Lade Inhalte...

Darmstadt Weitere Mini-Holzhäuser in Darmstadt geplant

Der Kölner Verein „Little Homes“ kann sich vor Anfragen kaum retten. Gespräche mit Stadt sind geplant - die ist bisher skeptisch.

Little Homes
In den Hütten ist Platz für Matratze, Regale, Campingtoilette, Feuerlöscher und Waschbecken. Foto: privat

Vierzehntausend Menschen stehen bundesweit auf der Warteliste für ein „Little Home“. Die Interessenten: Obdachlose oder Menschen in prekären Wohnverhältnissen. „Das Spektrum reicht bis zur Rentnerin, die sich ihre Wohnung nicht mehr leisten kann“, sagt Sven Lüdecke, der vor zwei Jahren den Verein „Little Home“ in Köln gründete. Inzwischen werde er mit Anfragen von überallher überhäuft.

„Little Homes“ sind 3,2 Quadratmeter große Holzhäuschen, die auf Europaletten montiert und mobil sind. Bundesweit gibt es mittlerweile 63 solcher Unterkünfte und seit gut zehn Tagen auch eine in Darmstadt. Diese wurde auf dem Luisenplatz von 20 freiwilligen Helfern gebaut und ist inzwischen bewohnt. Der neue Besitzer heiße Tobias und sei ein Obdachloser mittleren Alters, verriet Lüdecke am Dienstag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Die Hütte stehe inzwischen auf einem Privatgelände in Pfungstadt.

Darmstadt ist nach Frankfurt die zweite hessische Stadt, in der solche Mini-Hütten stehen, bis Weihnachten will Lüdecke hier zwei weitere Häuschen errichten. Allerdings habe sich Darmstadt „nicht so aufgeschlossen gezeigt, wie wir vermutet hatten.“

Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) steht dem Projekt skeptisch gegenüber. Sie halte es für unerlässlich, dass die Wohnungslosen auch sozialpädagogisch begleitet werden, wie dies in den Darmstädter Einrichtungen der Fall sei, sagte sie am Dienstag. Allerdings seien Gespräche mit dem Verein anberaumt, um mehr über die Hintergründe zu erfahren und um organisatorische Fragen zu klären. Etwa, wohin wird das Chemieklo entleert werde.

Lüdecke sieht die Hütten nicht als Lösung der Obdachlosenproblematik, und er wolle die Städte auch nicht aus der Verantwortung nehmen, adäquaten Wohnraum zu schaffen, sagte er. Aber 22 der bisherigen Bewohner hätten durch die „Little Homes“ eine richtige Wohnung gefunden, 17 sogar eine Arbeit. Den Effekt erklärt er so: „Der Bewohner muss sich keinen Platz für die Nacht mehr suchen, kann ruhig schlafen und musss keine Angst haben zu erfrieren.“ Dies eröffne ihm die Frage: „Was kann ich jetzt tun?“ Oftmals wendeten sich die Bewohner dann an den Verein und bäten um Hilfestellung bei der Wohnungs- und Jobsuche. „Dann setze ich mich mit ihnen auch in ein Café, und wir schreiben Bewerbungen.“

Die Auswahl, wer die durch Spenden finanzierten Unterkünfte bekommt, richtet sich nach verschiedenen Kriterien. „Brauchen tun sie sie alle“, sagt Lüdecke. Eine Voraussetzung: Der Interessent darf kein Junkie sein, müsse beim Bau mitwirken, und Frauen würden bevorzugt.

Die Idee für seine „Little Homes“ hatte der als Fotograf tätige Lüdecke, er sah, wie ein Obdachloser von seinem Schlafplatz vertrieben wurde. Dass er jetzt in Darmstadt aktiv wurde, geht auf das Engagement des Rechtsanwalts Patrick Schrack zurück, der sich an ihn wandte, weil er einen Bericht über Lüdecke im Fernsehen gesehen hatte, wie Ehefrau Tanja der FR erzählte.

Derzeit verändert der Verein sein Konzept: Vier Werkstätten sollen bundesweit entstehen, in denen Obdachlose die Wohnboxen bauen. In keiner Stadt sollen mehr als 25 Häuschen aufgestellt werden, maximal fünf an einem Standort, betont Lüdecke..„Wir wollen keine Ghettoisierung.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen