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Darmstadt Wassermangel zerstört Darmstädter Westwald

Die Brunnen Pfungstadt und Eschollbrücken lassen den Grundwasserspiegel sinken. Nun klagt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gegen das Regierungspräsidium Darmstadt.

Westwald
Darmstadt, (für LOK), 23.05.2017 Foto: Michael Schick

Die Zerstörung durch Wassermangel im Darmstädter Westwald hat nach dem Hitzesommer dramatische Ausmaße angenommen. „Direkt hinter der Villenkolonie in Eberstadt zeigt sich ein Bild der Zerstörung“, sagt Arnulf Rosenstock von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Wo vor einem Jahr zumindest noch ein wenig Grün an den Bäumen zu sehen gewesen war, sei nun alles vertrocknet. Auch die Wälder bei Weiterstadt und Griesheim sowie das Pfungstädter Moor seien stark beeinträchtigt. Grund sei das Absinken des Grundwasserspiegels durch eine zu hohe Trinkwasserförderung an den Brunnen Pfungstadt und Eschollbrücken.

Gerade hat das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt den seit 1974 ersten Wasserrechtsbescheid für den Brunnen Pfungstadt erlassen. Laut diesem wird zwar die zulässige durchschnittliche Fördermenge um etwa eine Million Kubikmeter gesenkt. Trotzdem sorgt dieser Bescheid beim SDW für Entrüstung und die Schutzgemeinschaft zieht dagegen vor das Verwaltungsgericht Darmstadt, wie sie jetzt mitteilte.

Es ist nach Angaben der SDW auch der erste Wasserrechtsbescheid, seit das Hessische Umweltministerium Ende Juni das Leitbild zum Wasserressourcenmanagement Rhein-Main veröffentlichte. Die SDW zeigt sich verärgert darüber, dass die Behörde die Ziele und Vorgaben des vom Hessischen Umweltministerium veranlassten Leitbildes vollkommen ignoriere. „Der Bescheid des RP übergeht vollständig die Ergebnisse des Leitbildprozesses, an dem diverse Experten von den Wasserversorgern über ehrenamtliche Naturschützer bis hin zu Ministeriumsmitarbeitern gearbeitet haben“, erklärt Landesvorsitzender Bernhard Klug. Bei der Auftaktveranstaltung zum Leitbild hatte Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser (Grüne) im April gesagt: „Die Sicherstellung der Wasserversorgung des Ballungsraums Rhein-Main darf nicht dazu führen, dass es in den Fördergebieten des hessischen Rieds zu Schäden an Natur und Landschaft kommt.“ Doch genau das tut es, glaubt man der SDW.

Per Gesetzesdefinition gibt es keinen Eingriff

Dass in den vergangenen 14 Jahren offenbar zu viel Wasser in Pfungstadt entnommen wurde, zeige sich allein daran, dass die Fördermenge jetzt reduziert werde, so Rosenstock. Gemeinsam mit dem Brunnen Eschollbrücken und den Entnahmen für die Feldbewässerung im Ried würden mindestens 30 Millionen Kubikmeter entnommen. Die natürliche Neubildung des Grundwassers liege aber nur bei 15 Millionen Kubikmetern, rechnet der ehemalige Forstwirt vor. Und die Infiltration des Grundwassers – also die zusätzliche Einspeisung etwa von Wasser aus dem Rhein – finde an den falschen Orten statt, nämlich in der Nähe der Brunnen. „Davon hat aber der Westwald nichts“, sagt Rosenstock. Er moniert, dass das RP keinen Zusammenhang zwischen der Förderung bei Pfungstadt und Eschollbrücken und den Schäden im Westwald sehe. Auch finde das gesetzlich vorgeschriebene Monitoring dort nicht statt.

Wie das RP auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mitteilte, wird durch die genehmigte Grundwasserentnahme der Status quo der Grundwasserstände nicht verändert. Somit liege per Gesetzesdefinition kein Eingriff vor. Laut Rosenstock ist jedoch die Fördermenge kein ökologisches Kriterium, sondern allein die Frage, ob Schäden entstanden sind oder nicht. Hier müsse das RP hinschauen.

Fakt ist, dass der südliche Teil des 1500 Hektar großen Westwalds bei Darmstadt im Einzugsbereich der Gewinnungsanlagen von Eschollbrücken liegt. Und dass die Wasserentnahme der vergangenen 40 Jahre im Ried die Waldbestände insgesamt geschädigt hat, ist eine Tatsache, der sich bereits 2012 auf Initiative des hessischen Umweltministeriums ein runder Tisch widmete.

Eines seiner Ergebnisse war, dass die Infiltration des Grundwassers gesteigert werden soll. Hierzu müssen aber erst Anlagen gebaut werden. Deshalb darf laut RP-Bescheid die von Hessenwasser beantragte Wassermenge von maximal 5,4 Millionen Kubikmetern – soviel wie bisher – erst nach Endausbau der Infiltrationsanlagen dauerhaft gefördert werden. Der Betreiber klagt deswegen laut Regierungspräsidium ebenfalls gegen den Bescheid.

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