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Entwicklungshilfe Vom Tourist zum Wohltäter

Der Eberstädter Harald Behr verbessert die Trinkwassersituation in Indien. Vor allem in der Bergregion Ladakh macht sich der Klimawandel bemerkbar. Der Wasseringenieur sorgt dafür, dass dort neue Brunnenhäuser entstehen. Doch er braucht dafür Geld.

13.12.2012 12:25
Die Bergregion Ladakh hat es dem Wasserbauingenieur besonders angetan. Doch macht sich der Klimawandel dort bemerkbar. Foto: Privat

Auf Harald Behrs Balkon flattern bunte tibetische Gebetsfahnen, beschriftet mit guten Wünschen, die der Wind in alle Himmelsrichtungen trägt. Viele Fotos und exotische Mitbringsel deuten auf die Liebe des Wasserbauingenieurs zu der indischen Bergregion Ladakh hin, die er 1990 während einer Trekking-Tour kennenlernte. „Wenn ich mir die Bilder angucke, könnte ich schon wieder hin“, schwärmt der 67-Jährige. Aber er muss sich noch bis April gedulden.

Der Tourist aus Eberstadt war seinerzeit zwar überwältigt von der Landschaft, den mehr als 7000 Meter hohen Bergen und den friedlichen, buddhistisch geprägten Bewohnern der Region – aber entsetzt vom Zustand der Trinkwasserversorgung. Behr, der früher beim Darmstädter Gesundheitsamt für die Trinkwasserüberwachung zuständig war, entdeckte erschreckende Hygienemängel. Die Brunnenanlagen waren vor Verunreinigungen nicht geschützt, und die Plumpsklos standen unmittelbar neben ihnen. Eine unheilige Allianz, denn dadurch konnten Fäkalkeime in den Trinkwasserkreislauf gelangen.

Seit 1990 hat Behr noch zwei weitere Reisen in das Himalayagebiet unternommen und bei jedem Besuch für kleine Verbesserungen gesorgt. Mit dem Spendengeld, das er bei Lichtbilder-Vorträgen über die Bergregion und ihre Bevölkerung eingenommen hatte, konnten neun Brunnenhäuser errichtet und Toilettenanlagen versetzt werden.

Besonders engagiert sich Behr für einen Schul-Campus, der zu einem buddhistischen Meditationszentrum gehört. Weil es „viel Nichts in der Gegend“ gibt, kommen Ruhebedürftige aus aller Welt zur 14-tägigen Kurzentspannung ins Kloster, das in 3600 Metern Höhe liegt. Der Unterricht der Kinder wird über internationale Patenschaften finanziert.

Bei seinem jüngsten Besuch stellte Behr fest, dass sich der Klimawandel in Ladakh, einem ohnehin sehr trockenen Gebiet, empfindlich bemerkbar macht. Schnee ist die Trinkwasserquelle für die Ladakhis, allerdings hat die Niederschlagsmenge deutlich nachgelassen. Der Schmelzwasserfluss ist ein Rinnsaal. Und der Wassermangel wird sich noch weiter verschärfen.

Behr hat Kontakt mit der Regionalgruppe Darmstadt des Vereins „Ingenieure ohne Grenzen“, einer gemeinnützigen Hilfsorganisation, aufgenommen. Im April will der Eberstädter mit Jakob Rauch, einem Umweltwissenschafts-Studenten, nach Ladakh fliegen, um Daten über die Niederschlagssituation zu sammeln.

Für die Reise werden jetzt schon Spenden gesammelt. Unter anderem wollen die Darmstädter herausfinden, wie viel Wasser pro Tag über die Brunnen gefördert wird, wie hoch der Verbrauch ist und an welchen Stellen Wasser gespart werden kann. Behr hat zum Beispiel gesehen, dass auf Aufforstungsflächen in der Hochwüste zu viel Gießwasser vergeudet wurde.

Der Eberstädter nennt sein Engagement für die Bergbewohner ein „langfristiges, qualifiziertes Hobby“. Es macht ihm einfach Spaß, anderen mit seinem Wissen zu helfen und mit den zielstrebigen, weltoffenen Jung-Ingenieuren des Vereins zusammenzuarbeiten. (pyp.)

Wer die Reise nach Ladakh finanziell unterstützen möchte, kann sich unter 06151/55720 an Harald Behr wenden.

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