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Darmstadt Wo Worte fehlen, helfen Farben

Beim begleiteten Malen finden Kinder zu mehr Eigenständigkeit und Selbstvertrauen und kommunizieren miteinander – nicht nur auf der verbalen, auch auf der nonverbalen Ebene.

02.06.2016 19:53

Vor der begleitenden Malstunde wuseln im „Farbraum“ 13 Kinder durcheinander. Sie alle brauchen einen Kittel in der richtigen Größe und ein weißes Blatt Papier. Dieses hängt Alfred Niedecken, Kunsttherapeut und Sozialpädagoge vom Institut für humanistische Kunsttherapie Darmstadt (IHKD), für jeden in passender Höhe an die holzverkleidete Malwand. Dann endlich kann es losgehen. „Die Kinder malen jetzt ihre inneren Bilder ohne Einwirkung von außen, denn der ,Farbraum‘ ist ein geschützter Ort“, erklärt der Therapeut.

Damit die kleinen Künstler ihren Bewegungsdrang ausleben können, stehen die Farben in der Mitte. Im sogenannten Farbpiano finden sich 25 Töne von Gold über Silber bis hin zu Rot und Lila. Ihre Kreativität können die Kinder auf 50 mal 70 Zentimetern ausleben. Eigentlich aber gibt es gar keine Begrenzung, denn die Bilder können in Höhe und Breite beliebig wachsen: Ist das Papier zu Ende, geht es auf der Holzwand weiter.

Zahlreiche bunte Farbspuren zeigen, dass diese künstlerische Freiheit gerne genutzt wird. Auch sonst können die Teilnehmer ohne Scheu ihrer Kreativität freien Lauf lassen, denn die Bilder werden im Anschluss weder interpretiert noch bewertet.

„Der Hintergrund des begleiteten Malens für Kinder liegt darin, dass sie während des Malprozesses zu mehr Eigenständigkeit und Selbstvertrauen finden und miteinander kommunizieren – nicht nur auf der verbalen, auch auf der nonverbalen Ebene“, erklärt Alfred Niedecken. „Im Farbraum lernen sie außerdem, sich an die dort herrschenden Regeln zu halten.“

Bewältigung dramatischer Erlebnisse

Auch etwas Heilsames lasse sich dabei erleben: „Kinder aus geflüchteten Familien beispielsweise können durch das Malen in die Bewältigung dramatischer Erlebnisse gelangen“, sagt Niedecken. Wo Worte fehlen, helfen also Pinsel und Farbe. Generell seien die Teilnehmer international und aus verschiedenen Teilen des Stadtgebietes. „Wir wollen gemischte Gruppen, die aus Kindern geflüchteter Familien, Kindern mit Migrationshintergrund und Kindern mit deutschen Wurzeln bestehen“, betont Niedecken.

Zur Zeit malen in der Eberstädter Stresemannallee einmal pro Woche drei Kindergruppen verschiedener Altersklassen hintereinander. Bald soll ein zusätzlicher Tag in der Woche für zwei weitere Gruppen eingeführt werden. Momentan ist das Ganze noch ein offenes Angebot. Da die Nachfrage aber immer mehr zunimmt, soll das Programm erweitert werden. Feste Gruppen mit Anmeldung sind angedacht.

Außerdem plant das IHKD in Zusammenarbeit mit der Erasmus-Kittler-Schule unter der Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Darmstadt-Eberstadt-Süd einen sogenannten Rollenden Farbraum. Das Konzept der Sozialarbeiterin Michaela Niedecken sieht vor, einen Wohnwagen umzubauen, um ihn als mobiles Mal-Atelier nutzen zu können. „Die Idee ist, damit zu Kindertagesstätten, Schulen und auch Erstunterkünften zu fahren“, erklärt Pfarrerin Mechthild Gunkel. Gefördert werde das Projekt durch die Rest-Cent-Aktion der Firma Merck.

Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet auf www.ihkd.de. (eda)

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