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Elektroschrott Schwarzmarkt für Weiße Ware

Der illegale Handel mit Elektroschrott blüht. Das bekommt die Entsorgungsfirma des Landkreises Darmstadt-Dieburg schmerzlich zu spüren. Jetzt wollen Zweckverband Abfall- und Wertstoffeinsammlung und Arbeitsinitiative für Zerlegung und umweltgerechtes Recycling den Schrottlern einen Riegel vorschieben.

05.05.2011 11:38
Azur-Mitarbeiter holen die alten Großgeräte ab – wenn Schrottler nicht schneller waren. Foto: Karl-Heinz Bärtl

Die Arbeitsinitiative für Zerlegung und umweltgerechtes Recycling (Azur) in Mühltal hat ein Problem: Der Entsorgungsfachbetrieb des Landkreises, dessen primäre Aufgabe die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen ist, sieht sich inzwischen am Ende einer Entsorgungs- und Verwertungskette, die durch den sich ausweitenden illegalen Handel mit Elektroschrott mit globalen Ausmaßen zunehmend geschädigt wird.

Auf zehn Prozent seit 2010 schätzt der technische Geschäftsführer bei Azur, Detlef Nottebrock, den Rückgang beim Elektroschrott wie Fernsehern, Computern, der Weißen Ware generell und „allem, was einen Stecker hat“. Nach dem Gesetz hat diesen Müll im Landkreis allein der Zweckverband Abfall- und Wertstoffeinsammlung (ZAW) über die Azur zu entsorgen oder einer Wiederverwertung zuzuführen.

Um die 3000 Tonnen Elektroschrott wurden bisher im Jahr eingesammelt, rund 60 Tonnen davon ließen sich reparieren. Das entspricht etwa 1300 Elektrogroßgeräten, die nach einer Instandsetzung wieder beim Verbraucher landen können. Der Einbruch bei der Elektroschrott-Sammlung wirkt sich bei Azur also auch auf das Geschäft mit Gebrauchtgeräten aus. Das zeigt sich auch in den Verkaufsräumen: Das Angebot an aufgearbeiteten Spülmaschinen, Trocknern, Herden und Espressomaschinen hat sich gelichtet. Dringend benötigte Austauschteile für Reparaturen werden ebenfalls weniger.„Der schwarze Markt ist sehr aktiv“, so die nüchterne Analyse von Detlef Schwärzel vom Regierungspräsidium in Darmstadt. Kein Wunder angesichts explodierender Wertstoffpreise auf dem Weltmarkt. Für eine Tonne Kupfer etwa, das in vielen Elektrogeräten steckt, gibt es derzeit bis zu 5000 Euro. Der Erlös aus den Materialresten hochwertiger Platinen liegt bei 6000 Euro die Tonne.

Ein lohnendes Geschäft. Die Entwicklung treibt den Schwarzmarkt an. Und der ist international organisiert. Immer häufiger finden Bürger Handzettel in ihren Briefkästen: Sie werden dazu angehalten, ihren Elektroschrott für eine kostenlose Abholung vors Haus zu stellen. Oft werden Kleinlaster gesichtet, die mit ausgedienter Weißer Ware auf Sammeltour sind.

Bei Azur hat man die leidvolle Erfahrung gemacht, dass Schrottler sich am Telefon als Kunden ausgeben und sich den Abfuhrtermin für einen bestimmten Ort sagen lassen – um dann Azur die Altgeräte vor der Nase wegzuschnappen, berichtet Jürgen Kreis, kaufmännischer Geschäftsführer des ZAW. Juristisch betrachtet handelt es sich dabei um Diebstahl. „In dem Moment, in dem das Altgerät auf der Straße steht, ist es Eigentum des ZAW“, so Kreis. Das Problem Elektro-Klau brenne der Gesellschaft auf den Nägeln. Denn er führe dazu, „dass Azur die Grundlage entzogen wird“.

Endstation für die Geräte ist Afrika: Elektroschrott wird laut Detlef Schwärzel bis nach Ägypten, Ghana, Kamerun und in den Senegal verfrachtet. Am Hafen von Ghanas Hauptstadt Accra etwa kommen jeden Monat hunderte von Containern voller Elektroschrott an. Dort zerlegen junge Menschen den Abfall unter gesundheitsschädlichen Umständen in Handarbeit und lösen etwa auf Feuern in Schmelzpfannen die teils toxischen für sie wertvollen Materialien.

Mit all dem soll es zumindest im Landkreis ein Ende haben. ZAW und Azur haben vereinbart, das Abfuhrverfahren umzustellen. Wer einen Abholtermin vereinbart, muss nicht nur Namen und Adresse mitteilen, sondern auch Art und Marke des Geräts angeben. Die Daten werden dann an die Azur weitergegeben. Den vereinbarten Abholtermin kennen nur Entsorger und Kunde. Und bei Bedarf kommen die Abholer sogar bis ins Haus. (kath)

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