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Fundamentalismus Hass, getarnt als Religion

Christliche Fundamentalisten hetzen auf Kreuz.net gegen Schwule und Andersdenkende. Ein südhessischer Pfarrer soll beteiligt sein.

15.11.2012 14:42
Pfarrer Hendrick Jolie. Foto: privat

Die Webadresse Kreuz.net sorgt mit ihren Hasstiraden gegen Schwule und Andersdenkende für Empörung. Unter dem Vorwand, katholische Nachrichten zu veröffentlichen, hetzen radikal Gesinnte gegen Schwule, Anhänger des jüdischen Glaubens und Kirchenreformer. Es ist eine Plattform für christliche Fundamentalisten.

Dem Magazin Spiegel zufolge sollen mindestens zwei Dutzend deutschsprachige kirchliche Autoren mit dem Portal in Kontakt gestanden haben – darunter der Mühltaler Pfarrer Hendrick Jolie. Die Deutsche Bischofskonferenz distanziert sich von Kreuz.net und betont, dass „der Begriff des Katholischen“ von dieser Seite grob missbraucht werde.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat das Internetportal schon seit Längerem im Blick. Wer aber für die seit 2004 aktive Webseite verantwortlich ist, liegt bisher im Dunkeln. Kreuz.net wegen seiner zum Teil jugendgefährdenden und menschenverachtenden Beiträge aus dem Internet zu verbannen, sei aber schwierig, da sich der Server im Ausland befinde. Die Inhaber des Berliner Buchverlags Bruno Gmünder für schwule Themen wollten das nicht weiter hinnehmen und gingen in die Offensive: Sie riefen die Kampagne „Stoppt Kreuz.net“ ins Leben, und schrieben provokativ ein Kopfgeld in Höhe von mindestens 15.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Hintermänner führen. Mit Erfolg: Über 600 Hinweise gingen aus der Bevölkerung ein, von denen immerhin rund zehn Prozent verwertbar sind, sagt der Theologe David Berger, der die Kampagne leitet.

Kein Hassprediger

Die Ergebnisse der privat angestoßenen Ermittlungen wurden Anfang November an die Berliner Staatsanwaltschaft und an den Verfassungsschutz übergeben. Am Dienstag bekräftigte Jolie auf Nachfrage noch, kein ausgewiesener Autor des Internetportals zu sein.Vermutlich dem wachsenden öffentlichen Druck geschuldet, räumte er am Mittwochnachmittag in einer Rund-E-Mail aber doch ein, sich an der Internetseite beteiligt zu haben. „Ich bedauere es natürlich zutiefst, dass durch meinen leichtfertigen Umgang mit dem anonymen Portal Kreuz.net der Eindruck entstehen konnte, ich selbst stünde rassistischem, anti-jüdischem oder homophobem Gedankengut nahe. Das ist aber nicht der Fall. Ich distanziere mich – für einen Pfarrer selbstverständlich – von allen diskriminierenden und die Menschenwürde missachtenden Äußerungen des besagten Portals.“

Dass Jolie kein antijüdisches oder homophobes Denken vertritt, erscheint insofern glaubwürdig, da Jolie in seiner Mühltaler Gemeinde St. Michael zwar als linientreuer Geistlicher gilt, aber keinesfalls als Hassprediger.

Auch sein protestantischer Kollege in Mühltal, Pfarrer Christoph Mohr, spricht Jolie Respekt für seine Arbeit aus. Er sei zwar ein Mensch, der auf die Position der katholischen Kirche bestehe, aber durchaus dialogbereit. „Er zeigt sich grundsätzlich offen, die Ökumene – also das Miteinander christlicher Konfessionen – ein Stück weit zu leben.“

Dass Jolie Kreuz.net für seine Zwecke anonym genutzt habe, ist für David Berger juristisch gesehen wenig relevant: „Vielmehr ist es eine Frage der moralischen Verantwortung.“ (ers.)

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