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EU-Milliarden Deutsches Geld fließt zurück

Europa unterstützt regionale Projekte - auch in Darmstadt-Dieburg. Die ländliche Osthälfte des Landkreises zählt zu den Regionen mit Förderbedarf.

19.01.2013 21:53
Auch diese Schautafeln für das Projekt (Um)-Stadt und Wein sind von der EU gefördert. Foto: Regionalmanagement

Deutschland ist größter Einzahler in die europäische Kasse. Ein kleiner Teil der EU-Milliarden fließt zurück bis nach Darmstadt-Dieburg. Der Versuch, alle EU-Förderungen im Landkreis darzustellen, würde jedoch scheitern. So blicken wir nicht auf eigens geschaffene Arbeitsplätze aus EU-Geldern, um beispielsweise Mitarbeiter von Firmen weiterzuqualifizieren. Wir beleuchten auch nicht das EU-geförderte Projekt „Integration durch Austausch“ für benachteiligte Jugendliche und Behinderte, ein internationaler Austausch mit Griechenland, Österreich, Italien und Dänemark. Wir hinterfragen nicht, ob das „Leistungsnetzwerk für Alleinerziehende“ seinen Namen verdient, sondern blicken auf einige Projekte im „Regionalmanagement Ländlicher Raum“.

1,6 Millionen Euro von EU und Land Hessen stehen dort jährlich von 2007 bis 2013 für Vorhaben zur Verfügung, „mit dem Ziel, die Lebensqualität in der Region nachhaltig zu stärken und zukunftssicher auszubauen“. So heißt es in bunten Broschüren mit dem blauen Wappen und goldenen EU-Sternen, die es unter anderem in der Beratungsstelle des TIZ (Technologie- und Innovationszentrum) am Landratsamt in Dieburg kostenlos gibt.

Regionen nachhaltig stärken

Dort beraten Hannes Werner-Busse, Martina Rosanski und Dorte Meyer-Marquart im Auftrag des Kreises – bezahlt aus EU-Geldern – mögliche Antragsteller für die EU-Hilfen. Für aktuell zwei Dutzend Projekte ist dort die Förderung beantragt oder bereits genehmigt. Da gibt’s Geld für Infotafeln zu einem Wassererlebnisband an Bächen, für einen Mehrgenerationenspielplatz in Dieburg. Beantragt sind auch exotisch klingende Vorhaben, wie die tiergestützte Therapie mit Lamas im Behindertenzentrum Roßdorf oder ein Bibelgarten in Ober-Ramstadt.

Eine Kommission, besetzt aus Politikern und ausgewählten Bürgern, entscheidet über die Förderwürdigkeit. „Da gehen natürlich die Meinungen oft auseinander“, schildert Beraterin Martina Rosanski. „Ich bin mit Leib und Seele Regionalentwickler“, sagt Hannes Werner-Busse. „In Zeiten der Globalisierung gibt es eine Rückbesinnung auf die Region. Die gilt es zu unterstützen, den ländlichen Raum zu stärken. Die Sinnhaftigkeit mancher Förderungen ist jedoch sicher zum Teil zu diskutieren“, sagt Werner-Busse. So gibt es auch EU-Steuergelder, um eine physiotherapeutische Praxis mit Osteopathie in Mühltal (Frankenhausen) zu gründen. 30.000 Euro. Die Summe ist erst auf hartnäckige Nachfrage zu erfahren.

Wird durch eine Physiotherapiepraxis die Region nachhaltig gestärkt? „Ja“, bekräftigt Martina Rosanski, zumal wenn sich jemand dadurch selbstständig mache oder einen Arbeitsplatz schaffe, beispielsweise für eine Sekretärin. Die Liste derer, die solche EU-Geschenke in unterentwickelten ländlichen Räumen erhalten könnten, sei lang. Unterentwickelt? „Ja. Die ländliche Osthälfte des Landkreises zählt zu den Regionen mit Förderbedarf, auch wenn es in der EU viele Landstriche gibt, die Hilfe nötiger hätten“, so Hannes Werner-Busse.

Alle rund zwei Dutzend Regionen in Hessen, die sich vor 2007 um die Aufnahme für das EU-Förderprogramm „Leader“ bewarben, sind anerkannt. Werner-Busse vermutet: „Aus Deutschland und Hessen fließt so viel Geld zur EU, dass man sich dort wohl dachte, es sei ganz gut, hier und da wieder etwas zurückfließen zu lassen.“ (piz.)

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