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Darmstadt Wohnungsnot Studenten Luftmatratze als Notbett

Viele Studierende in Darmstadt haben Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden. Die Zimmersuche dauert oft Wochen. Freunde und Verwandte helfen.

02.11.2012 11:14
Sarah hat nach langer Suche endlich eine Bleibe: Mit einer Kommilitonin gründet sie eine WG im Rhönring. Nicht jeder hat so viel Glück. Foto: Roman Grösser

Für viele Erstsemester-Studenten bedeutet der Studienbeginn auch die Suche nach einem Zimmer. Das ist in Darmstadt nach wie vor schwierig.

Auch für Claudia, 24 Jahre alt. Sie studiert seit September an der HDA Innenarchitektur. „Seit dreieinhalb Wochen schlafe ich bei einer Freundin auf der Luftmatratze.“ Im August kam die Zusage für die HDA. Mit der Zimmersuche hatte sie schon vier Wochen früher angefangen. „Ich hatte gehört, wie schwer es in Darmstadt ist.“

Davon können auch die TU-Studenten Daniel Hunkel und Ivan Martinez berichten. Hunkel ist einer von drei studentischen Vertretern im Verwaltungsrat des Studentenwerks, Martinez Referent des Allgemeinen Studierendenausschusses für Internationale Studierende.

Dass das Studentenwerk für das Wintersemester meldet, die 17 Notbetten seien nicht belegt, sehen die beiden kritisch. „Die Notbetten sind nicht belegt, weil es nicht bekannt ist,“ so Martinez. Viel zu unauffällig sei der Hinweis im Internet platziert.

Vorstellungsgespräch in der WG

Auch der Stadt werfen Hunkel und Martinez mangelndes Engagement vor, als Beispiel nennen sie die Verhandlungen um die Nutzung der leerstehenden Lincoln-Kasernen als Wohnraum. Der 26 Jahre alte Elektrotechnik-Student Martinez koordiniert zudem das Projekt „Tutor International“. Für internationale Studierende sei die Wohnungssuche besonders problematisch, sagt Martinez. „Asiaten sind bei WG-Besichtigungen oft so zurückhaltend, dass sie übersehen werden.“

Einer von ihnen ist Sri Nallan, 25 Jahre alt, aus Indien. Seit Anfang September ist der Master-Student der Elektrotechnik in Darmstadt. Er sei bei einem Bekannten untergekommen, mit dem er sich ein kleines Appartement am Willy-Brandt-Platz teilt. Ab Dezember habe ihm das Studentenwerk aber einen Platz im Wohnheim in der Berliner Allee zugesichert.

Bei der Zimmersuche greifen die meisten zunächst auf Internetportale zurück. Dort finden sich Zimmer in Wohngemeinschaften, Appartements und Wohnungen. Doch wegen der angespannten Lage in Darmstadt komme es bei WG-Besichtigungen zu Massenabfertigungen, sagt Claudia. „Man wird durch die Wohnung gescheucht, interviewt, und nach zehn Minuten kommt der nächste.“

Deshalb habe sie sich kurzerhand mit Kommilitonin Sarah zusammengetan. „Wir haben bestimmt 100 Telefonate geführt und 40 Wohnungen angeschaut“, erzählt die 24 Jahre alte Sarah aus Lüdenscheid. Sie sei zunächst bei Onkel und Tante untergekommen. Doch dann waren sie im Rhönring erfolgreich. Und nun haben Claudia und Sarah endlich ihre Mädchen-WG bezogen. (ers.)

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