Teilchenbeschleunigungsanlage. Am Dienstag ist das Projekt in eine neue Phase gegangen. „It’s a great day“, sagte Paolo Giubellino, Wissenschaftlicher Geschäftsführer von GSI und FAIR, vor 500 Gästen aus dem In- und Ausland, „we will bring the universe into this laboratory“ (wir bringen das Universum in dieses Labor).

In einer feierlichen Zeremonie wurden auf dem Baufeld nordöstlich des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung die ersten Spatenstiche für den unterirdischen Ringbeschleuniger vollzogen. Der Tunnel mit einem Umfang von 1100 Metern ist Herzstück der neuen internationalen Beschleunigeranlage FAIR. Das Bauvorhaben ist mit einem Investitionsvolumen von über einer Milliarde Euro eines der größten für die Forschung weltweit. Gesellschafter der FAIR GmbH sind neben Hessen und dem Bund auch Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden und Slowenien. Großbritannien ist assoziierter Partner.

Die Anlage sei ein großer Zugewinn für das Land und für die Wissenschaftsstadt, sagte Ministerialdirigent Eric Seng vom      Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst: „FAIR wird die Forschungslandschaft nicht nur in Darmstadt und Hessen, sondern weltweit verändern.“ Die Anlage soll neue Erkenntnisse über den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums vom Urknall bis heute bringen. In dem Tunnel können Zustände erzeugt werden, die sonst nur etwa bei Sternenexplosionen oder im Innern von Planeten auftreten.

„Durch FAIR wird Darmstadt noch bedeutender werden“, sagt auch Kernphysiker und Ex-Forschungsdirektor Karlheinz Langanke am Rande der Veranstaltung. Auf dem Gebiet der Teilchen- und Kernphysik sei Darmstadt bereits das „größte Zentrum Europas“ und werde durch die neue Anlage ein „noch größerer Attraktor für Wissenschaftler“. Der Tunnel sei dabei nur ein Hilfsmittel. Die Forschung finde in den Experimentallabors statt, die ebenfalls noch gebaut werden. Dass eine derart bedeutende Anlage ausgerechnet in Darmstadt errichtet werde, begründe sich in fast 40 Jahren erfolgreicher GSI-Forschungsarbeit, erklärte Langanke.

Georg Schütte, Vorsitzender der FAIR-Gesellschafterversammlung und Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, bezeichnete FAIR als „hochkomplexes Großforschungsprojekt an der Grenze des wissenschaftlich und technisch Machbaren“.

Zahlreiche Vorarbeiten für das Bauprojekt sind in den vergangenen Wochen und Monaten erfolgt, beispielsweise Arbeiten zum Anschluss der bestehenden Beschleunigereinrichtungen des GSI Helmholtzzentrums an die neue FAIR-Anlage. Nach der Errichtung der neuen Gebäude soll der Einbau der Beschleuniger- und Experimentieranlagen erfolgen. Derzeit befinden sich laut Jörg Blaurock, Technischer Geschäftsführer von GSI und FAIR, „bereits sämtliche Komponenten weltweit im Fertigungsprozess, so dass sie dann hier zusammengesetzt werden können“. Ein Großteil der Anlage soll 2022 in Betrieb gehen, der Vollbetrieb ist für 2025 angepeilt.

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